Jazzfestival Basel
Knatsch beim Jazzfestival Basel: Stiftung kündet «Mister Jazz»

Die Stiftung Jazzfestival Basel ist nicht mehr bereit, das finanzielle Risiko des Anlasses zu tragen. Das Festival 2013 findet deshalb in neuen Strukturen statt.

Iso ambühl
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Urs Blindenbacher (59) ist «Mister Jazz» in Basel. Seit über 35 Jahren organisiert er Jazzkonzerte in der Rheinstadt. 1990 hat er das Jazzfestival Basel mitbegründet. 2007 erhielt der Jazz-Organisator den Basler Kulturpreis.

Trotz Lob und Ehre gibt es erstmals heftige Dissonanzen um den Jazz-Fan: Die Stiftung Jazzfestival Basel hat den Vertrag mit ihm als künstlerischem Leiter nicht mehr erneuert. Grund: Blindenbacher wurde kritisiert, dass die Stiftung die finanzielle Verantwortung trage, aber nicht einmal über ein Minimum an Mitsprache verfüge.

Diplomatisch äussert sich Stiftungspräsident Marcel Nickler gegenüber dem «Sonntag»: «Die Parteien wurden sich in einigen Gesprächen bewusst, dass eine Zusammenarbeit in den bisherigen Strukturen nicht mehr zielführend ist.» Darum sei der Vertrag mit Blindenbacher nicht mehr erneuert worden.

«Zukunft liegt in der Kontinuität»

Ein finanziell überraschend schlechtes Festival 2011 hatte die Diskussionen befeuert. «Die Stiftung wollte das finanzielle Risiko des Festivals 2013 nicht mehr tragen und eine Pause einlegen», sagt Blindenbacher. Er betont, dass die Ausgabe 2012 ein finanzieller Erfolg war. Für ihn ist klar, dass die Zukunft des internationalen Festivals in der Kontinuität liege. Eine Pause wäre ein Rückschritt. Angesichts dieser Meinungsverschiedenheit sei sein Vertrag aufgelöst worden, sagt Blindenbacher.

Bislang galt der Gymnasiallehrer als leidenschaftlicher, wenn auch etwas chaotischer Konzertorganisator. Jetzt baut er klare Strukturen für das Festival auf. Die nächste Ausgabe 2013 betreut neu die Off Beat Concert GmbH, die per 1. November ins Handelsregister eingetragen werde. Die neue Firma wird für das Konzept, die Finanzen und das Budget verantwortlich sein. Zielsetzung laut Businessplan: «Das Jazzfestival Basel soll zu einem der Major-Events dieser Art in der Schweiz entwickelt werden.» Die Jazz-, World- und die Electricmusic-Szene stünden im Vordergrund.

Der Nonprofit-Veranstalter rechnet im Budget für 2013 mit Einnahmen von 690000 Franken, was bei Ausgaben von 620000 Franken Rückstellungen von 70000 Franken erlauben würde. Langjährige Partner und Sponsoren wie die beiden Basel mit Swisslos-Beträgen von je 100000 Franken, Baselbieter Gemeinden, Banque CIC, «Basler Zeitung» oder Hauptgönner Heivisch, dem Pseudonym für Heiner Vischer, LDP-Grossrat und Biotech-Unternehmer, bleiben laut Blindenbacher an Bord.

Allerdings blieb die Stiftung auch für 2013 Adressat der Beträge von Gönnern und Sponsoren. Um die Austragung des Festivals 2013 sicherzustellen, hat die Stiftung Hand geboten, die gesprochenen Beträge an Blindenbacher weiter zu leiten. «Unter der Voraussetzungen einer sauberen Budgetierung, einer transparenten Kontoführung sowie einer klaren Organisationsstruktur», sagt Präsident Nickler. Er betont, dass die Stiftung «diese Rolle 2013 ein letztes Mal wahrnimmt».

Jazzschaffen weiterhin fördern

Blindenbacher hat sich die Worte der Stiftung zu Herzen genommen. Er weist auf sein «professionelles Team» mit neuen, bekannten Namen wie dem ehemaligem FC-Basel-Finanzchef Mathieu Jaus mit der Copartner Revision AG (Buchführung, Controlling, Finanzen), Alexandre Stotz von PriceWaterhouseCoopers (Revision) oder dem Bottminger Unternehmensberater Hans-Peter Göldi (Consulting/Controlling) hin.

Blindenbacher ist optimistisch für das Festival 2013. Auch Einzelkonzerte seiner Off-Beat-Series wird er weiterhin organisieren. Noch offen ist, was die Stiftung machen wird: Laut Nickler will man ohne Konkurrenz zum Festival das Jazzschaffen weiter fördern und präsentieren.