Nirgendwo werden die Differenzen deutlicher als beim Europa-League-Final von Mitte Mai. Im Personalmagazin «basilea Info» äussert sich Gesamteinsatzleiter Martin Roth euphorisch zum interkantonalen Einsatz: «Die Zusammenarbeit mit allen Sicherheitspartnern funktionierte ohne Ausnahme hervorragend. Das Zusammenspiel der verschiedenen kantonalen Polizeikräfte im Einsatz gestaltete sich wie immer unproblematisch und war deshalb sehr erfolgreich.» Interne Kritik wird mit keiner Silbe erwähnt.

Kein Bett für Berner Kollegen

Eine Basler Polizistin widerspricht denn auch: «Eine beigezogene Genfer Einheit stand 16 Stunden am Stück im Einsatz.» Die Einsatzleitung habe die Genfer schlicht vergessen. «Diese wollten das zuerst gar nicht wahrhaben.» Eine Berner Einheit sei zudem so lange im Einsatz gewesen, dass sie wegen fehlender Ruhezeit nicht mehr nach Hause fahren durfte, erzählt ein Mitglied der Basler Polizei. Zur Übernachtung seien sie in eine Zivilschutzanlage geschickt worden. Weil diese aber schon belegt war, seien die Berner Kollegen abgewiesen worden. «Am Schluss mussten sie in ihren Kastenwagen übernachten», sagt der Basler Polizist. Die Polizeikorps von Genf und Bern wollen die Zwischenfälle weder bestätigen noch dementieren. «Wir äussern uns grundsätzlich nicht zu Einsätzen in anderen Kantonen», erklärt die Berner Polizeisprecherin Corinne Müller.

Bilder vom Final der Europa-League vom 18. Mai in Basel:

Bestätigung kommt dagegen vom Basler Justiz- und Sicherheitsdepartement (JSD): Es liege in der Natur der Sache, dass bei einem Einsatz dieser Grössenordnung die eine oder andere organisatorische Herausforderung gemeistert werden müsse, betont JSD-Sprecher Andreas Knuchel. Konkret: Tatsächlich hätte die Berner Einheit in einer Basler Unterkunft übernachten sollen. Dort sei es aber zu einem Missverständnis gekommen – denn Platz wäre vorhanden gewesen. So aber hätten die Berner in ihren Fahrzeugen schlafen müssen, bestätigt Knuchel: «Selbstverständlich ist das eine sehr unangenehme Situation und wir verstehen den Unmut der Mitarbeitenden.» Die Basler Polizei habe sich mit einer kleinen Aufmerksamkeit bei den Berner Kollegen entschuldigt.

Der Ärger ist im Basler Korps umso grösser, weil sich das Kader selber gleich eine doppelte Belohnung für den Grosseinsatz gönnte. Kurz nach Abpfiff des Europa-League-Finals feierte es sich mit einem Nachtessen in der Skulpturenhalle. Und damit nicht genug: Bereits am nächsten Tag setzten die 30 Kadermitarbeiter vom «Kernstab Sicherheit noch einen obendrauf. Es folgte eine zweite Feier, diesmal sogar mit einem Flug mit dem Oldtimer-Flugzeug «Tante Ju». Kosten: total 430 Franken pro Person. Das fehlende Fingerspitzengefühl sorgt bei Harald Zsedenyi für Kopfschütteln. «Es gab einige kritische Stimmen», sagt der Vizepräsident des Basler Polizeibeamten-Verbandes.

Unter Basler Polizisten rumort es derweil weiter. So sei es auch beim Debriefing zu Kritik gekommen. «Dabei tauchten die eigentlich Verantwortlichen nicht mal auf. Das kam schlecht an», erzählt eine Polizistin. «Gegenüber dem Kader ist die Stimmung schlechter als auch schon», bestätigt ein männlicher Kollege. Das Korps fühle sich wenig wertgeschätzt. Es komme das Gefühl auf, das Kader schaue vor allem auf sich. Aktuellstes Beispiel: Vor genau einer Woche fand erneut ein Kaderanlass statt. «Ein Referent soll dabei 8500 Franken pro Stunde gekostet haben», sagt die Polizistin kopfschüttelnd. Auch andere Beamte sprechen von einem «sehr teuren Anlass».

Politisches Nachspiel

Bei dem Anlass im Volkshaus handelte es sich um eine Kaderveranstaltung im Rahmen des 200-Jahre-Jubiläums der Kantonspolizei. «Zu Kosten einzelner Referenten können wir aus vertraglichen Gründen keine Stellung nehmen», sagt JSD-Sprecher Knuchel. Bekannt aber ist, dass rund 130 Kadermitarbeiter teilgenommen haben. Kosten pro Person: etwa 300 Franken. Macht summa summarum knapp 40'000 Franken.

Klar ist: Unter Politikern kommt die Mehrfach-Belohnung des Polizeikaders schlecht an. Regierungskandidaten bezeichneten den Rundflug gegenüber dem «Regionaljournal» als übertrieben. Es sei «nicht richtig, wenn das Kader exklusiv belohnt wird», sagte Heidi Mück von der Basta. Und auch die Regierung wird sich nun mit dem Thema befassen müssen. In einem Vorstoss kritisiert CVP-Grossrätin Beatrice Isler die Belobigung des Kaders im Gegensatz zum Einsatz des «Fussvolkes». Nun solle sich die Regierung erklären.