«Der Basilikum ist ein Wunsch der Küchenchefin, daraus kann man wunderbare Pesto machen», sagt Köbi und zeigt auf die über 50 selbst gezogenen Pflänzchen, die in Reih und Glied auf dem Vorplatz der Obdachlosen-Anlaufstelle «Soup & Chill» an der Solothurnerstrasse gedeihen. Vor drei Jahren sei hier noch ein richtiger Urwald aus Bäumen und Gestrüpp gewesen. Dann habe ihn die Präsidentin gefragt, ob er den Garten gestalten wolle. Und er habe Ja gesagt. «Und wenn ich Ja sage, dann mache ich das auch», sagt der 73-jährige, der seit 14 Jahren an Parkinson leidet.

Hunderte von Stunden hat er seither im «Soup & Chill»-Garten verbracht, Unkraut zurückgeschnitten, Beete angelegt und aus Samen Pflänzchen gezogen. In diesem Jahr sind zwei Gewächshäuser für Tomaten dazugekommen und beim Besuch der bz war Köbi gerade mit dem Bau einer Gartendusche beschäftigt. «Ebenfalls auf Wunsch der Präsidentin», sagt er und begutachtet die halb fertige Installation. «Im nächsten Jahr will ich ein Biotop errichten, das ist meine Spezialität als Gärtnermeister.» Als Sanitär habe er ebenfalls gearbeitet und helfe auch bei diesen Arbeiten gerne mit, wenn es etwas zu tun gäbe. «Ich mache es nicht fürs Geld, sondern weil ich eine soziale Ader habe und weil es mir Freude macht», sagt Köbi.

Damit er mit dem kleinen Budget, das der Verein für den Unterhalt des Gartens gesprochen hat, auskommt, schaut er sich regelmässig im Obi nach Aktionen um. «Diese 20 Dahlien habe ich für zehn Franken gekauft. Dreimal bin ich hin und her gelaufen. Zuerst, um zu fragen, ob ich sie kaufen kann, dann zurück zum Laden und schliesslich mit den Blumen in den Garten – aber ich habe ja Zeit.» Und auch im Wiederverwerten von Material ist Köbi ein Spezialist. Ob Gartenplatten, Einkaufswägeli oder Absperrungen: Nichts wird weggeworfen, sondern einem neuen Zweck zugeführt und im Garten integriert.

Auch im Sommer geöffnet

Für das «Soup & Chill» ist Köbi ein echter Glücksfall, sagt Betriebsleiterin Christine Meier. «In diesem Jahr haben wir erstmals auch im Sommer geöffnet und da ist dieser schöne Garten ein Anziehungspunkt.» Viele Institutionen für Obdachlose seien im Sommer an den Wochenenden geschlossen, aber die Leute seien trotzdem da. Aktuell kämen vermehrt Flüchtlinge vorbei, die wissen, dass es im «Soup & Chill» etwas zu Essen gebe.

Nebst den Tomaten, Kürbissen und Gewürzen, die im Garten angebaut und von der Küchencrew verarbeitet werden können, sei Köbis Oase auch bei der Vermietung der Lokalität hinter dem Bahnhof SBB von Vorteil.

«Das ‹Soup & Chill› inklusive Garten kann man für eigene Veranstaltungen mieten, der Erlös hilft uns, das Angebot zu finanzieren», sagt die Betriebsleiterin. «Und da hilft es natürlich, dass wir einen so schönen Garten haben, in dem man beispielsweise eine Geburtstags-Grillparty veranstalten kann.»

Informationen zum Angebot von «Soup & Chill» auf www.soupandchill.com