Oben: Zeitgenössische Kunst hergezeigt, illustriert und debattiert. Unten: Kulinarisches Handwerk, gekocht, serviert und wiedererzählt. Dem Zutritt in die bemalte Kaverne steht nur etwas im Weg: Die Kunstform des Wiener Schmähs, ein Hauch wundervoll inszenierte Verächtlichkeit wie es nur die Maître de Restaurants der alten Schule noch beherrschen. Eine Person? Eine Person.

Die Kunsthalle ist voll. Gutes Zeichen. Der Service, das sei vorneweg genommen, ist vorbildlich. Es ist, als wäre die Zeit in den 70ern stehen geblieben. Freundlich, aufmerksam, schnell. Die Tische: Weiss gedeckt, Stoffserviette, Silberbesteck.

Vorspeise: Beluga Linsen Salat an Trüffel-Vinaigrette mit lauwarmem pochierten Ei. Hervorragend kombiniert. Filigran im Aroma und Geschmack. die Trockenheit der perfekt gekochten Linsen kompensiert mit der genau richtigen Dosis Vinaigrette ohne Überschwemmung. Das Ei perfekt pochiert. Das knackige Salätchen ringsum gibt dem Ganzen den Rest. Ehrlich? Respekt. Da fehlt nur noch der Feinschliff zum perfekten Gericht. Etwas weniger Linsen und graziler angerichtet, vielleicht noch eine fette Scheibe von einem echten schwarzen Wintertrüffel in Butter sautiert und mit wenigen Tropfen Portwein abgeschmeckt.

Tatsächlich stand anfangs die ganze, grillierte Seezunge auf dem Speiseplan. Dieser wurde jedoch vom Aal durchkreuzt. Ragout vom Aal, Herbsttrompeten, Topinampur-Stampf, Herbstgemüse. Aal, ein durchwegs fetthaltiger Fisch dessen doch eher strenge Geschmacksstruktur oftmals diffizil zu handhaben ist.

In der Küche verstehen sie ihr Handwerk. Auf den Punkt geschmort. Die Totentrompeten auf dem toten Fisch bilden eine herbstliche Harmonie. Gut, die Sauce hätte noch etwas mehr Aufmerksamkeit, vorderhand einen Hauch Säure, benötigt. Diese hätte das satte Aroma des Aals etwas aufgebrochen. Und beim Anrichten bräuchte es auch ein klein wenig Design-Nachhilfe. Doch das sind Details.

Auch die einzige Freudlosigkeit konnte das Erlebnis nicht trüben – das Herbstgemüse in Form von bluttem Blumenkohl gedämpft. Meine lieben Freunde, Blumenkohl ist ein König, also behandelt ihn auch so. Wie dem auch sei. Die Kunsthalle. Ein äusserst angenehmer Platz um Mittags episodisch aus dem Alltag auszusteigen, sich zu verlieren, nicht nur Kalorien zu tanken. Und ja, wäre die Linsenportion etwas schlanker dahergekommen, hätte die Möglichkeit bestanden, über den Dessertwagen herzufallen. Aber so. Auf Wiedersehen. Versprochen.