Kultur

Komitee der Trinkgeldinitiative will mehr Geld für Basler Clubs, Bars und Jugendkultur

Mit zusätzlicher staatlicher Unterstützung könnten wohl mehr Künstlerinnen und Künstler von ihrer Arbeit leben.

Mit zusätzlicher staatlicher Unterstützung könnten wohl mehr Künstlerinnen und Künstler von ihrer Arbeit leben.

Populär zu sein bedeutet in Basel-Stadts Kulturleben nicht, dass man reich wird. Viele Bar- und Clubbetreiber angesagter Locations bewegen sich am Existenzminimum, genauso wie manche Alternativmusikerinnen und Alternativmusiker.

97,5 Prozent der städtischen Kulturausgaben fliessen in die so genannte Hochkultur – vor allem ins Theater und in die klassische Musik. Das Komitee «Kulturstadt Jetzt» bekämpft diese Ungleichbehandlung mit der so genannten Trinkgeldinitiative. Gestern lancierte es die Kampagne – am 29. November stimmen die Basler darüber ab.

Kanton ist zu wenig offen für Neues

Die Kritik von «Kulturstadt Jetzt» richtet sich weniger gegen die Tatsache, dass der Kanton zu viel für die Theaterschaffenden und die klassischen Musikschaffenden ausgibt, als dass er zu wenig an die übrigen ausschüttet. Emélie Dunn etwa, Vizepräsidentin der Basler Jungliberalen und Mitglied von «Kulturstadt Jetzt», warf dem Kanton vor, sich viel eher für «etablierte» Kultur zuständig zu fühlen als für Neues – und das Wagnis des Unkonventionellen scheue.

Es ist aber an Regierung und Parlament, bei einer Annahme der Initiative über die Verteilung zu entscheiden. Initiantin Lisa Mathys (SP) sagt, der Initiativtext sei bewusst offen gehalten worden. «Vieles ist möglich. Denkbar sind erhöhte Werkbeiträge an die Künstlerinnen und Künstler, aber auch Veranstaltungs- oder Bandförderung.»

Musikern geht im heutigen System der Schnauf aus

Die Initianten fühlen sich vor allem auch durch die Coronapandemie bestärkt, welche bei vielen Alternativkünstlern und Betreibern von subkulturellen Orten Existenzängste schürt. Mathys etwa sagt, dass die 2,5 Prozent, welche die Jugendkultur im gesamten Kulturetat ausmachten, angesichts der Publikumsträchtigkeit dieser Sparte «absurd» wenig seien. «In der jetzigen Situation zeigt sich, wie klein die Reserven dieser Kulturschaffenden deswegen ist.»

Die SP-Grossrätin ist – unabhängig von Corona – überzeugt, dass die zusätzliche staatliche Unterstützung auch dazu führt, dass mehr Künstlerinnen und Künstler von ihrer Arbeit leben könnten. Dies sei auch fürs Angebot wünschenswert. «Vielen Kulturschaffenden geht irgendwann der Atem aus – weil sie auch nach vielen Jahren keine existenzsichernde Grundlage haben.» Dabei brauche es oft Zeit, bis man den Durchbruch schaffe – Zeit, welche die meisten Basler Bands derzeit nicht haben. Und Zeit, die ihnen künftig dank der Trinkgeldinitiative zur Verfügung stehen soll.

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