Waaghof
Kommen Basler Ausbrecher davon? Freiheitsdrang kein Strafbestand in der Schweiz

Das Gefängnis steht mitten in einem Wohngebiet – das kommt den Insassen bei einer Flucht entgegen. Zudem müssen sich die Häftlinge wegen ihres Ausbruchs nicht vor Gericht verantworten. Denn Freiheitsdrang ist kein Straftatbestand.

Moritz Kaufmann
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Links das Wohnhaus, rechts das Sicherheitsgebäude. Kenneth Nars

Links das Wohnhaus, rechts das Sicherheitsgebäude. Kenneth Nars

Wand an Wand mit Häftlingen wohnen: Was das bedeutet, hat der spektakuläre Ausbruch dreier Krimineller aus dem Untersuchungsgefängnis Waaghof am Sonntag gezeigt. Ein Gefängnis mitten in einem Wohngebiet – das wird allgemein als Fehlplanung betrachtet. Insbesondere deshalb, weil der Waaghof kein frei stehendes Haus, sondern an Wohn- und Bürogebäude angebaut ist. «Ein eigenes Gebäude wäre mein Wunsch», sagt Waaghof-Leiter Jörg Degen. Dieser wird sich aber nicht erfüllen: «Ein Neubau liegt finanziell nicht drin.»

Drei Gebäude in einem

Ausbruch: Kein Strafbestand

Falls die drei Flüchtigen wieder gefasst werden, müssen sie sich wegen des Ausbruchs aus dem Gefängnis nicht vor Gericht verantworten. Eine solche ist laut Juristen mit dem allgemeinen Freiheitsdrang zu rechtfertigen und ist hierzulande deswegen kein Straftatbestand. Ohne Folgen dürfte der Ausbruch trotzdem nicht bleiben. Die drei haben sich nämlich beim Ausbruch der Sachbeschädigung schuldig gemacht. Sie werden also für den angerichteten Schaden aufkommen müssen. (MKf)

Die Vorteile eines frei stehenden Gefängnisses – wie das Ausschaffungsgefängnis Bässlergut eines ist – liegen auf der Hand: bessere Übersicht, weniger Einflüsse von aussen und auch mehr Möglichkeiten, bauliche Anpassungen vorzunehmen. Trotzdem ist Markus Mohler, ehemaliger Kommandant der Basler Polizei und heutiger Lehrbeauftragter an Universitäten, überzeugt, dass sich auch eingebaute Gefängnisse wie der Waaghof sicher betreiben lassen: «Mit der Technik ist das heute gut möglich. Es gibt ja Alarmanlagen, Bewegungsmelder und Videoüberwachung.» Als man den Waaghof in den 90er-Jahren gebaut hat, sei die Ausbruchsproblematik deshalb nicht gross zur Debatte gestanden.

«Das gibt ein gutes Fasnachtssujet»

Mohler kann es darum auch kaum glauben, dass es den Einbrechern gelungen ist, Wände zu durchbrechen, ohne den Alarm auszulösen. «Das gibt ein gutes Fasnachtssujet», ist er überzeugt. Tatsächlich versucht das Baudepartement für die Staatsanwaltschaft, welche die Untersuchungen leitet, herauszufinden, ob alle baulichen Vorschriften eingehalten wurden – oder ob gepfuscht wurde.

Gestern machte die «Basler Zeitung» bekannt, dass der Bewohner der Wohnung, durch welche die drei Häftlinge geflohen sind, die Gefängnisleitung schon Tage zuvor auf Lärm im Gebälk aufmerksam gemacht hatte. Abklärungen hätten allerdings nichts Verdächtiges zutage gefördert. Trotzdem kann man jetzt schon sagen: Dieser Ausbruch wird Konsequenzen haben.