Kommentar
Mit dem Finger auf die Partymeute zu zeigen, ist zu einfach

Am Wochenende feierten Hunderte im Hafenareal eine illegale Party. Doch nicht nur Jugendliche feiern vorschnell das Ende der Pandemie.

Jonas Hoskyn
Jonas Hoskyn
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Überbleibsel einer wilden Partynacht.

Überbleibsel einer wilden Partynacht.

Nicole Nars-Zimmer

Die Partyszenen, die sich am Wochenende im Basler Hafenareal abgespielt haben, sind in aller Schärfe zu kritisieren. Bei allem Verständnis für den Frust und die Ungeduld der Jugendlichen. In der Verantwortung stehen aber auch die Behörden. Die Eskalation im Hafen hatte sich schon in den vergangenen Wochen angekündigt. Doch statt zu handeln, vertraute man auf das Prinzip Hoffnung. Es ist davon auszugehen, dass sich derlei nicht wiederholen wird. Die Basler Regierung hat am Beispiel der Steinenvorstadt gezeigt, dass sich Partymeilen regulieren lassen, wenn der politische Wille dazu da ist.

Gleichzeitig macht man es sich zu einfach, mit dem Finger auf die Partymeute zu zeigen. Die sinkenden Zahlen und die Aussicht auf einen baldigen Impftermin machen sich weitum bemerkbar. Wer in der Stadt unterwegs ist, merkt – abgesehen von den Masken – kaum noch einen Unterschied zur Prä-Coronazeit. Der Katalysator der Pubertät sorgt dann halt für Szenen wie am vergangenen Wochenende. Die Jugend hat ein Recht auf Freiraum und ein Stückweit auch darauf, sich dumm zu benehmen. Und Behörden dürfen Fehler machen, wenn sie daraus lernen.

Es ist mehr als nachvollziehbar, wenn die Menschen nach einem Jahr die Nase voll haben. Nun schon das Ende der Pandemie zu feiern, könnte sich aber als bitterer Trugschluss entpuppen. Es braucht hoffentlich nur noch ein paar Wochen Geduld, bis sich die Lage bessert – aber von uns allen.