Verwaltungsrat
Kommt das gut? Der FCB-Vorstand besteht aus fünf Freunden

Nach Gigi Oeri ist der FC Basel neu ganz auf Präsident Bernhard Heusler und seine Freunde ausgerichtet. Diese Harmonie funktioniert in Zeiten des Erfolgs. Doch wie sieht es bei einem Misserfolg aus? Können sich persönliche Differenzen gar auf den FCB auswirken?

Christian Mensch
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Die FCB-Verwaltungsräte: Adrian Knup, Georg Heitz, René Kamm, Stephan Werthmüller und Bernhard Heusler (von links nach rechts)

Die FCB-Verwaltungsräte: Adrian Knup, Georg Heitz, René Kamm, Stephan Werthmüller und Bernhard Heusler (von links nach rechts)

Keystone

Die deutsche Trainer-Legende Sepp Herberger (1897–1977) hat die gültige Weisheit formuliert, was für den Erfolg einer Fussballmannschaft nötig sei: «Elf Freunde müsst ihr sein.» Der FC Basel, der Top-Fussballklub in der erfolgreichsten Periode seiner Geschichte, nimmt sich die Weisheit zu Herzen. Zwölf Freunde sind es gar, seit Heiko Vogel auf der Trainerbank sitzt. Fünf Freunde sind nun in der Vorstandsetage versammelt.

Drei enge Freunde im Verwaltungsrat

Bernhard Heusler (48), gemäss Handelsregister seit März 2012 Präsident des Vereins wie der FC Basel 1893 AG, hat an der FCB-Generalversammlung vom vergangenen Montag drei enge Freunde in den Verwaltungsrat geholt: René Kamm (52), Stephan Werthmülller (55) und Georg Heitz (43). Zusammen mit dem ehemaligen FCB-Stürmer und bisherigen Verwaltungsrat Adrian Knup (43) bilden sie sowohl das Führungsgremium der FC Basel AG und gemeinsam werden sie auch das Führungsgremium der FC Basel Holding bilden.

Seit der Uni mit Heusler freundschaftlich verbunden

René Kamm, CEO der MCH Group, hatte ein Heimspiel, als er von den Vereinsmitgliedern im Messesaal San Francisco per Akklamation im Amt als Verwaltungsrat, zuständig für Marketing, bestätigt wurde. Kamm ist seit den Zeiten an der Universität Basel mit Heusler freundschaftlich verbunden.

Die smarten Freunde treffen sich auch im Lions-Club Basel. Kamm hat seine Verbundenheit mit dem FC Basel bisher schon unter Beweis gestellt: Die Muba ist ein «Premium Partner», die Muttergesellschaft MCH Group ist als Sponsor der Holding-Gesellschaft aufgeführt.

Auch Stephan Werthmüller, zuständig für den Bereich Finanzen, gehört zu Heuslers engerem Bekanntenkreis. Der Steuerexperte, der von 1996 von 1998 schon einmal FCB-Finanzchef war, ist Konsulent der Basler Anwaltskanzlei Wenger Plattner – in der gleichen Kanzlei ist Bernhard Heusler seit dem Jahr 2000 Partner. Gemeinsam sitzen sie im Verwaltungsrat der Euxinus AG des vergangene Woche verstorbenen Baselbieter Fleischhändlers Walter Schneider (Grauwiler Fleisch AG). Werthmüller ist treuer Begleiter des Basler Gastronomen Simon Lutz; in dessen Restaurant Aqua feiern die Fussballer gerne ihre Titel.

Nicht operativ tätig

Kamm und Werthmüller haben Zuständigkeiten, sind jedoch operativ nicht tätig. Anders Heusler als Delegierter des Verwaltungsrats sowie Heitz und Knup. Der ehemalige Sportjournalist Heitz, der über einen Abstecher beim Weltfussballverband Fifa zum FCB gestossen ist, wirkt seit 2009 als Sportkoordinator. Seit der Generalversammlung darf er den Titel Sportdirektor tragen.

Adrian Knup war bis 2010 Geschäftsleitungsmitglied der zum Freddy-Burger-Konzern gehörenden Veranstalterfirma Die Event Schweiz AG. Seit seinem Ausscheiden führt er zwar die Einzelfirma Adrian Knup Consulting, doch er arbeitet vor allem als Nachwuchs-Verantwortlicher für den FC Basel.

In der neuen Konstellation trägt er zudem den Titel des Vizepräsidenten des Verwaltungsrats. Bei der Event Schweiz AG wurde Knup im Übrigen von Loris Melikoff abgelöst, der im Auftrag des Kantons Basel-Stadt auch die Geschäfte der benachbarten St. Jakobshalle führt. Die Wege sind kurz: In den 1990er-Jahren war Werthmüller Verwaltungsrat der Event Schweiz AG, zwischen 2002 und 2004 hatte Heusler dieses Amt inne.

Pauschale Monatsentschädigung von 4000 Franken

Die Verwaltungsräte erhalten pauschal eine Monatsentschädigung von 4000 Franken. Messe-Konzernchef und FCB-Sponsor René Kamm kommt damit auf einen Jahreszustupf von 48000 Franken. Die operativ tätigen Verwaltungsräte werden zusätzlich entschädigt.

Die FCB-Generalversammlung konnte ihre Zustimmung zu den Verwaltungsräten geben, doch die Machtverhältnisse liegen anders: Drei Viertel der AG-Aktien gehören der FC Basel Holding. Diese wiederum gehörte bis Januar zu neunzig Prozent der Sportmäzenin Gigi Oeri.

Mit ihrem Rückzug auf die Nachwuchsarbeit mit ihrer Stiftung Nachwuchs-Campus Basel hat sie die Aktien angeblich zu einem symbolischen Preis an Heusler übergeben. Obwohl das Handelsregister sie offiziell immer noch als Präsidentin der FC Basel Holding führt, gilt schon heute: Heusler ist nicht nur dreifach Präsident in Verein, Holding und AG, er ist der Besitzer des FC Basel.

Heusler wurde zufällig Fussball-Funktionär

Wer hätte gedacht, dass der freundliche Basler Anwalt einmal so eine Machtfülle bei einem Fussball-Klub erhalten würde. Heusler, aufgewachsen in Binningen, war zwar schon als Jugendlicher FCB-Fan. Diese Leidenschaft teilt seine Frau Ariane Heusler-Widmer (45).

Die diplomierte Hotelfachfrau arbeitet auch beim FCB, teilzeitlich als Mitarbeiterin im Fanshop. Ein Fussball-Funktionär ist Heusler zufällig geworden. Es war im Jahr 2003, als der Anwalt wegen der Wirren um den geplatzten Transfer von Hakan Yakin zu Paris St.Germain um rechtlichen Rat gefragt wurde.

Meriten holte er, als er die nationale «Schande von Basel» mit den wilden Schlägereien unter den Fans des FCB und des FC Zürich aufarbeiten half. 2009 wurde er operativer Chef des Klubs und dieses Jahr stieg er zum Präsidenten auf.

Über 160 Mitarbeiter

Die starke Stellung Heuslers sowohl in der Klubleitung als auch als VR-Präsident ist nicht unbedenklich. In Zeiten des grossen Erfolgs mag eine solche Doppelfunktion auf operativer und strategischer Ebene unwichtig sein. Mit den Regeln einer guten Unternehmensführung, der Corporate Governance, ist solches nicht zu vereinbaren – auch nicht für ein KMU wie den FC Basel.

Der Klub ist heute ein Eventunternehmen mit einem Umsatz von über 67 Millionen Franken und über 160 Mitarbeitern. Die Rechnung der Betriebsgesellschaft ist zwar für einen Fussballklub ausserordentlich transparent. Nur: Zur FC Basel Holding gibt es keine Zahlen. Sie ist die Blackbox des erfolgreichen FC Basel.