Coronavirus

Kommt der grosse Ansturm? Förster fürchten sich vor Waldweihnachten

Der Bund rät zu Waldweihnachten – jetzt appellieren Förster an die Vernunft der Bevölkerung.

Der Bund rät zu Waldweihnachten – jetzt appellieren Förster an die Vernunft der Bevölkerung.

Wegen Corona feiern immer mehr Menschen in der Natur – das führt zu Littering und Vandalismus. Förster appellieren an die Bevölkerung, sich im Wald an die Regeln zu halten.

Die Verwandtschaft ist mit gefüllten Bäuchen in der warmen Stube um den Weihnachtsbaum versammelt. Die flackernden Kerzen spiegeln sich in den bunten Kugeln. Die Teenies schauen heimlich auf das Smartphone. Der Grossvater schlägt das Buch mit der Weihnachtsgeschichte auf. Die Kinder beäugen ungeduldig die Geschenke unter dem Baum, während der Onkel am Klavier «Stille Nacht» anstimmt und die Mutter dem Sohn eine Blockflöte in die Hand drückt. Weihnachten dieses Jahr wird anders. Wir leben in einer Pandemie. Grosse Menschenansammlungen sind verboten. Deshalb hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) kürzlich darauf verwiesen, stattdessen Waldweihnachten zu feiern.

Das Aufräumen von Lametta hängt an der Bürgergemeinde

Bei Christian Kleiber sträuben sich die Nackenhaare. Er ist Revierförster und Forstbetriebsleiter bei der Bürgergemeinde Basel und appelliert an die Bevölkerung, sich beim Feiern im Freien an die Regeln zu halten.

Dazu hat er allen Grund. Jüngstes Beispiel ist Vandalismus auf einem Plätzchen im Hardwald. Eine Spielgruppe hat dort aus Ästen ein Waldsofa gebaut und jedes Kind hat einen Patenbaum beschriftet. «Mehrere Wochenenden hintereinander wurde das Waldsofa angezündet und Abfall hinterlassen», so Kleiber. «Das ist einfach nur respektlos.» Jeder, der in den Wald gehe, sei dort zu Gast.

«Wer räumt das ganze Lametta, die Kerzen und den Abfall weg, wenn dort, wie derzeit vielfach empfohlen, Weihnachten gefeiert wird?». Das bleibe dann an der Bürgergemeinde hängen, die übrigens nicht von Steuergeldern lebe, wie manche Querulanten ihr Verhalten im Wald rechtfertigen würden. Der Wald würde zertrampelt und Kleiber dürfe sich gar nicht vorstellen, wie es dann aussehe, wenn auch noch jeder ausserhalb der öffentlichen Feuerstellen ein Feuer entfache, führt er weiter aus. «Das macht uns wirklich starkes Bauchweh.»

Schlechtes Wetter würde die Situation entspannen

Ähnlich tönt es beim Amt für Wald beider Basel. «Seit dem Lockdown im Frühling halten sich viel mehr Leute im Wald auf als früher. Entsprechend grösser ist das Litteringproblem geworden», sagt Amtsleiter Ueli Meier. Und der Jungwald trage Schaden davon, wenn die Leute sich vermehrt abseits der Waldwege aufhalten würden. Konkret gelte im Wald, was auch im eigenen Garten gilt.

«Tatsächlich aber gibt es keine Regel, dass man sich etwa nachts nicht im Wald aufhalten darf.» Aber gerade während der Dämmerung gebe es viele Tiere, die Ruhe bräuchten.

Deshalb sei man beim Amt für Wald nicht gerade glücklich über die Empfehlungen des BAG gewesen. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gibt es allerdings doch noch: «Schlechtes Wetter würde die Situation mit der Waldweihnacht für die Umwelt und die Waldbesitzer erleichtern», sagt Ueli Meier. Er und verschiedene Förster der Region Basel sind sich einig: Man kann schlicht nur an den gesunden Menschenverstand appellieren. Vom Tisch sein wird das Thema rund um das Verhalten im Wald nämlich noch lange nicht. Das nächste Sorgenkind – Silvester – steht bald vor der Tür.

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