«Es ist nicht üblich, dass Spieler seiner Klasse im Testtraining erscheinen», sagt Ruedi Zbinden. Die Angst der Agenten und Stammvereine vor einem negativen Ausgang und somit vor einem Wertzerfall des Spielers sei jeweils zu gross.

Im Fall von Mohamed Salah spielt dem Chefscout des FC Basel in die Karten, dass die ägyptische Meisterschaft nach der Katastrophe in Port Said mit 74 Toten abgebrochen worden ist. Begehrte Profis aus dem Land der Pharaonen haben nun die Möglichkeit, bei interessierten Klubs vorzuspielen. Der 19-jährige Salah tut es in dieser Woche ausgiebig beim FCB.

Die besten Szenen des möglichen Shaqiri-Nachfolgers Mohamed Salah

Die besten Szenen des möglichen Shaqiri-Nachfolgers Mohamed Salah

Doppeltorschütze gegen Basel

Zbinden beschreibt Salah so, wie der Nachfolger des abwandernden Xherdan Shaqiri zu sein hat. Linksfuss, dribbelstark, schnell am Ball, wendig, gute Schusstechnik. «Ja, er ist ein ernsthafter Kandidat», so Zbinden, «sonst hätten wir ihn nicht zu uns eingeladen.» Zwar müsse er noch viel lernen, sich vor allem das Defensivverhalten einverleiben. «Aber auch Shaqiri ist noch kein fertiger Spieler», sagt Zbinden.

Der FC Basel hat den Lockenkopf seit der U17-WM in Mexiko im vergangenen Sommer auf dem Radar. Ein Mitglied der Basler Scouting-Abteilung hat Zbinden aus Mexiko einen überzeugenden Bericht zu Salah geliefert. Seither stehen der FCB und Salahs Berater in regelmässigem Kontakt. Letzten Freitag konnten sich die FCB-Verantwortlichen zum ersten Mal ein Bild des Talents machen. Salah spielte mit der ägyptischen Olympia-Auswahl gegen Basel und traf beim 4:3-Sieg doppelt.

Vertrag bis 2014

Der Wille des Spielers, in Basel zu unterschreiben, ist gross. «Er möchte gar nicht mehr zurück nach Ägypten», sagt Zbinden. Der St. Jakob-Park, die gute Stimmung im Team, aber auch die Stadt imponieren Salah. Sollte es tatsächlich zu einer Verpflichtung kommen, schickt der FCB den Ägypterals Erstes in einen Deutschkurs. Salah spricht nur seine Muttersprache. «Das ist ein Problem, aber ein lösbares», sagt Zbinden.

Und eines, das sich erst stellen würde, wenn ein anderes gelöst wurde:Salahs Vertrag beim Kairoer Vorortklub Arab Contractors SC läuft bis 2014. Wenn, dann lässt dieser sein bestes Pferd im Stall nur für eine Millionensumme gehen. Und nicht für die 360000 Franken, auf die das Internetportal Transfermarkt.ch seinen Marktwert schätzt. Salah ist seit kurzem Stammspieler des siebenfachen Afrikameisters Ägypten und – glaubt man den im Netz kursierenden Berichten – auch im Visier von Espanyol Barcelona, Newcastle United und Köln.

Geld hat der FCB nach dem Verkauf von Shaqiri und den Einnahmen aus der Champions League zwar zu Genüge, Fantasiepreise wird er aber auch in Zukunft nicht bezahlen. Salah hat seine Entscheidung getroffen: «Ich will unbedingt nach Basel. Der FCB wird wahrscheinlich Meister und nächste Saison vielleicht Champions League spielen. Davon träume ich.»