Kunsthaus Baselland

Komplexer Verhandlungs-Poker um neuen Kunsthaus-Standort

Auf dem Dreispitz-Areal befindet sich ein möglicher neuer Standort für das Kunsthaus Baselland – vielleicht hier auf dem Areal an der Oslostrasse?

Auf dem Dreispitz-Areal befindet sich ein möglicher neuer Standort für das Kunsthaus Baselland – vielleicht hier auf dem Areal an der Oslostrasse?

Auf dem Dreispitz-Areal ist viel los. Die Christoph-Merian-Stiftung (CMS) will dort ein Kunstfreilager errichten. Die Fachhochschule wird in das ehemalige Zollfreilager einziehen, wobei ein Kopfbau von Morger & Dettli neu erstellt wird.

Veranstaltungen wie Shift, das Festival elektronischer Medien, der Basler Kunstkredit, aber auch freie Kunst-, Musik- und Tanzprojekte konnten und können die provisorisch nutzbaren Räume für ihre Vorhaben verwenden. Das Haus für elektronische Künste befindet sich, wie das Internationalen Austausch- und Atelierprogramm Basel (IAAB), in einem renovierten Gebäude. Die «Rakete Dreispitz», ein Bürohaus für Jungunternehmen, ist in Planung, auch ein spezieller Schaulager-Turm für die Modelle und Projekte von Herzog & de Meuron.

Diffuser Stand der Entwicklung

Auch ist seit einiger Zeit die Rede davon, das Kunsthaus Baselland verlasse seine Räume neben dem St. Jakob-Stadion und richte sich, zusammen mit dem Haus für elektronische Künste und den Ateliers der IAAB, in einem neuen Gebäude ein, in unmittelbarer Nähe zum Kopfbau der Fachhochschule. Der Stand der Entwicklung blieb lange diffus. Einmal hiess es, das Angebot der Christoph-Merian-Stiftung sei unrealistisch, ein andermal mangelte es am Entscheidungswillen des Basellandschaftlichen Kunstvereins – oder es fehlte ein Bekenntnis der Regierung zum neuen Standort.

«Alles nur Gerüchte», sagt Hanspeter Schweizer, Vizepräsident des Kunstvereins Baselland. Die Verhandlungen seien weder auf Eis gelegt noch abgebrochen worden, man habe lediglich einen neuen Ansatz finden müssen. Was heisst das? Hanspeter Schweizer verweist auf die Einleitung des Jahresberichtes des Kunstvereins Baselland.

Neues Projekt wird aufgegleist

Darin steht: «Das Standortprojekt Dreispitz, dem der Vorstand positiv gegenübersteht, hat im vergangenen Jahr vordergründig kaum Fortschritte gemacht. Die politischen Voraussetzungen (...) und die finanzpolitische Situation sind Ursache der Verzögerungen, sodass die Finanzierung der Investitionen nach wie vor ungewiss ist. Hingegen hat sich in der Zwischenzeit abgezeichnet, dass das ursprüngliche Kunsthausprojekt, ein Neubau des Architekturbüros Bearth und Deplazes, zu aufwändig sein dürfte. Der Kunstverein ist zusammen mit der Christoph-Merian-Stiftung daran, ein neues Projekt aufzugleisen. Dabei wird die Idee verfolgt, ein bestehendes Gebäude auf dem Dreispitz für den Kunsthausbetrieb umzubauen.»

Es sind also politische und finanzielle Fragen, die auf Sein oder Nichtsein des Standortes Dreispitz einwirken. An der Ausstrahlung des Kunsthauses kann es nicht liegen. Sabine Schaschl und ihr kleines Team leisten hervorragende Arbeit, das Kunsthaus Baselland ist gut positioniert und seinem Auftrag gemäss ausreichend finanziert. Bestimmt würde man auf dem Dreispitz von möglichen Synergien profitieren, neue Impulse durch einen Standortwechsel sind garantiert.

«Zwingend auf dem Dreispitz»

Auch Regierungsrat Urs Wüthrich begrüsst eine positive Entwicklung rund um das Kunsthaus Baselland, wie er in einem kürzlich verfassten Memorandum schreibt. Über den aktuellen Stand formuliert er: «Ich nehme zur Kenntnis, dass das ursprüngliche Projekt der CMS nicht gemäss Vorprojekt und damit ohne den Kunstverein Baselland realisiert wird.» Und in den «Leitplanken für die Beteiligung des Kantons Basel-Landschaft am Kunsthaus des Kunstvereins Baselland» steht: «Das neue Kunsthaus BL muss zwingend auf dem Dreispitzareal realisiert werden. Dessen Realisierung ist unter kulturpolitischen Gesichtspunkten und Prioritäten wünschenswert aber keine Pflicht.» Ein klares Votum pro Kunsthaus Baselland auf dem Dreispitz.

Toni Schürmann, Pressesprecher der Christoph-Merian-Stiftung, kommentiert die Situation so: Das Projekt das Kunsthaus Baselland, das Haus für elektronische Künste und die IAAB-Ateliers unter einem Dach zu vereinen, wird nicht weiterverfolgt. Die Christoph-Merian-Stiftung arbeitet momentan an einem Vorprojekt, dass die beiden Letztgenannten vereint. Die Stiftung bietet weiterhin Hand auf der Suche nach einem alternativen Standort für das Kunsthaus Baselland auf dem Dreispitz, der Ball liegt aber beim Kunstverein Baselland respektive der in Gründung befindlichen Stiftung Kunsthaus Baselland, die als Hauptzweck die «räumliche Unterbringung» des Kunsthauses zum Ziel hat.

Die CMS freut sich weiterhin auf ein Kunsthaus Baselland auf dem Dreispitz. Damit liegt der Ball wieder beim Kunstverein Baselland. Hanspeter Schweizer bestätigt, dass Verhandlungen zwischen dem Kunstverein und einem Hausbesitzer auf dem Dreispitz stattfinden sollen. Mehr sagt er noch nicht.

Man schiebt sich den Ball zu

Man wird den Eindruck nicht los, dass es sich um ein komplexes Verhandlungs-Spiel handelt, bei dem sich die einzelnen Parteien gegenseitig den Ball zuschieben. Es gibt weder Torwart noch Schiedsrichter, aber einen grossen Strafraum. Auch will niemand ein Risiko eingehen, schriftliche Statements werden mündlichen Aussagen vorgezogen. Mal sehen, was die Verlängerungsrunde dieses Spiels bringt und ob es die letzte sein wird. Wenn nicht bald ein positives Resultat auf den Tisch kommt, kann es gut sein, dass in diesem Spiel nur Verlierer übrig bleiben. Dann bliebe vom neuen Kunsthaus bloss ein abgenagter Knochen des Hundes, der irgendwo zwischen gut gemeinter Politik und sorgfältiger Diplomatie begraben liegt.

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