Die Regierung möchte das Felix-Platter-Spital abreissen und auf dem Areal neue Wohnungen bauen. Der Basler Heimatschutz will, dass das Spital auf jeden Fall stehen bleibt. Nun haben die Wohnbaugenossenschaft wohnen&mehr, die auf dem Areal bauen möchte, und der Heimatschutz einen Kompromiss ausgehandelt. Das hat das Regionaljournal von Radio SRF berichtet. Der Kompromiss sieht vor, dass der Hauptbau, also das eigentliche Spital, stehenbleibt und nur die beiden Schwesternhäuser daneben abgerissen werden.

Jörg Vitelli, Präsident des Dachverbandes der Wohnbaugenossenschaften, ist zufrieden mit der Lösung: «Ich finde das einen sehr guten Kompromiss und vor allem finde ich es toll, dass der Heimatschutz auch Hand geboten hat und nicht auf seinem Standpunkt beharrt, dass man einfach alles integral erhalten muss», sagte er gestern gegenüber dem Regionaljournal. Die Schwesternhäuser und vor allem die Verbindungsgänge würden einen grossen Teil des Areals belegen, wo man tolle Genossenschaftswohnungen bauen könnte.

Noch ist es ein Vorschlag

Auch Paul Dilitz, Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes, ist froh über die Verhandlungen mit den Genossenschaften. Der Heimatschutz hatte Rekurs gegen den Abriss eingereicht. Dort ging es aber vor allem um den Hauptbau, also um das eigentliche Spital. Dieses möchte Dilitz lieber mit einem Kompromiss retten als mit einem gerichtlichen Verfahren. Trotzdem äussert er sich gegenüber dem Regionaljournal zurückhaltend: «Das ist erst ein Vorschlag und er muss noch definitiv bei allen Beteiligten Anklang finden.»

Das Minimalziel ist erreicht

Unter anderen muss die freiwillige Denkmalpflege über den Kompromiss beraten. Das geschehe nächste Woche. Christian Eich, der Präsident der freiwilligen Denkmalpflege, sagte gegenüber dem Regionaljournal aber bereits, dass auch er hinter der gemeinsamen Lösung stehe: «Ich denke, man hat mit diesem Kompromiss das Minimalziel erreicht.» Er werde seinem Verein beantragen, dem Kompromiss zuzustimmen.

Ob auch andere Kritiker mit dem Kompromiss der Wohnbaugenossenschaft und des Heimatschutzes leben können, wird sich zeigen. Ende Juni vergangenen Jahres hat sich die Sektion Basel des Bunds der Schweizer Architekten für den Erhalt des Felix-Platter-Spitals starkgemacht. Das Bauwerk müsse als «anschauliches Beispiel für die Nachkriegsmoderne» erhalten bleiben, sagten sie gegenüber der «Schweiz am Sonntag».

Die Quartierbevölkerung ist sich insofern einig, dass eine Mehrheit das Vorhaben begrüsst, auf dem Areal genossenschaftliche Wohnungen zu bauen. Das hat eine nicht repräsentative Umfrage des Stadtteilsekretariats Basel-West Ende Juli 2015 gezeigt. Allerdings wünschten sich 60 Prozent der Befragten eine Umnutzung des alten Spitalbaus und haben sich damit gegen dessen Abriss ausgesprochen.

Regierung muss über die Bücher

So oder so: Auch wenn Heimatschutz und die Wohnbaugenossenschaft eine gemeinsame Lösung gefunden haben, bleibt unklar, ob dieser Kompromiss tatsächlich umgesetzt wird. Die Basler Regierung hat nämlich Ende März entschieden, dass sie das Spital samt Hauptbau abreissen und nicht unter Schutz stellen möchte. Sie müsste also neu entscheiden und anstatt alles abzureissen, den Bau aus den 1960er-Jahren stehen lassen.

Was auf dem Areal genau entsteht, sollte die Regierung den Kompromiss unterstützen, ist noch nicht geplant. Für Jürg Vitelli vom Dachverband der Wohnbaugenossenschaften ist allerdings klar: «Wenn 500 Wohnungen auf dieses Areal kommen, muss man nicht nur ans Wohnen denken, sondern auch an die Quartiernutzung.» Es brauche Kindergärten, Tagesstätten, einen Zahnarzt und Hausarzt, die Spitex oder vielleicht auch ein, zwei Primarschulklassen. Gemäss Vitelli könnte man viele dieser Dinge im alten Spital unterbringen. «Zum Beispiel in der Kantine im Parterre.»

Die Regierung muss bereits in ein paar Wochen über das weitere Vorgehen beim Felix-Platter-Spital beraten. Die Bauarbeiten sollen dann in drei Jahren starten.