Sicherheit

Konfliktzone Dreirosen: Wenn dazu noch Aktivisten die Anlage besetzen – ein Augenschein

Die Dreirosenanlage kommt nicht aus den Schlagzeilen. Nachdem es zuletzt vermehrt zu Konflikten und Gewalttätigkeiten gekommen war, blieb es dieses Wochenende zwar friedlich. Doch die Anlage wurde für eine politische Aktion benutzt – und für zwei Tage teilweise besetzt.

Ein einsamer Muskelmann macht Liegestütze. Sonst setzt sich auf der Dreirosenanlage an diesem Samstag kaum jemand der Nachmittagssonne aus. Aber der Park wird genutzt: Zwischen den Birken hängen bunte Tücher, unter Festzelten wird Pizza gebacken und Kinder planschen im Swimmingpool. Etwa 50 Leute sitzen im Schatten der Bäume. Kurz vor 14 Uhr spannen die Aktivistinnen und Aktivisten von «3 Rosen gegen Grenzen» eine riesige grüne Blache quer über die Wiese.

Bühne, Filmleinwand und Öko-WCs werden aufgebaut. Andere kümmern sich ums Essen oder betreuen die Kinder in und um den Swimmingpool. Die Gruppe «3 Rosen gegen Grenzen» hat den öffentlichen Park dieses Wochenende besetzt, um gegen die Schweizer Asylpolitik, Ausschaffungshaft und Racial Profiling zu protestieren.

Mehr Konflikte auf dem Areal

Szenenwechsel. «Todo bien?» fragt Marc Moresi, Leiter der Freizeithalle Dreirosen, eine Ecuadorianerin in der Küche. Als er mit einem Organisator des afrikanischen Kulturfest, für das unter der Dreirosenbrücke gerade die Grills eingeheizt werden, spricht, wechselt er auf Französisch. Das Fest wird bis fünf Uhr morgens dauern. «Wir sind Teil der kulturellen Durchmischung», sagt Moresi.

Trotzdem: Die Vorfälle im Park häufen sich. Wegen der Nähe zu Schule und Freizeithalle ist das besonders heikel: «Kinder sollten nicht Zeugen von Gewalt und Drogen werden.» Darum begrüsst er es, dass die Polizei die Dreirosenanlage «engmaschig» kontrolliert. Für die Vorfälle verantwortlich seien oft Sans-Papiers. «Wie soll ich damit umgehen, wenn ein 14-Jähriger während eines halben Jahres täglich im Park sitzt, kifft und dealt?» Dessen Familie habe einen negativen Asylentscheid erhalten, deshalb könne er nicht zur Schule.

«Wer keine Perspektive hat, sorgt eher für Ärger. Es fehlen Integrationsangebote für Sans-Papiers und Leute mit negativem Asylentscheid», findet Moresi. Aber auch hier im Park brauche es neben «Repression» weitere Ansätze: ein «Zwischending zwischen Polizei und sozialer Arbeit». Jemand, der Mittel, Befugnis und Zeit hat, um den öffentlichen Raum allen offen zu halten.

Nun hängt neben den Parkregeln ein Schild der Besetzer: «Pic-nic gegen rassistische Polizeikontrollen». Was hält Moresi von der unbewilligten Veranstaltung? Anders als die Leute hinter «3 Rosen gegen Grenzen» ist er überzeugt, dass die meisten Polizisten ihre Sache gut machen. Zudem sei er auch als Vater von dunkelhäutigen Kindern nicht überzeugt, dass Racial Profiling auf der Dreirosenanlage und in Basel grundsätzlich ein Problem ist. Aber er begrüsst die Aktion: «Es ist ein friedlicher Beitrag zur Frage, wie wir zusammenleben wollen.»

Kritik am Bässlergut

Abends ist der Übergang fliessend zwischen Parkbesetzern, picknickenden Familien und trinkenden Männergruppen. Erstere lesen eher das Magazin von «3 Rosen gegen Grenzen»; Letztere wippen vor allem während der Freestyle-Hiphop-Show mit. «Halt Festivalstimmung», meint jemand. Aber die rauschende Party findet anderswo statt. Noch nachts um elf sitzen 80 Leute unter der grossen Blache und hören einem Mann zu, der sich S. nennt und 14 Monate im Ausschaffungsgefängnis Bässlergut gesessen ist: «Viele Gefangene verstehen nicht, weshalb sie dort sind.»

Nur die regelmässigen Besuche von Baslerinnen und Baslern hätten ihm das Gefühl bewahrt, ein Mensch zu sein. Seine Worte werden ab und an gestört von Reggaeton- und Electromusik. Sie tönt von der Betontreppe unter der Brücke und von den Fitnessgeräten. Dort sammeln sich mit zunehmender Stunde mehr Bierdosen, halb leere Wodka- und Colaflaschen.

An «3 Rosen gegen Grenzen» wurde kein Alkohol ausgeschenkt. Um die 70 Besetzer sollen trotz den improvisierten Partys und dem afrikanischen Kulturfest auf der Dreirosenanlage übernachtet haben. Gemäss den Organisatoren waren insgesamt etwa 800 Leute Teil der Aktion. «Ein Wochenende ohne Polizeikontrollen – wir haben es geschafft», ruft ein Organisator am Sonntagnachmittag ins Mikrofon.

Es sei ein Startpunkt hin zu einem «antirassistischen Quartier». Jubel bei den Versammelten. Laut Polizeisprecher Toprak Yerguz ist die Parkbesetzung «polizeilich nicht relevant geworden» und ruhig verlaufen.

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