Die Integration hat bereits zwei Opfer gefordert: die Geschäftsleitungsmitglieder Fidelis M. Goetz und Peter Sami «treten zurück», heisst es in der Medienmitteilung. Die Gründe werden nicht kommuniziert. Die neue Geschäftsleitung der Bank setzt sich zusammen aus CEO Joachim Strähle, Marcelo Szerman (Corporate Center), Burkhard P. Varnholt, Thomas A. Müller (Finanzen) und Daniel Belfer (u.a. Handel). Für das Private Banking sind Eric G. Sarasin, Enid Yip, Elie Sassoon und Edmond Michaan verantwortlich. Bislang waren es nur Sarasin und der scheidende Goetz.

Abbau «momentan kein Thema»

«Ein Stellenabbau ist im Moment kein Thema», sagt der Bankensprecher Gratzl gegenüber der bz. Synergien, das heisst: Einsparungen, die Dank der Fusion erzielt werden könnten, stünden nicht im Vordergrund. Der Schweizerische Bankpersonalverband (SBPV) hat vorsorglich mit der Personalabteilung der Bank Kontakt aufgenommen. Ende 2011 arbeiteten in Basel 590 Angestellte, in der ganzen Schweiz 1170. Welche Konsequenzen die Fusion hat, ist noch offen. Derzeit würden Details ausgearbeitet.

Der Name «Bank Sarasin» verschwindet, die Aktivitäten der beiden Banken laufen unter dem Doppelnamen «J. Safra Sarasin». Dabei wird das Logo links durch das Familienwappen der Safra ergänzt, das Sarasin-Bäumchen wird nach rechts verpflanzt. Die J. Safra Sarasin geht mit 2140 Mitarbeitenden und Kundenvermögen in der Höhe von 130 Milliarden Franken an den Start. Die Bilanzsumme beläuft sich gemäss der Medienmitteilung vom Montagabend auf 3,4 Milliarden, die Eigenkapitalquote auf über 20 Prozent. Die Bank strebe «ein konservatives Wachstum» an.

Die effektive Zusammenführung dürfte im zweiten Quartal dieses Jahres erfolgen, wenn die Sarasin-Aktie von der Börse genommen wird. Das sogenannte Verfahren «zur Kraftloserklärung der Aktie» läuft derzeit noch. Damit werden die verkaufsunwilligen Aktionäre zum Verkauf gezwungen.

«Verlust für das Swiss Banking»

Bankberater und Markenspezialist Bernhard Bauhofer findet es schade, dass der Name «Bank Sarasin» verschwindet. «Es ist ein weiteres Zeichen, dass das Swiss Banking degradiert und amerikanisiert wird.» Sarasin habe zu den besten Banken der Schweiz gezählt. «Dieser Wert wurde zu rasch preisgegeben, und das nach dieser 160-jährigen Erfolgsgeschichte.» Bereits seien verdiente Geschäftsleitungsmitglieder gekündet worden, auf die man glaube, verzichten zu können.

Der Kulturwandel manifestiere sich auch im neuen Logo der Bank. Das Logo zeige: Da setzt sich jemand davor. «Das ist ein starkes Zeichen gegen innen und aussen. Da weht ein anderer Wind.» Die «Entbaslerung» der Bank Sarasin hatte freilich schon vor zehn Jahren begonnen, als die holländische Rabobank eine Option auf die Anteile der damaligen Teilhaber erwarb. 2007 besass die Rabobank 68,6 Prozent des Kapitals. Die verbleibenden Aktien blieben an der Börse. Vor einem Jahr stieg die brasilianische Safra Gruppe ein. Die Familie Safra stammt ursprünglich aus Beirut und Aleppo und finanzierte Karawanen. 1952 zog die Familie nach Brasilien. Das Magazin Forbes schätzt das Vermögen auf sieben Milliarden Dollar.