Die Kritik am geplanten Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs, über den am 19. Mai abgestimmt wird, ist harsch. Für das Nein-Komitee ist das Bauprojekt am Bahnhof St. Johann für 214 Millionen Franken «konzeptlos, überteuert und verfehlt».

Das Komitee lässt dabei kein gutes Haar am Präsidialdepartement. Eine ganzheitliche Strategie über alle staatlichen Museen fehle. Mit dem Neubau würden die vorherrschenden Probleme in der Basler Museumslandschaft zusätzlich verschärft. Neben Vertretern der SVP und FDP setzen sich auch Persönlichkeiten aus der Basler Kunst- und Museumsszene zur Wehr. Kunsthistoriker Thomas Bachmann spricht von «einem Luxusneubau und einer Schnapsidee», die planlos und teuer daherkomme.

Dass das Präsidialdepartement im Unterschied zum Neubau des Kunstmuseums und des Schauspielhauses keine privaten Stiftungen und Gönner dazu gewinnen konnte, an der Finanzierung des Neubaus mitzuwirken, zeige, wie schlecht die Idee sei. Von einer Synergie zwischen Museum und Staatsarchiv könne bei 1200 Quadratmeter gemeinsam genutzter Fläche nicht gesprochen werden. «Das ist ein Synergieschwindel», schimpft Bachmann und ist überzeugt, dass durch diese angeblichen Synergien sogar die Betriebskosten steigen.

Ein Standort für alle Depots

Für Fausto de Lorenzo, ehemaliger Geschäftsführer des Kunstmuseums Basel und der Fondation Beyeler, ist der Bau «überdimensioniert». Er glaubt, die Betriebskosten würden mindestens eine Million Franken teurer, als dies das Präsidialdepartement vorgibt.

Dass der Berri-Bau nicht mehr zeitgemäss ist und dahingehend etwas passieren muss, sehe auch er so. Anstelle des Neubaus schlägt de Lorenzo aber die Sanierung des historischen Baus vor. Dass die Depotsammlung im bestehenden Bau keinen Platz hat, wie die Neubau-Befürworter immer wieder betonen, sei aber kein Problem. Damit kämpfen alle staatlichen Museen, erinnert Fausto de Lorenzo und schlägt deshalb einen gemeinsamen Bau vor, in dem alle staatlichen Museen ihre Depotbestände zu Lagerungs- und Forschungszwecken aufbewahren können. Dies wünscht sich auch Grossrat und FDP-Präsident Luca Urgese. «Es ist nicht zwingend, dass Forschung und Ausstellung am gleichen Ort sind.» Die Depots müssten für die Forschung zugänglich sein, dafür sei ein zentraler Standort aber nicht zwingend.

Zu weit weg vom Zentrum

Dass bei einer Sanierung des Berri-Baus das Naturhistorische Museum für mehrere Jahre geschlossen wäre und dadurch eine ganze Generation von Schülern der Besuch verwehrt werde, bezeichnet Kunsthistoriker Thomas Bachmann als «Angstmacherei». Es sei international Standard, dass bei Sanierungen Museen geschlossen werden.

An die drei bis sechs Jahre Sanierungszeit, wie sie das Präsidialdepartement vorrechnet, glaubt Bachmann nicht. Er kritisiert auch den Standort im St. Johann. Dieser sei vor allem in den Köpfen der Menschen zu weit weg vom Zentrum. «Die mentale Karte spielt eine viel grössere Rolle als die Tramminuten, die es braucht, bis man dort ist.» Beim Staatsarchiv befürchten die Gegner, dass der Neubau dafür in wenigen Jahren schon wieder zu klein sein wird. Sie fordern dafür ein separates Projekt.