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Die Strassenkunst des Paradiesvogels: Eddie Hara sorgt für Farbtupfer in der Basler Innenstadt

Es ist des Optikers Ramstein zweiter Kunststreich anlässlich der Art Basel: Nach der Künstlerin Renée Levy im Jahr 2019 lässt er Eddie Hara (64) seine Plakate bemalen, der den meisten als Schöpfer der bunten Glaswand des einstigen Clubs Terrorsamba noch ein Begriff sein dürfte. Am Donnerstag findet das Live-Painting auf dem Claraplatz statt.

Rahel Empl
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Live-Painting mit Eddie Hara auf dem Aeschenplatz.

Live-Painting mit Eddie Hara auf dem Aeschenplatz.

Kenneth Nars

Spontan erinnert das Bild an eine Kinderzeichnung. Auch ein bisschen an einen japanischen Cartoon. Tierische Wesen aus einer anderen Welt, mit menschlichen Zügen und verrenkten Gliedmassen, im knalligen Kleid. Auch der Schöpfer dieser Wesen, 64 Jahre alt, wirkt wie ein Paradiesvogel mit dem Iron-Maiden-Shirt, der Latzhose und der punkigen Side-Cut-Frisur: Eddie Hara, ein fröhlicher Zeitgenosse, wie er, der vor 24 Jahren aus beruflichen Gründen nach Basel kam und der Liebe wegen blieb, sich gerne selber beschreibt.

Bei näherem Betrachten seiner Werke tut sich indes Düsteres auf. Totenköpfe, Kreuze anstelle von Augen, Zahnlücken – diese Wesen, sie wirken irgendwie kaputt. Worte wie «Angst», «Hell» oder «Fuck» öffnen das Tor zu einer weniger fröhlichen, vielmehr grausamen Welt. So sei das Leben, sagt Hara, gebürtiger Indonesier:

«Es gibt immer zwei Seiten. Freude und Frust gehen Hand in Hand.»

Und so halten etliche Menschen zum Feierabend am Dienstag vor der Litfasssäule am Aeschenplatz und tags darauf am Marktplatz perplex inne und beobachten, wie Hara ein unbeflecktes Plakat Pinselstrich für Pinselstrich zum Leben erweckt. Er geniesse es, nach der langen, Covid-bedingt einsamen Zeit im Atelier wieder Reaktionen von Menschen zu spüren, wird er später sagen. Mitten auf der Strasse, das kennt er von früheren Aufträgen, da fühle er sich wohl.

Erinnerungen an das «Terrorsamba»

Dieses aussergewöhnliche Kunstprojekt kam auf Initiative von Ramstein Optik zustande. Es sei ein Geschenk für Basel anlässlich der Art, pflegt Inhaber Andreas Bichweiler zu sagen. Bereits 2019 spannte er mit Künstlerin Renée Levy zusammen; ihre Werke waren ebenso auf Plakaten in der Innenstadt zu sehen. Nun findet diese besondere Art der Ausstellung, die Kunst für alle zugänglich macht, mit Hara ihre Fortsetzung. 55 für das Projekt gemalte Unikate sind auf einem 2,4 Kilometer langen Spaziergang durch Basel – dem «Walk of Art» – zu sehen, einige davon im Schaufenster des Optikers an der Sattelgasse. Im kommenden Jahr soll eine weitere Aktion stattfinden, sagt Bichweiler.

Kunst mit einer Message: Eddie Hara vor seinem Kunstwerk.

Kunst mit einer Message: Eddie Hara vor seinem Kunstwerk.

Kenneth Nars

Hara, der den Meisten hier bekannt sein dürfte als Schöpfer der bunten Glaswand des einstigen Clubs Terrorsamba an der Feldbergstrasse, ist in seiner Heimat in Asien längst ein Star. Deshalb ist der indonesische Botschafter Djoko Susilo extra aus Bern angereist, um den Künstler auf dem Marktplatz in Aktion zu sehen: «Das lasse ich mir sicher nicht entgehen. Seine Kunst fasziniert mich.»

In Basel ist Haras Fangemeinde noch klein, was sich nun ändern könnte nach dem «Walk of Art» und der Vernissage bei Ramstein von vergangener Woche. Fast alle dort ausgestellten Werke sind verkauft. Und hängen bald in den Stuben von Bankmanagern, Anwältinnen und anderen gut Betuchten.

«Hungry Artist needs Love, too», so verlautbart ein Schild, das Hara nach der Malaktion in die Höhe hält. Soll er bekommen.

Live-Painting mit Eddie Hara Do, 23. September, 17 Uhr, Claraplatz.

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