Bauprojekt
Kosten und Planung unterschätzt: Biozentrum wird teurer und erst Ende 2020 fertig

«Wir sind von einer Pechsträhne verfolgt» sagte Baudirektor Hans Peter Wessels. Der Neubau Biozentrum wird bis 110 Millionen teuer und die Bauphase dauert über zwei Jahre länger als geplant. Ein Rückblick auf die letzten eineinhalb Jahre.

Silvana Schreier
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Eigentlich hätte das Biozentrum der Universität Basel Ende 2017 fertig sein sollen. Die Eröffnung wurde bereits drei Mal verschoben.

Eigentlich hätte das Biozentrum der Universität Basel Ende 2017 fertig sein sollen. Die Eröffnung wurde bereits drei Mal verschoben.

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Erstmals dürfen Medienvertreter einen Blick in das neue Biozentrum direkt neben dem Universitären Kinderspital beider Basel werfen. Eine breite Betontreppe führt die Gäste ins erste Untergeschoss, das einer Hotellobby gleicht. Etwas steril, aber dennoch edel wirkt der hohe Raum, der von runden Treppenaufgängen und Zwischenetagen unterbrochen wird. Aus den goldenen Trinkbrunnen mit Marmorfassung sprudelt noch kein Wasser. Denn das neue Biozentrum ist weiterhin eine Baustelle. An der Medienkonferenz informieren die Mitglieder des Lenkungsausschusses über die Situation des Biozentrums. Dieser Ausschuss fungiert als Bauherrschaft für das Grossprojekt.

Gleich zu Beginn verkündet das Gremium, bestehend aus Regierungsräten beider Basel und dem Präsidenten des Universitätsrats, die Hiobsbotschaft: Das Biozentrum wird erst im vierten Quartal 2020 an die Universität Basel übergeben. Nach einer neunmonatigen Testphase soll die Eröffnung 2021 stattfinden. Eigentlich war die Inbetriebnahme des Neubaus Ende 2017 vorgesehen gewesen. Bereits drei Mal musste der Termin verschoben werden. Ausserdem rechnet der Ausschuss mit Mehrkosten von 70 bis 110 Millionen Franken. Prognostiziert waren zunächst rund 330 Millionen Franken. Dieser Betrag wird sich um bis zu 21 Prozent vergrössern.

 Das Projekt bereitete Regierungsrat Hans-Peter Wessels (rechts) schlaflose Nächte.

Das Projekt bereitete Regierungsrat Hans-Peter Wessels (rechts) schlaflose Nächte.

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«Ungewöhnliche Häufung von ausserordentlichen Ereignissen»

Es gibt gleich mehrere Gründe für die Verzögerung und die höheren Kosten: Erstens habe der Generalunternehmer die Komplexität des Baus unterschätzt. «Dieser Neubau ist für uns alle ein Stück Neuland. Wir haben noch nie einen Bau dieser Grösse realisiert», sagt der Basler Regierungsrat Hans-Peter Wessels. In seinen elf Jahren als Baudirektor sei dies «das erste und einzige Projekt, das mir schlaflose Nächte bereitet hat».

Ebenso hätten die beauftragten Unternehmer auf Probleme nicht immer angemessen reagiert. So entstand laut dem Ausschuss eine «ungewöhnliche Häufung von ausserordentlichen Ereignissen». Dazu gehören eine Firma, die Konkurs ging, vier Wasserschäden in den vergangenen eineinhalb Jahren, technische Störungen und Vandalismus im und um das Gebäude. «Wir waren von einer Pechsträhne verfolgt», resümiert Wessels. Der Baselbieter Regierungspräsident Isaac Reber ergänzt: «Bereits kleinste Mängel können zu Kettenreaktionen mit hohen Folgekosten führen.»

Schäden bleiben vorerst an Uni hängen

Vorfinanzierung Beschönigen nütze nichts: «Das Ganze ist ein Mist», sagt Unirats-Präsident und Basler Alt-Regierungsrat Ulrich Vischer. Im Idealfall Mehrkosten von 70,4 Millionen Franken, im schlechtesten Fall 109,8 Millionen kommen nun auf die Basler Hochschule zu.

Alleine die Kosten für die Behebung der zahlreichen Schadenfälle sind seit Mai 2018 bis Ende Oktober 2019 von 11,7 auf rund 18 Millionen Franken angestiegen. Ein Schadenfall beim Brandschutz ist mit 5,5 Millionen Franken der grösste Kostenpunkt, ein weiterer bei den Sanitäranlagen beläuft sich auf 4,5 Millionen. Wie viel Geld von den Versicherungen zurückerwartet werden kann, ist noch völlig offen. Im «Best Case» rechnen die beiden Regierungen in ihrer Vorlage zuhanden der Kantonsparlamente mit 5 Millionen, im «Worst Case» mit 0,0 Franken.

Die Schadensumme aller 47 Versicherungsfälle beläuft sich auf 14 Millionen. Wie es am Ende auch herauskommt, den finanziellen Mehraufwand muss zunächst die Universität im Sinne einer Vorfinanzierung tragen. Darauf hätten sich die beiden Kantonsregierungen Ende Oktober geeinigt und sich explizit gegen eine Erhöhung der Kantons-Darlehen ausgesprochen. An der Medienkonferenz erläutert Vischer, was dies für die Universität bedeutet. Diese werde einerseits liquide Mittel aus der laufenden Rechnung abzweigen müssen, andererseits auf dem Finanzmarkt neue Kredite aufnehmen.

Negative Auswirkungen auf den laufenden Uni-Betrieb sollte es trotzdem keine haben. Laut Vischer haben sich die beiden Regierungen dazu verpflichtet, die Mehrausgaben der Universität via eine Erhöhung der künftigen Globalbudgets auszugleichen. (bos)

25 Experten schauen Generalunternehmer auf die Finger

Die Bauarbeiten am Gebäude sind mittlerweile laut der Bauherrschaft weitgehend abgeschlossen. Die grösste Herausforderung bestehe derzeit darin, die verschiedenen Anlagen im Biozentrum mit der Gebäudeautomation abzustimmen und in Betrieb zu nehmen. Dies sei ein kompliziertes Verfahren, da im Neubau vierzig Labore für biomedizinische Forschung untergebracht sind. Die Anforderungen an Raumklima, Lüftung, Schwingungsfreiheit und Biosicherheit seien hoch.

Um weitere Verzögerungen und Mehrkosten zu verhindern, hat der Lenkungsausschuss mehrere Massnahmen ergriffen. 25 Spezialisten – etwa für Brandschutz, Umzugsplanung oder Gebäudetechnik – stehen im Einsatz. Wöchentlich setzen sich Generalplaner, Projektmanagement und Bauherrschaft zusammen. Eine Taskforce begleitet seit 2017 den Generalplaner eng. Und Versicherungsexperten kümmern sich um die 47 Schadenfälle, deren Summe sich auf rund 14 Millionen Franken beläuft.

Die Finanzkommissionen des Grossen Rats und des Landrats wurden über die Kostenüberschreitungen informiert. In den kommenden Wochen wird sich zeigen, ob die Parlamente beider Basel die Mehrkosten akzeptieren. Ulrich Vischer, Präsident des Universitätsrats der Universität Basel, sagt lakonisch: «Wir freuen uns seit zehn Jahren auf das Gebäude. Jetzt dauert die Vorfreude einfach noch ein wenig länger. Wir hoffen auf Verständnis in den beiden Parlamenten.»