Basel

Kostenlos, aber unverständlich: Gratis-Masken sind nur auf Chinesisch beschriftet

Für die korrekte Beschriftung der Packung fehlte dem Gesundheitsdepartement die Zeit.

Für die korrekte Beschriftung der Packung fehlte dem Gesundheitsdepartement die Zeit.

Der Kanton Basel-Stadt hat an 30'000 Baslerinnen und Basler Gutscheine für Gratis-Masken vergeben, die in Apotheken bezogen werden können. Der Beipackzettel bei einigen ist jedoch auf Chinesisch verfasst. Der Grund: Das Gesunheitsdepartement hatte nicht genug Zeit.

Anfang August haben 30'000 Baslerinnen und Basler Post vom Kanton erhalten. Im weissen Couvert mit dem schwarzen Baslerstab war ein Gutschein für den Bezug einer Packung Schutzmasken für den einmaligen Gebrauch. Im dazugehörigen Brief wird erwähnt, dass damit «alle, die in wirtschaftlich sehr bescheidenen Verhältnissen leben» finanziell entlastet werden sollen. Gemeint sind diejenigen, die in Basel-Stadt einen Anspruch auf Prämienverbilligung haben und älter als 12Jahre alt sind. Dieser Gutschein kann noch bis Ende September in allen Apotheken und Drogerien in der Stadt eingelöst werden. 5,6 Millionen Schutzmasken hat der Kanton seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie mit Stand Mitte Juli insgesamt bei verschiedenen Firmen über einen Schweizer Importeur eingekauft, heisst es auf Anfrage beim zuständigen Gesundheitsdepartement. Seit dann sind weitere Bestellungen hinzugekommen, genaue Zahlen liegen aktuell aber nicht vor.

Wer die Gratismasken bezieht, könnte staunen

Bei einem Teil der Masken handelt es sich um ein Modell des Herstellers «Kangmin» aus China. Die Beschriftung auf der Verpackung sowie auf dem Beipackzettel ist in chinesischer Schrift, wodurch nur sehr wenige hierzulande die Hinweise verstehen dürften. «Uns ist bewusst, dass diese nicht korrekt beschriftet sind. Sie entsprechen nicht den normalerweise bei uns geltenden formalen Anforderungen an ein Medizinprodukt», sagt Anne Tschudin vom Basler Gesundheitsdepartement.

Demnach seien die entsprechenden Masken aus China auch nicht EU-konform. Zudem gibt der Leitfaden vom Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic vor, dass für den Vertrieb in der Schweiz die komplette Produktinformation auf Deutsch und Französisch und Italienisch verfasst sein muss. Diese fehlen in diesem Fall aber gänzlich. «Für die adäquate Beschriftung mangelte es schlicht an Zeit», sagt Tschudin. «Der Kanton Basel-Stadt hat diese Masken im Frühjahr gekauft, als ein akuter Mangel in der Verfügbarkeit der Masken bestand.» Sie sagt weiter, dass das Interesse der Beschaffung der Schutzmasken und die Sicherstellung der Versorgungslage zu diesem Zeitpunkt überwogen hätten. Unterdessen hat sich die Situation auf dem Markt aber wieder beruhigt. Trotzdem will der Kanton die Aufschrift nicht nachträglich übersetzen. «Die Packungen neu beschriften oder überkleben ist unrealistisch, dafür fehlen uns die Ressourcen. Wir konzentrieren uns aktuell vorzugsweise auf das Contact Tracing.» Auch die Mitarbeitenden in den Apotheken hätten dafür keine Kapazitäten.

Der Kanton bittet um Vertrauen bei den Masken

Auch wenn die erwähnten Masken aus China betreffend der Aufschrift fehlerhaft für den Schweizer Markt sind, sei die Qualität «einwandfrei», betont Tschudin: «Sonst hätten wir sie gar nicht an die Apotheken und die Drogerien abgegeben.» Bevor die Masken in Umlauf gekommen sind, wurden sie deshalb im Auftrag der Basler Kantonsapothekerin von der Eidgenössischen Materialprüfungsanstalt EMPA getestet. Untersucht wurden sie bezüglich Spritzwiderstand, Partikelfiltrationseffizienz und Luftdurchlässigkeit. Die Testergebnisse waren in Bezug auf Wirksamkeit und Schutzfunktion in allen Punkten positiv.

Neben der fremdsprachlichen Schrift irritiert zudem der aufgeklebte Hinweis «nicht für medizinische Zwecke». Dass diesbezüglich Fragen aufkommen, kann Tschudin nachvollziehen. Dies würde jedoch lediglich bedeuten, dass diese Schutzmasken nicht in Arztpraxen oder Spitälern einsetzbar sind. «In alltäglichen Situationen, wie zum Beispiel Zugreisen oder beim Einkaufen, können sie aber unbedenklich eingesetzt werden» sagt sie weiter. Wie die bz kürzlich berichtete, zeigt sich die Basler Regierung in einer zweiten Phase weniger spendabel. Statt der bisher 30000 Begünstigten sind es im Kanton Basel-Stadt künftig nur noch zirka 7000. Das neue System sieht vor, dass nur noch Personen begünstigt werden, die Sozialhilfe beziehen.

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