«Herrlich», jauchzt der junge Mann in der Holzwanne. Zur Freude aller Anwesenden im Hof des Pharmazie-Historischen Museums greift er zu einem Bündel Birkenästchen und schlägt sich diese auf Armeund den Rücken. Der Bader in Leinenhemd, Lederschürze und Teva-Sandalen gibt ein Badesalz in die Wanne und bringt dem Jüngling ein Glas Wasser.

Ein Zivi auf dem Stuhl neben dem Badenden zieht sein Hemd aus. Ein deutliches Schmatzen ertönt, als die Naturheilpraktikerin ihm einen gläsernen Schröpfkopf auf den tätowierten Rücken setzt. Sichtlich vergnügt zelebrieren die Mitarbeitenden des Pharmazie-Historischen Museums den Auftakt zur Kräuter-Badewoche.

Es ist die fünfte Badewoche und auch ein kleines Jubiläum: Vor zehn Jahren lud das Museum erstmals zum Bade wie im Mittelalter.

Frisches Badewasser für die Gäste

Das Baden knüpfe an die Geschichte des Hauses an, erklärt Museumsleiter Michael Kessler. Bereits 1296 befand sich im Haus am Totengässlein eine Badestube. «Das hatte eine grosse medizinische Bedeutung.» Bader hätten damals kleinere Eingriffe vorgenommen wie zum Beispiel den Aderlass. Auch Coiffeure waren zugegen. «Das ist nicht alles, was im Badehaus so gemacht wurde», sagt Kessler und verweist auf die Ausstellung über die Geschlechtskrankheit Syphilis.

Für die Kräuter-Badewoche gelten natürlich trotz des historischen Ambientes die aktuellen Hygiene- und Verhaltensregeln: Für jeden Gast wird neues Wasser in den Bottich gefüllt. Und Badebekleidung ist Pflicht: «Da gab es alles in der Geschichte», sagt Kressler. Ganz früher waren die Badenden nackt, später trugen sie zeitweise hochgeschlossene Kleider.

Wickeln und Werkeln

Seit der ersten Badewoche im Hitzesommer 2003 hat das Museum das Angebot ausgebaut. Jeweils am Morgen und Nachmittag finden verschiedene Werkstätten und Demonstrationen statt. Bis zu maximal 30 Leute pro Workshop können mit Senf, Salz, Essig, Öl experimentieren, die Kunst der Wickel erlernen oder sie erfahren, wie Kräuterdestillationen entstehen.

Zwischen 12 und 15 Uhr wird gebadet. 20 Minuten dauert ein warmes Bad (10 bis 20 Franken) bei Obst und Wasser, danach gibt es kalte Güsse, angeleitet vom Kneipp-Verein Basel, eine Schröpfmassage (5 Franken) und zur Stärkung Quiche, Kaffee und Kuchen. Dazu spielen Musikerinnen und Musiker der Schola Cantorum Live-Musik aus dem 15. bis 18. Jahrhundert.

Weit gereist wegen des Ambientes

Rosmarin und Lavendel-Duft weht stossweise über den Hof. Die kleine Badeshow zum Auftakt der Woche ist noch nicht zu Ende, als sich die ersten echten Gäste in die Zuber setzen.

In einem grossen Bottich schrubben sich Esther Wälti und Mara Leumann aus Zug gegenseitig den Rücken. «Es ist ein einmaliges Ambiente», sind sich die beiden Frauen einig. Mara Leumann zeigt auf die Metallwannen, die ebenfalls im Hof stehen und erinnert daran, dass es doch noch nicht allzu lange her ist, seit jede Wohnung ein Badezimmer hat: «In solchen Metallwannen hat meine Mutter als Kind noch gebadet.»