Basler Fasnacht
«Kräftig, durchtrainiert, gesunder Rücken» – Cliquen suchen verzweifelt nach Laternenträgern

Einige Basler Cliquen zahlen ihren Laternenträgern bloss 150, andere bis zu 550 Franken. Und: Normalerweise sucht die Clique einen Träger. Bei Roland Scherer ist das anders.

Samuel Hufschmid
Drucken
Teilen

Kenneth Nars

Ein guter Laternenträger ist «kräftig und durchtrainiert», hat einen «gesunden Rücken», ist «mindestens 1,80 Meter gross» und je nach Clique trinkfest («Apéro wird offeriert») oder nüchtern («Kein Alkohol, THC etc., weder bei Arbeitsantritt noch während den Arbeitszeiten»).

So ist es zumindest den diversen Job-Inseraten auf dem Marktplatz der Uni Basel zu entnehmen, in denen derzeit Laternenträgerinnen und -träger gesucht werden. Rund zehn Inserate sind oder waren in den letzten Tagen aufgeschaltet. Was erstaunt: Nebst eines «unvergesslichen Erlebnisses», einem Morgen- und zwei Nachtessen sowie kostenloser Fasnachtsplakette wird sehr unterschiedlich viel Geld für dieselbe Arbeit geboten.

Die knausrigsten Cliquen zahlen 150 Franken, die spendableren 500 bis 550 Franken. Bei gut 30 Stunden Einsatz entspricht das einem maximalen Stundenlohn von rund 18 Franken.

Eines der Inserate auf der Uni-Basel-Website stammt von den Basler Rolli. Deren Obmaa Dominic Stöcklin sagt: «Glücklicherweise haben wir noch in jedem Jahr frühzeitig genügend Laternenträgerinnen und -träger finden können. Jedoch muss man heutzutage jeweils im Vorfeld der Fasnacht auf die Suche nach ihnen gehen, beispielsweise auf dem Portal der Uni Basel.»

Das sagt auch Samuel Bichsel, Zugchef der Fasnachtsgesellschaft Wiehlmys. In den letzten drei Jahren habe er jeweils bereits einen Tag nach Aufschaltung des Inserates gute Bewerbungen erhalten. Doch in diesem Jahr harze es. «Wir suchen derzeit Laternenzieher für unsere junge Garde, allerdings gab es innerhalb von zwei Wochen keine einzige Kontaktaufnahme.»

Der Unterschied zwischen den Basler Rolli und der Jungen Garde der Wiehlmys: Erstere bezahlen 550 Franken, Letztere 150. Doch Bichsel sagt: «Auf ‹Lohnverhandlungen› würde ich mich nie einlassen, ich habe auch das Gefühl, dass sich die Entschädigung der Laternenzieher kaum verändert hat.» Allerdings könne er sich gut daran erinnern, dass die Laterne früher von Cliquenmitgliedern kostenlos gezogen worden sei.

Laternenzieher sucht Clique

Den umgekehrten Weg geht Roland Scherer. Er sucht derzeit via Online-Annonce eine Clique, für die er am Morgestraich und am Cortège als Laternenzieher einspringen kann. Er sei seit 1992 als Laternenzieher aktiv, das sei seine Leidenschaft, seit Jahren, sagt er. «Meine Clique hat sich auf dieses Jahr mit einer anderen Clique zusammengeschlossen, die schon eigene Laternenzieher hatte. Und weil mein langjähriger Zieh-Partner aufgehört hat, suche ich nun ein neues Zuhause.» Die 450 Franken, die er jeweils erhalten habe, seien für ihn wichtig, auch wenn das Erlebnis im Vordergrund stehe. «Aber gratis macht das ja niemand, es ist ein Krampf.»

Pia Inderbitzin, Obfrau des Fasnachts Comités, sagt: «Es war schon früher nicht einfach, Laternenträger zu finden, da die Cliquen nicht marktübliche, sondern fasnächtliche Honorare zahlen können.» Sie höre immer wieder, dass Cliquen Mühe hätten, geeignete Leute zu finden. Allerdings würden sich die Cliquen deswegen nur selten ans Comité wenden.