«UKBB tanzt»

Kranke Kinder sind für einen Abend unbesiegbar

Im Projekt «UKBB tanzt» zeigen kranke Kinder, was in ihnen steckt und was sie trotz ihrer Beeinträchtigungen leisten können.

«Heute kann mich nichts aufhalten, heute bin ich unbesiegbar.» So verklingen die letzten Takte des Songs von Sängerin Sia. Es ist das Lied zum letzten Tanz, und es verkörpert all das, was «UKBB tanzt» erreichen will. Wer den jungen Tänzerinnen und Tänzern auf der Bühne zuschaut, merkt sofort: Heute sind sie unbesiegbar und stark, trotz allem.

Vor zehn Monaten kamen sie das erste Mal zusammen, als das Projekt startete. Zehn Kinder und Jugendliche, zehn Schicksale, zehn Krankheitsgeschichten. Die Ältesten sind sechzehn, die Jüngste ist gerade neun Jahre alt. Ihr Alltag ist geprägt von Spitalaufenthalten und Therapien. Doch im Tanztraining soll all das keine Rolle spielen.

«Jeder kann durch Bewegung Emotionen ausdrücken», sagt Richard Wherlock. Der Ballett-Direktor des Theater Basel hat das Projekt gemeinsam mit Physiotherapeutin und Tänzerin Rocio Oberer-Gonzalez und Orthopäde Carol Hasler initiiert. «Das Ziel ist nicht therapeutisch, sondern ein Lächeln auf dem Gesicht der Kinder», erzählt Hasler. Viele der Teilnehmer hätten Operationen und Chemotherapien mitgemacht und lange Liegezeiten im Spital hinter sich. «Da haben die meisten Probleme mit dem Bewegungsapparat.»

Pokemon und Harry Potter

«UKBB tanzt» findet nun bereits zum vierten Mal statt und war jedes Mal ein voller Erfolg. Nicht nur beim Publikum. «Ich habe meine Patienten danach nicht mehr wiedererkannt», erklärt Hasler. «Nur dank dem Tanzen bin ich die Person, die ich jetzt bin», sagt auch Tänzerin Serena. «Wenn ich tanze, fühle ich mich frei», ergänzt Lara. Lea freut sich, dass sie trotz ihrer Krankheit etwas unternehmen kann.

Vor dem grossen Tag standen noch einige Vorbereitungen an: Die Tänzerinnen und Tänzer konnten ihre Bühnen-Outfits selbst aussuchen und gestalten. Jeder durfte so auftreten, wie er sich wohl fühlt. So tanzten am Donnerstagabend die Ballerina, der Pokemon-Trainer, die Rockerin mit Lederjacke und Harry Potter auf derselben Bühne.

Nach zehn Monaten Üben ist die Nervosität vor der Generalprobe gross. «Macht euch keine Gedanken darüber, wie ihr ausseht, ihr seid alle perfekt.» Mit diesen Worten schickt Choreografin Rocio Oberer-Gonzalez ihre Tänzer auf die Bühne. Nach den ersten Schritten verschwindet auch das Lampenfieber. Kaum einer vergisst seinen Einsatz, die Tänzerinnen nehmen Rücksicht und sind bis zum Schluss konzentriert bei der Sache. Jeder bekommt seinen grossen Moment und ist für wenige Augenblicke der Star der Show.

Die hart erarbeiteten Darstellungen sind beeindruckend: Wenn David in seinem Rollstuhl über die Bühne kurvt und sich mit konzentriertem Gesicht zur Musik bewegt, wenn Lea im weissen Tutu für einen Moment die Welt um sich herum vergisst, bekommt man Gänsehaut. Eine Krankheit, ein Rollstuhl oder eine Beinprothese hindert niemanden daran, zu tanzen. Das machen die zehn Protagonisten dem Publikum von «UKBB tanzt» klar.

Wer in jungen Jahren schon so viel durchmachen musste, ist stark. Nicht nur das, an diesem Abend sind sie alle unbesiegbar.

Die Aufführungen von «UKBB tanzt» finden am Samstag und am Sonntag im neuen Theater Dornach statt. Beide Abende sind bereits ausverkauft.

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