Spitalgruppe

Krankenkassenexperte zur Spitalfusion: «Allein durch Grösse kann man die Effizienz nicht steigern»

Mit dem Unispital soll Basel-Stadt nach der Spitalfusion 71,5 Prozent der Aktien erhalten. Baselland bleibt Minderheitenaktionär mit Vetorecht.

Mit dem Unispital soll Basel-Stadt nach der Spitalfusion 71,5 Prozent der Aktien erhalten. Baselland bleibt Minderheitenaktionär mit Vetorecht.

Für den Krankenkassenexperte Felix Schneuwly ist die Spitalfusion ein «Mittelweg zwischen Unternehmertum und politischen Interessen».

Die geplante Fusion des Universitätsspitals Basel (USB) und des Kantonsspitals Baselland (KSBL) wirft neue Fragen auf. Die gewählte Rechtsform der Aktiengesellschaft, das Beteiligungsverhältnis der beiden Basel und das 75-Prozent-Quorum sorgen für Diskussionen (siehe bz von gestern). Felix Schneuwly, Krankenkassenexperte bei der comparis.ch AG, gibt eine Einschätzung zu den entsprechenden Staatsverträgen, die Anfang Woche in die Vernehmlassung gingen.

Herr Schneuwly, was sagen Sie zu den Konditionen der Spitalfusion?

Felix Schneuwly: Es geht gesamtschweizerisch gesehen in die richtige Richtung. Natürlich gibt es noch offene Fragen. Zum Beispiel, wie wichtige Entscheidungen getroffen werden sollen, wenn die Aktienverteilung nicht 50:50 ist. Die Definition des Quorums ist da entscheidend. Und dann sollte sich meiner Meinung nach die Wettbewerbskommission einmal dazu äussern, wie sich ein so grosser Akteur auswirken wird. Die Spitalgruppe bekäme hier schliesslich extremes Gewicht.

Für Diskussionen sorgt das Beteiligungsverhältnis der Kantone. Baselland bringt durch das KSBL nur 28,5 Prozent Eigenkapital ein. Durch das 75-Prozent-Quorum erhält der Kanton dennoch ein Vetorecht bei wichtigen Entscheidungen.

Es wäre durchaus möglich, dass sich Baselland gleich stark beteiligt und ergänzend Beträge einschiesst. Die Frage ist, will Baselland das überhaupt? Was würde es effektiv kosten? Und würde Basel-Stadt das zulassen? Die zweite Variante ist, das Aktienverhältnis beizubehalten und ein Quorum zu definieren, damit der Minderheitsaktionär nicht überstimmt werden kann. Wenn man sich die finanzielle Situation in Baselland ansieht, ist Letzteres sicher die schlankere Lösung. Es ist politisch schlau, dass man mit der definitiven Festlegung der Unternehmenswerte noch abwartet. Die Dynamik der Wachstumsentwicklungen muss berücksichtigt werden.

Gemeinnützige private Akteure können sich ebenfalls beteiligen. Dadurch würden sich die Verhältnisse aber verschieben.

Ja. Das hätte aber den Vorteil, dass das Ganze nicht mehr nur auf zwei Akteure fokussiert ist. Dritte könnten diesen Machtkampf zwischen Baselland und Basel-Stadt etwas entschärfen. Das wäre gar nicht so schlecht.

Ist eine Zusammenarbeit der Privatspitäler mit den öffentlichen denkbar?

Die Frage ist, ob das überhaupt sinnvoll ist. Für den Bürger ist nur wichtig, an welchen Standorten von welchen Fachleuten wie viele Eingriffe gemacht werden. Das ist für Effizienz und Qualität entscheidend. Da ist es gar nicht so relevant, wie die Kooperation zwischen den Spitälern aussieht. Denn solange in einem Spital 70 Prozent der Kosten Personalkosten sind, ist es eine Illusion, allein durch die Grösse die Effizienz steigern zu wollen. Das erreicht man nur durch Spezialisierung. Es bringt einfach nichts, wenn jedes Spital alles macht. Je grösser ein Spital, desto mehr Overhead und dieser ist nicht produktiv.

Wo können Kosten eingespart werden?

Wirklich sparen kann man, wenn man gemeinsam einkauft und gemeinsam IT-Lösungen entwickelt. Effizienz hängt auch mit vor- und nachgelagerten Prozessen zusammen. Muss man im Spital zum Beispiel nochmals das gleiche Röntgenbild machen, wie schon beim Hausarzt? Da ist wirklich noch Potenzial. Und der Wettbewerb wird dann vor allem bei Operationen spielen, die häufig durchgeführt werden. Es ist ja nicht alles hoch spezialisiert, was das Unispital anbietet.

Bei der hoch spezialisierten Medizin (HSM) wird auf nationaler Ebene entschieden, wo was angeboten wird. Es gibt also keinen echten Wettbewerb.

Auf die HSM trifft das zu. In diesem Bereich wird es in einigen Jahren allerdings ganz andere Probleme geben. In der Schweiz werden wir schlicht zu geringe Fallzahlen haben. Für seltene Eingriffe wird man sich international ausrichten müssen. Und dabei sind nicht einmal die Kosten das Problem; natürlich werden diese bei geringeren Fallzahlen höher, weil man weniger effizient ist. Aber wir werden es uns schlicht nicht mehr erlauben können, gewisse seltene Eingriffe an verschiedenen Zentren in der Schweiz anzubieten.

Wo sehen Sie weitere Schwierigkeiten?

Der Hauptgrund für das Kostenwachstum im Gesundheitswesen bleibt die Menge an durchgeführten Operationen und Untersuchungen. Die Bedarfshaltung der Bevölkerung wird sich durch die Fusion nicht ändern. Und wenn der Bedarf weiter steigt, wird das Sparpotenzial der Fusion durch das Mengenwachstum aufgefressen. Die Spitalfusion ist eine Gratwanderung, aber ich halte diese Kooperation für einen guten Mittelweg zwischen Unternehmertum und politischen Interessen.

Spitalplanungen werden vom Krankenkassengesetz vorgeschrieben. Meiner Meinung nach würde das Spitalwesen gerade in Basel, wo es keine abgeschiedenen Täler gibt, auch bestens ohne Spitalplanung funktionieren, wenn man sie durch eine saubere Eignerstrategie ersetzt. Es wäre ein schweizweites Novum, aber einen Versuch wert.

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