Keine politische Botschaft, keine gesprayten Parolen. Zunächst blieb unklar, wer hinter den Krawallen vom vergangenen Freitag stecken könnte. Aufgrund der Ziele, die Opfer von Farbbeutel-Attacken und dem Zertrümmern von Scheiben wurden, standen Linksautonome im Verdacht.

Jetzt scheint sich dieser Verdacht zu bestätigen. Zumindest ist auf einer einschlägigen Internetseite ein anonymes Bekennerschreiben aufgetaucht. «Für vergangenen Freitag wurde zu einer Demonstration gegen Rassismus, Repression und Vertreibung aufgerufen», heisst es in der Einleitung. Allzu intensiv verbreitet kann dieser Aufruf nicht geworden sein, denn über die üblichen Kanäle mobilisierte er dieses Mal nicht, zumindest nicht in der grossen Masse. Dies berichtet die «Tageswoche», was sich mit den Informationen der bz deckt.

«Der Umzug zog den Steinengraben entlang, einer Strasse, in der es nur noch Platz hat für anonyme, protzige Bürogebäude. Aus dem Umzug heraus wurden dann auch die Scheiben mehrerer Versicherungen (Vaudoise, Helvetia) eingeschlagen, die seit Jahren mitverantwortlich sind für diese Entwicklung weg von einer lebendigen, bewohnten Strasse zu einer sterilen, toten Umgebung», heisst es im Schreiben weiter. Auch das Gerichtsgebäude wurde Ziel einer Attacke, weil «hier auch mehreren Personen der Prozess gemacht wird, denen vorgeworfen wird, letzten Herbst gegen die Militärübung Conex 15 und die Militarisierung der Grenzen auf die Strasse gegangen zu sein.»

Linksautonome gespalten

Die Verfasser solidarisieren sich zudem mit der «Rigaer94». Dabei handelt es sich um eine besetzte Zone in Berlin. Dort ist es in den vergangenen Tagen bei Räumungen zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Ordnungskräften gekommen. Auch an die Krawalle in Frankreich wird erinnert. Diese machten Anfang Woche auch in der Schweiz Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass sich ein Juso-Mitglied vermummt an den Ausschreitungen beteiligt hatte. Die Behörden hatten bislang noch keine Kenntnis von diesem Schreiben, das auch mit einer gewissen Vorsicht zu beurteilen ist. Gemäss Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, werde das Dokument nun untersucht: «Die bisherigen Erkenntnisse stimmen aber mit unseren Vermutungen überein.»

Im linksautonomen Lager herrscht derweil Ratlosigkeit und Ärger, denn bei diesem Angriff handelt es sich kaum um eine geplante Aktion bisher bekannter Rädelsführer. Vielmehr wird vermutet, dass sich eine jüngere Gruppe profilieren wollte, die den Generationenwechsel in der Szene sucht. Andere befürchten nun Repressionen, nicht zuletzt gegen bislang geduldete Besetzungen wie etwa die Schwarze Erle. Die Schwarze Erle befindet sich an der Schwarzwaldallee 269 und war früher ein Bordell. Seit Januar 2015 ist die Liegenschaft besetzt. Gemäss einem weiteren Eintrag auf der Website ist es im Anschluss zu den Krawallen «in verschiedenen Städten» zu Hausdurchsuchungen gekommen.

Von den 14 Verhafteten befinden sich noch sieben in Polizeigewahrsam. Das Zwangsmassnahmengericht ordnete am Dienstag für alle sieben eine mehrwöchige Untersuchungshaft an, wie Gill gegenüber der bz bestätigte. Alle festgenommenen Personen sind zwischen 20 und 28 Jahren alt.

Inzwischen bewegt sich die vermutete Summe des Sachschadens zwischen 300'000 und 350'000 Franken. Gemäss Gill könnte diese Zahl noch weiter steigen: «Es kommen wohl noch weitere Anzeigen.» Gegen alle 14 festgenommenen Personen läuft ein Verfahren wegen qualifizierter Sachbeschädigung, Landfriedensbruch sowie Gewalt und Drohung gegen Beamte.