Tagung

Krebskrank – und trotzdem arbeiten

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Wenn Krebskranke (wieder) arbeiten können, muss sich auch das Umfeld darauf einstellen. Am Donnerstag gibt es in Basel eine Tagung zu diesem wichtigen Thema.

Fast alle haben im Bekannten- oder Familienkreis jemanden, der an Krebs erkrankt ist. Die Krankheit ist auch in der Altersgruppe unter 65 Jahren weit verbreitet: 64'000 Menschen im erwerbsfähigen Alter haben in der Schweiz Krebs, und jedes Jahr werden 15'000 neue Fälle gemeldet. Dank früher Erkennung und Fortschritten in den Behandlungen kann die Mehrzahl der an Krebs erkrankten Personen während der Krankheit arbeitstätig bleiben oder die berufliche Tätigkeit nach einer Unterbrechungszeit wieder aufnehmen.

Konkret heisst das: Wir treffen auch in unserem Arbeitsumfeld immer wieder auf krebskranke Kolleginnen und Kollegen. Wie sollen wir als Büronachbar, als Mitglieder des Arbeitsteams damit umgehen? Und wie gehe ich als direkter oder indirekter Vorgesetzter auf meinen kranken Mitarbeiter zu?

«Das Thema Krebs und Arbeitsplatz beschäftigt uns seit Jahren», sagt Werner Schmid, Präsident der Krebsliga beider Basel (KLBB), die Beratungen und andere Hilfestellungen für Krebskranke und ihre Angehörigen anbietet.

Auch wenn es ganz unterschiedliche Formen von Krebs gibt – vom besonders aggressiven bis zum relativ gut heilbaren – wird ein Patient in den allermeisten Fällen auch noch seelisch durchgeschüttelt. Kann der Patient wieder arbeiten, stellen sich, wie eingangs erwähnt, besondere Fragen. «Sechs von zehn an Krebs erkrankten Menschen gehen an den Arbeitsplatz zurück. Aber der Krebs hinterlässt Spuren. Man ist nicht mehr die gleiche Person wie zuvor. Viele arbeiten Teilzeit und müssen immer wieder in die Therapie», erklärt Schmid.

Dass Arbeitgeber besonders gefordert sind, weiss Schmid als ehemaliger Präsident des Gewerbeverbandes Basel-Stadt besonders gut. Für die Betroffenen sei es wichtig zu spüren: «Ich werde wieder gebraucht.» Einen ganz wichtigen Stellenwert hat die Kommunikation: «Sie darf nicht abreissen.» Und es stelle sich natürlich auch die Frage des Persönlichkeitsschutzes. Viele wollen nicht über ihre Krankheit sprechen, andere können das ganz gut und wünschen diese Diskussion auch. Diese Bedürfnisse müssten bei den Betroffenen mit dem nötigen Fingerspitzengefühl erspürt werden.

Immer wieder ist die Arbeitsplatzsicherheit ein Thema. Es sei wichtig, dass man den Druck vom Betroffenen nehme. «Wichtig ist, dass auch Kolleginnen und Kollegen am Arbeitsplatz involviert sind.» Die Kollegen sind wahrscheinlich dankbar, wenn klar ist, wie die Krankheit thematisiert werden kann.

Grossfirmen haben oftmals eigene Spezialisten im Personaldienst, die sich um Fragen der Integration von Krebskranken kümmern. Kleine und mittelgrosse Firmen (KMU) können sich keine solchen Stellen leisten. Deshalb wird die Krebsliga beider Basel diesbezüglich ihre Dienstleistungen ausbauen. Während die Beratung bei der Krebsliga für Privatpersonen gratis ist, wird die geplante Beratung für KMU kostenpflichtig. Es dürfte gut investiertes Geld sein, sozial wie wirtschaftlich.

Am kommenden Donnerstag hat die Krebsliga zu dem grossen Thema eine Tagung organisiert, die sich vor allem an Unternehmer oder Personalverantwortliche in Firmen und Organisationen richtet.


Krebs am Arbeitsplatz: Praxistools für Unternehmen, Tagung mit Referenten: Donnerstag, 22. September, 8.30–14 Uhr, Roche Basel, Bau 1. Eintritt frei.

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Autor

Stefan Schuppli

Stefan Schuppli

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