Es hätte wohl eine besondere Raffinesse sein sollen. Am vergangenen Freitag, genau um 17.00 Uhr, verschickten die BVB ihren neuesten Netzzustandsbericht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich dann noch ein Medienschaffender der Broschüre widmet, war mit diesem Timing maximal minimiert. Wer dennoch die einleitenden Texte liest, fragt sich, ob er nicht versehentlich die letztjährige Ausgabe in den Händen hat; von minimalen Varianten abgesehen haben die BVB einen textlich praktisch identischen Bericht vorgelegt. Das «Management Statement» ist zwar von einem neuen Verantwortlichen gezeichnet, wortgleich zum Vorjahr heisst es jedoch: «Immer noch besteht ein grosser Nachholbedarf bei der BVB-Infrastruktur. Weiterhin gibt es einige Stellen, die in einem schlechten Zustand sind.»

Die Gesamtbilanz hat sich auch nur bedingt verbessert: In der fünfstufigen Bewertung der Infrastruktur ist zwar der Anteil «gut» um 6 Prozentpunkte auf 39 Prozent gestiegen. Die Bereiche «schlecht» und «alarmierend» sind jedoch mit 16 Prozent unverändert hoch und weit von der Zielgrösse entfernt.

«Alarmierende» Situation bei Kreuzungen

In der Detailauswertung ist zu erkennen, dass sich der Gleiszustand auf offener Strecke signifikant verbessert hat, dass aber von den 142 Kreuzungen mehr als ein Drittel in einem «alarmierenden» Zustand sind. Dieser Anteil hat sich gegenüber dem Vorjahr verdoppelt.

Der Nachholbedarf, so berechnen die Basler Verkehrs-Betriebe, habe Ende 2018 noch zehn Prozent des Wiederbeschaffungswerts betragen. Auf den ersten Blick hat er sich damit um einen Prozentpunkt verbessert. Allerdings haben die BVB in dieser Periode die Infrastruktur für das 14er-Tram den BLT übertragen und damit die Verantwortung für 13 Kilometer Gleis. Aufgrund einer Neuberechnung reduzierte damit der Wiederbeschaffungswert um satte 60 Millionen auf noch 651 Millionen Franken. Der Nachholbedarf, den die BVB berechneten, ist damit aber faktisch nicht nur relativ gestiegen, sondern auch in absoluten Zahlen von 63 auf 65 Millionen Franken.

Wortgleich wie im Bericht des Vorjahres heisst es: «In den nächsten Jahren ist somit ein markantes Bauvolumen von zirka 30 Millionen Franken pro Jahr infolge notwendiger Erhaltungsmassnahmen für sämtliche Anlagetypen zu bewältigen.» In einem eingeschobenen Satz auf der zweitletzten Seite heisst es jedoch: «Infolge verschiedener Projektverschiebungen kann im Jahr 2020 das erforderliche Volumen nicht erreicht werden.» Was bedeutet, dass sich der Netzzustand nicht wie angesagt verbessern wird.

Irgendwie verständlich, dass ein solcher Bericht an einem Freitag publiziert wird.