Die Basler fühlen sich in ihrer Stadt nicht mehr sicher – das geht aus der Bevölkerungsbefragung 2011 des Statistischen Amts Basel-Stadt hervor. Von 1285 Befragten gaben fast 40 Prozent an, sich nachts in ihrem Quartier nicht sicher zu fühlen. Von zehn Leuten fürchten sich vier davor, alleine im Dunkeln nach Hause zu gehen. Die Basler gaben zudem an, Kriminalität und öffentliche Sicherheit seien für sie die grössten Probleme. Diese Ergebnisse sind bedenklich, zumal die befragten Zürcher und Berner angaben, sich in ihrer Stadt ziemlich sicher zu fühlen.

So gaben ausschliesslich 26 Prozent der Berner an, dass sie nachts nicht gerne in ihrem Quartier unterwegs seien. Nur 21 Prozent der Zürcher gaben zu Protokoll, dass sie nachts um ihre Sicherheit bangten. Das heisst, dass sich in Basel fast doppelt so viele Personen wie in Zürich nachts fürchten.

Andere Städte, andere Probleme

Weder in Bern noch in Zürich, wird die öffentliche Sicherheit als Hauptproblem bezeichnet. Vielmehr ärgert man sich dort über Probleme mit Verkehr oder Parkplätze am meisten. Das Basler Ergebnis wirft Fragen auf. Denn noch vor vier Jahren fühlten sich auch die Basler in ihrer Stadt sicher. Die Projektleiterin der Bevölkerungsbefragung in Basel, Cathrin Zwahlen weist jedoch darauf hin, dass die Antworten der Basler nur bedingt mit denjenigen der Berner oder Zürcher verglichen werden könnten. Grund dafür sei, dass die Befragungen in den verschiedenen Städten zu unterschiedlichen Zeitpunkten durchgeführt wurden. Die Basler wurden im Februar und März befragt, die Berner und Zürcher im Mai und Juni. Im besten Fall sei wohl die Winterzeit daran schuld, dass die Basler sich nicht sicher fühlten.

Die Befragungen lassen sich darüber hinaus nicht vorbehaltlos vergleichen, als unterschiedliche Personengruppen befragt worden sind. In Bern wurde beispielsweise niemand mit einer B-Bewilligung befragt, in Basel und Zürich hingegen schon. Thomas Holzer, Leiter Statistikdienste der Stadt Bern, erklärt, dass man diese Einschränkung aus sprachlichen Gründen vorgenommen habe. So habe es zu viele Verständigungsschwierigkeiten bei der Befragung dieser Personengruppen gegeben.

Dass die Basler jedoch Kritik an der öffentlichen Sicherheit äussern und sich abends nicht sicher fühlen, steht seit der Veröffentlichung der Befragung im Raum. Dass dieses subjektive Empfinden mit der realen Entwicklung übereinstimmt, weiss Markus Melzl, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft: «In Basel haben die Gewaltdelikte zugenommen.» Es habe in den letzten Jahren leicht mehr Delikte gegeben. Somit stimme das subjektive Empfinden der Befragten tatsächlich mit der objektiven Situation überrein.

Medien sind mitschuldig

In Basel haben Gewaltdelikte in den letzten vier Jahren zugenommen. Da auch in vielen Medien ausführlich über Gewaltdelikte berichtet wird, ist die Bevölkerung stark sensibilisiert. Klaus Mannhart erklärt, dass gerade Medienberichterstattungen Ängste in der Bevölkerung schüren könnten. Interessanterweise ist in Zürich die Kriminalitätsrate höher, dennoch fühlen sich die Zürcher sicherer. Zur Aufbereitung von Delikten in Medien sagt Stadtentwickler Thomas Kessler: «Die Leute sind im guten Fall sensibilisiert und im schlechten Fall verunsichert.» Er hält den schlechten Umfragewerten entgegen, dass gerade junge Frauen und Mütter Basel sehr schätzten. So punktet Basel vor allem mit der guten Kinderbetreuung und dem kulturellen Angebot.