Herr Voser, welches sind für Sie die grössten Erkenntnisse aus der Kriminalstatistik?
Beat Voser: Überrascht über das Resultat waren wir nicht. Wir wussten während dem ganzen Jahr, wo wir stehen. Alarmierend ist aber der Anstieg bei den Vermögensdelikten, vor allem bei den Einbrüchen. Es ist für uns sehr schwierig, die Täterschaft bei diesen Delikten ausfindig zu machen. Oft sind es Reisende, die nach ihrer Tat wieder ins Ausland verschwinden.

23 Prozent mehr Delikte. Gab es das in Basel schon einmal?
Wir sind heute wieder auf einem ähnlichen Stand wie 2004 und haben somit den Höchstwert erreicht. Bis 2004 nahm die Kriminalität stetig zu, danach folgte eine Abnahme. Bis heute, wo die Kurve wieder steil nach oben geht. Eine Zunahme von 23 Prozent ist aber tatsächlich alarmierend.

Wie erklären Sie sich diese Entwicklung?
Das hat vor allem mit der Öffnung der Grenzen zu tun. Ein weiterer Grund ist das Wohlstandsgefälle zwischen Ost und West sowie Süd und Nord. Die Menschen in den armen Regionen wissen, dass wir hier einen hohen Lebensstandard haben und wollen sich einen Teil davon holen. Zudem können diese Menschen oft nichts mit unseren Strafen anfangen. Im Vergleich zu ihren Herkunftsländern sind die Gefängnisse bei uns komfortabel und die Strafen eher milde.

Wird es in diesem Stil weiter gehen?
Wenn ich das wüsste, wäre ich ein Prophet. Ich gehe aber nicht davon aus, dass die Kriminalität abnehmen wird. Das Umfeld und die Rahmenbedingungen verändern sich ja nicht. Die Grenzen beispielsweise werden offen bleiben.

Braucht es härtere Strafen?
Härtere Strafen? Mehr Kontrollen? Das sind Fragen, die man diskutieren muss. Will man die Kontrollen an der Grenze erhöhen, dann braucht das eine gewisse Akzeptanz in der Bevölkerung. Viele sind sich gewohnt, dass sie über die Grenze können, ohne den Pass zu zeigen. Erhöhen wir die Kontrollen, müssen die Menschen damit rechnen, dass sie halt in eine Kontrolle kommen können.

Stimmt der Eindruck, dass die Strafverfolgungsbehörde, angesichts der vielen Diebe aus dem Ausland, etwas ratlos ist?
Wir sind nicht ratlos, sondern hilflos. Uns fehlen schlicht die Mittel und Möglichkeiten, die Delikte, die von ausländischen Dieben verbrochen wurden, zeitnah aufzuklären.

Wie kann dies geändert werden? Was fordern Sie von der Politik?
Ganz wichtig wäre, dass wir Spurendaten schneller verarbeiten und einlesen könnten. Zudem muss auch der internationale Austausch von Spurendaten möglich sein. Momentan sind bei uns vier Bulgaren in Haft. Sie wurden mit Einbruchwerkzeug erwischt. Wir haben aber keine Möglichkeit ihnen nachzuweisen, dass sie einen Einbruch begangen haben, weil wir schlicht zu wenig schnell an die Informationen herankommen. Und nach 48 Stunden müssen wir sie wieder freilassen. Darum wäre eine internationale Spurendatenbank, auf die schnell zugegriffen werden kann, ein sehr nützliches Instrument. Es ist die Aufgabe der Politik, uns diese Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Müssen die Bürger in Basel um ihre Sicherheit fürchten?
Nein, das nicht. Angst ist sowieso ein subjektives Gefühl. Ein ängstlicher Mensch wird immer Angst haben. Und die absolute Sicherheit werden wir nie garantieren können.

Was können die Menschen denn tun, um sich zu schützen?
Was es sicher braucht, ist mehr Aufmerksamkeit von jedem. Oft sind die Leute nachlässig oder gar gleichgültig. Wenn jemand merkt, dass vom Nachbarhaus her merkwürdige Geräusche kommen, im Wissen darum, dass die Nachbarn in den Ferien sind, dann ruft man lieber die Polizei an. Ein anderes Beispiel: Die Leute stellen noch immer ihre Fenster schräg und verlassen das Haus. Das ist einfach riskant.