Wann ist ein Bild echt? Wissenschaftler versuchen das mit Stilanalysen, chemischen-physikalischen Tests und der Herkunft zu ermitteln. Hilfreich kann auch sein, wenn ein Werk in einem Werkverzeichnis des Künstlers vermerkt ist. Dieser Catalogue Raisonné, wie er in der Fachsprache heisst, muss freilich vom Kunstmarkt anerkannt sein. Für die dort vermerkten Werke ist es ein Gütesiegel und ohne Zweifel wertsteigernd.

Die Verzeichnisse selbst sind von unterschiedlicher Qualität, was die Sache nicht einfacher macht, sagt Friederike Gräfin von Brühl, die am Freitag an der Tagung «Kunst und Recht» ein Referat über den Catalogue Raisonné halten wird.

Ein Verzeichnis hat es in sich

Immer wieder ist die Aufnahme in ein solches Verzeichnis die Ursache von Rechtsstreiten. So wurde der Kunstkenner Werner Spies verurteilt, weil er bestätigte, er werde ein Werk von Max Ernst in das Verzeichnis aufnehmen. Es war aber eine Fälschung.

Auch das neue Modigliani-Werkverzeichnis, das Marc Restellini seit über zehn Jahren angekündigt hat, ist immer noch nicht veröffentlicht worden, offenbar wegen der vielen Streitereien und Ungereimtheiten: Rechtshändel sind einem Verzeichnis abträglich. Das Original der obenstehenden Illustration hat übrigens ebenfalls eine merkwürdige Geschichte. Es ist auf einem Flohmarkt in Italien aufgetaucht und heute, nach dem Tod des alleinstehenden Besitzers, wieder verschwunden.

Anonyme Zollfreilager

An der Tagung im Rahmen der Art Basel kommen auch andere Themen zur Sprache, wie etwa die der Zollfreilager, die zur Steuerhinterziehung und Geldwäsche missbraucht werden (Referent: Xavier Oberson ). Im Genfer Zollfreilager lägen Schätze im Wert von dreistelligen Milliardenbeträgen, wird spekuliert. Auch nur annähernd verlässliche Zahlen gibt es nicht. Die Werke sind unverzollt und ohne Mehrwertsteuer. Einige Werke seien seit Jahrzehnten dort gelagert, weiss ein Insider. Sie würden zum Teil die Hand wechseln, ohne dass sie das Zollfreilager verliessen.

Die Kunsthändlerfamilie Nahmad habe auf 15'000 Quadratmetern zwischen 4500 und 5000 Kunstwerke gelagert, davon 300 Picassos, schreibt die Basler Juristin Monika Roth in ihrer soeben erschienenen kritischen Schrift «Wir betreten den Kunstmarkt» (Dike-Verlag). Immer wieder werden die Lager auch mit möglicher Geldwäscherei in Verbindung gebracht. Das ist denkbar, weil weder die gelagerte Ware noch der effektive Besitzer bekannt ist.

Geldwaschfälle

Ein Merkmal des Kunsthandels sind die oftmals hohen Beträge, die die Hand wechseln. Die involvierte Bank, auf deren Konto beispielsweise das Geld einbezahlt wird, kann kaum einschätzen, ob der Preis für das eine oder andere Bild realistisch ist. Die Bank wird vielleicht eine Bestätigung oder einen Kaufvertrag einfordern, aber der kann einfach gefälscht werden, sagt Monika Roth.

Dem Vernehmen nach sollen hinterzogene Gelder aus Griechenland bzw. Gelder aus Korruption über den Kunstmarkt gewaschen worden sein. Die Bundesanwaltschaft untersucht gegenwärtig Geldwäschereivorwürfe gegen Helly Nahmad aus der Galeristenfamilie, welcher bereits in den USA eine Strafe von einem Jahr absitzen musste. Aus einem Urteil des Bundesstrafgerichts vom Januar 2014 geht hervor, dass er verdächtigt wird, mindestens 10 Millionen Dollar gewaschen zu haben – namentlich über seine Galerie in New York. Im Rahmen der Telefonüberwachung in den USA wurde ein Gespräch abgehört, in welchem Helly Nahmad einer Kundin vorschlägt, 150'000 Dollar auf das Konto seines Vaters zu überweisen. Wenn die Bank Näheres wissen wolle, könne man sagen, sie habe ein Bild erworben.

Vorwurf Raubkunst

Die diesjährige Art Basel hat seit Dienstag ihren ersten Fall, der wahrscheinlich rechtliche Konsequenzen haben wird: Das französische Auktionshaus Aguttes verzichtet auf eine auf heute Mittwoch angesetzte Versteigerung von kanakischer Kunst aus Neukaledonien, nachdem dessen Regierung intervenierte und sagte, die 20 Objekte seien in den 70er Jahren illegal ausser Landes gebracht worden. Sie hätten einen Wert zwischen 50'000 und 250'000 Euro. Das schreibt das Portal Le Temps online.