Kultur

Kritik am neuen Museumsgesetz: Basler Museen sollen gratis werden

Die Basler Museen sollen gratis werden.

Die Basler Museen sollen gratis werden.

Mit dem neuen Museumsgesetz fordern Parteien freien Eintritt für alle – und die Staatshäuser sollen ausgelagert werden.

In der Politik kommt es nicht oft vor, dass sich die Linken und die Rechten einig sind. Der Entwurf zum neuen Museumsgesetz, den die Basler Regierung im Juni in die öffentliche Vernehmlassung gegeben hat, ist aber ein solcher Fall. Für die SVP ist er «visions- und mutlos» und auch die SP ist «nicht vollständig glücklich».

Bemängelt wird von beiden Lagern die künftige Politik zu den Eintrittsgebühren für staatliche Museen. Zwar möchte die Regierung die bisherige Pflicht über Bord werfen, für den Eintritt eine Gebühr zu verlangen. Nur bei Sonderausstellungen soll diese als gesetzliche Auflage bleiben.

Mit dem Entwurf schiebt Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann die Verantwortung den Museen zu. Sie sollen selber entscheiden können, ob sie Eintritt verlangen. Dies allerdings unter dem Vorbehalt, dass sie allfällige Mindereinnahmen mit den bisherigen Mitteln kompensieren.

Das Wahlversprechen scheint nicht mehr zu gelten

Den Parteien geht das zu wenig weit – zumal Ackermann im Wahlkampf 2016 als eine von weinigen konkreten Vorstellungen mit Gratiseintritten für Museen für sich geworben hatte. Nun aber äussert sie Bedenken: So bleibe die Frage der Gegenfinanzierung. Zudem könne das sensible Gleichgewicht mit den privaten Museen ins Wanken kommen.

SP und SVP fordern dagegen eine «mutigere Formulierung». Konkret: ein genereller und konsequenter Gratiseintritt für Dauerausstellungen. Das mache die Museen zugänglicher auch für Kurzbesuche und als Erholungs- und Aufenthaltsort. Gleichzeitig verursache das Kassenwesen in mehreren staatlichen Museen ohnehin höhere Kosten als Einnahmen, argumentieren die Sozialdemokraten.

Für die SVP wiederum ist es widersprüchlich, dass die Museen autonom über Gratiseintritte entscheiden, gleichzeitig aber in der Verwaltung eingebunden bleiben sollen. Sie fordert daher, dass gleich eine Auslagerung der Museen geprüft wird. «Das jetzige System ist auch für die Museumsleitungen unbefriedigend», ist die Partei überzeugt.

Auch für die GLP geht die Teilrevision zu wenig weit. Es sei bedauerlich, dass eine mögliche Auslagerung der Museen ohne Angabe von Gründen mit einem Satz verworfen werde.

In diese Kerbe haut auch die CVP. Für die Christdemokraten verfügen die Basler Museen über zu wenig Autonomie. Diese sollen selbstständiger arbeiten und planen können: «In der jetzigen Form unterliegen die Museen einem zu engen Korsett innerhalb der kantonalen Verwaltung.» So sei auch das Sammeln von Spenden schwieriger. Für die CVP ist die Autonomie der Museen deshalb sogar «der zentrale Punkt einer Vision für die Zukunft».

Museumsbudgets müssten angepasst werden

Unterstützung erhielt Regierungspräsidentin Ackermann bisher vorab von ihrer eigenen Partei. Für die Grünen sind die Gratiseintritte in erster Linie eine Frage der neuen Globalbudgets, die aber zusammen mit den jeweiligen Leistungsaufträgen vom Grossen Rat verabschiedet würden, betont Kulturpolitikerin Lea Steinle.

Mit den geforderten generellen Gratiseintritten würde zumindest gesetzeskonform werden, was schon seit Jahren Praxis ist: Bereits heute zahlt nur ein Viertel der Museumsbesucher den ordentlichen Tarif, mehr als ein Drittel spaziert gratis durch die Museen.

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Autor

Daniel Ballmer

Daniel Ballmer

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