Die Basler Universität hat grosse Pläne. Sie will eine eigene Fakultät für die Pharma schaffen. Dies berichtete die «Schweiz am Wochenende», welche Einsicht in den vertraulichen Quartalsbericht des Rektorats hatte. Ziel ist es, die Pharma an der Universität sichtbarer zu machen, heisst es im Papier.

Damit will man dem wichtigsten Wirtschaftszweig der Region Rechnung tragen. Es wäre dies die achte Fakultät an der Universität – die letzte Fakultätsgründung liegt knapp 16 Jahre zurück. Damals wurde die Psychologische Fakultät ins Leben gerufen.

Die Pläne sorgen vor allem bei linken Politikern beider Basel für gemischte Gefühle. So stehen viele den sogenannten Stiftungsprofessuren kritisch gegenüber. Um das Budget nicht zu belasten, plant die Uni, die neue Fakultät hauptsächlich mit privaten Mitteln aufzubauen. Das heisst: Mäzene oder Unternehmen bezahlen die Löhne der Dozenten. 

«Wer Geld gibt, möchte sicher mitreden»

Wenn die Roche oder die Novartis die Forschung finanziert, stellt sich bei einigen die Fragen nach der Unabhängigkeit. Die Basler SP-Grossrätin Kerstin Wenk etwa, die in der interparlamentarischen Geschäftsprüfungskommission der Universität sitzt, sieht diese Stiftungsprofessuren «eher kritisch», wie sie auf Anfrage sagt. «Forschung und Bildung müssen für mich klar unabhängig sein. Wer Geld gibt, möchte aber sicher auch etwas dafür erhalten und zum Beispiel bei der Besetzung der Professur mitreden», sagt sie.

Der Baselbieter SP-Landrat Jan Kirchmayr ist ebenfalls kein Anhänger von Stiftungsprofessuren. «Die freie Lehre ist das höchste Gut, das wir haben. Und die sehe ich in Gefahr, wenn Stiftungen die Professuren finanzieren. Das habe ich bereits an einer Landratsdebatte betont.»

Grundsätzlich begrüssen die Bildungspolitiker den Ausbau der Pharma. Grünen-Landrätin Rahel Bänziger betont, dass die Zusammenarbeit mit der ETH wichtig und wünschenswert sei. Diese im Quartalsbericht der Uni angesprochene Kooperation stärke den Forschungsstandort. Auch Bänziger betont indes, dass die Forschungsfreiheit vollständig gewährleistet werden muss.

Die Unistrategie scheint im Widerspruch zu stehen

Sowohl Kirchmayr als auch Wenk warnen zudem vor Einsparungen in anderen Bereichen der Uni. Zwar schreibt das Rektorat, dass die Schaffung der neuen Fakultät keinen Einfluss auf die Budgets der Medizinischen und Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät hätten, denen die Pharma heute angegliedert ist. Gleichzeitig müsse innerhalb der ganzen Uni ein Konsens bestehen, dass es diese Fakultät brauche.

Kerstin Wenk zweifelt aber daran, dass andernorts nicht gespart werden soll. «Der Aufbau eine Fakultät kostet, und dies wird finanziert mit mehr Doppelprofessuren. Es stellt sich für mich die Frage: Wo und was wird abgewertet?»

Für Kirchmayr, der die Schaffung einer neuen Fakultät für die Pharma «grundsätzlich» begrüsst, ist das die grösste Sorge: «Wie das im Einklang mit der Unistrategie stehen soll, gemäss der gespart werden soll, weiss ich nicht.»