Eigentlich wollte Carl Fingerhuth, der von 1979 bis 1992 Basler Kantonsbaumeister war, nach seinem Rücktritt nicht mehr über die Basler Stadtentwicklung sprechen. Doch wegen der Roche-Türme bricht er sein Schweigen. Sie würden ein Präjudiz für die gesamte Basler Baukultur darstellen, sagt er in einem Interview mit der «Schweiz am Sonntag».

Man könne heute in keiner Stadt gegen ein Hochhaus an exponierter Lage argumentieren, weil Basel das ja auch habe. «Das führt zu einer Zerstörung der Städte durch Einzelobjekte», sagt Fingerhuth.

Der Zürcher Architekt warnt, dass Basel durch die Roche-Türme seine einmalige Identität verliere, die bisher von der Altstadt und dem Münster geprägt wurde: «Mit den Roche-Türmen wird Basel aussehen wie Frankfurt. Das Stadtbild wird globalisiert.»

Die geplanten Doppeltürme seien keineswegs eine architektonische Sensation. «Im Gegenteil. Sie sind ein Stapel von Schachteln», sagt Fingerhuth. Die ursprünglich geplante Doppelhelix hingegen hätte aus seiner Sicht gut zu Basel gepasst.

Die Entwürfe der Roche-Türme stammen von den Basler Stararchitekten Herzog und de Meuron. Diese betonen stets, dass ihre Projekte in städtebauliche Gesamtkonzepte eingebunden seien. Fingerhuth dazu: «Die Architekten argumentieren immer dann so, wenn es ihnen gerade passt.»

Er hat Herzog und de Meuron als Kantonsbaumeister einige ihrer ersten Aufträge gegeben. Das seien wunderbare Bauten gewesen. Doch nun seien Herzog und de Meuron «megaloman» geworden. Fingerhuth kritisiert: «Sie sind Schläger gegen die Stadt.»