Hooligan-Konkordat
Kritik aus Bern: Basel verschliesst die Augen vor dem Hooligan-Problem

Der Präsident der kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren drohte im Frühling, keine Berner Polizisten an Fussballspiele in Basel zu schicken. Vor der entscheidenden Abstimmung sagt er, dies sei keine leere Drohung gewesen.

Andreas Maurer
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Basler Hooligans
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FCB-Hooligans vor dem Stadion
Viel Rauch ums Hooligankonkordat: Basler und Baselbieter aller Couleur sind gegen die Erweiterung. Key
Hooligans und Polizei

Basler Hooligans

Keystone

Herr Käser, am Mittwoch wird der Basler Grosse Rat einen Beitritt zum verschärften Hooligan-Konkordat ablehnen. In Baselland wird derselbe Entscheid erwartet.

Hans-Jürg Käser: Ich bedaure das sehr, rechne aber ebenfalls damit.

Welche Folgen hat der Alleingang der Region Basel?

In allen anderen Kantonen mit Fussballteams der Super League gilt das verschärfte Hooligan-Konkordat bereits oder es wird, wie in Bern, voraussichtlich angenommen werden. Somit wird der FC Basel bei allen Auswärtsbegegnungen nach den Regeln des Konkordats spielen. Interessant finde ich: Wo fand die letzte Gerichtsverhandlung gegen Fussballhooligans statt?

In Basel.

Eben.

Das waren Zürcher Hooligans. Und die Urteile gegen die Gewalttäter zeigen, dass bereits das geltende Recht griffige Massnahmen bietet.

Ich begrüsse die Urteile des Basler Strafgerichts. Nächste Frage: Wer hat beim letzten Heimspiel der Young Boys Steine gegen die Berner Polizei geworfen?

Der Berner Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser wundert sich über Basel. Key

Der Berner Sicherheitsdirektor Hans-Jürg Käser wundert sich über Basel. Key

Das waren Basler Fans. Mit dem verschärften Konkordat hätte dies aber kaum verhindert werden können.

Mir geht es um etwas anderes: Ich habe im Kanton Bern die Verantwortung für die Sicherheitsdirektion und in unserem Kanton steht im Februar das Referendum zum Hooligan-Konkordat an. Nun passieren Randale beim Eishockeyspiel des SC Bern gegen den EHC Biel in Bern, es gibt Scharmützel zwischen Basler Fussballfans und meiner Polizei in Bern und dann lese ich noch in der Zeitung, dass ein Basler Gericht relativ harte Entscheide gegen Fussballhooligans fällt. Das sind alles Mosaiksteine. Dann überlege ich mir, was ein durchschnittlicher Stimmbürger denkt. Nach dem Volks-Ja zum Hooligan- Konkordat in Zürich und Zug bin ich sicher, dass auch die Berner zustimmen werden.

Und was wollen Sie damit sagen?

Basel tickt anders. Basel pflegt seine Andersartigkeit regelrecht. Persönlich gefällt mir das. Zum Beispiel die Basler Fasnacht mag ich sehr. In meiner Wahrnehmung haben der Fussballclub und sein Umfeld in Basel deutlich mehr Einfluss als die Clubs in anderen Kantonen. In Basel ist man überzeugt, dass man einen sehr guten Umgang mit den FCB-Fans habe. In vielen Basler Köpfen ist der Eindruck entstanden, dass mit dem Hooligan-Konkordat dem Kanton nun etwas aufgezwungen werden soll, das die Basler Kultur nicht nötig habe. Dabei hat das Konkordat den einzigen Zweck, mit einer Bewilligungspflicht und weiteren Massnahmen darauf hinzuwirken, dass die Behörden Auflagen für die Spiele machen können und dass dadurch die Polizeieinsatzzahlen zurückgehen.

Basel hat bereits eine entsprechende Regelung: Veranstaltungen mit mehr als 20 000 Besuchern oder mit potenziellen Sicherheitsproblemen müssen bewilligt werden.

Dann frage ich mich: Wo liegt das Hindernis? Basel könnte problemlos beitreten. Die Basler werden jetzt natürlich mit den Grundrechten von Fans argumentieren, die angeblich verletzt werden sollen. Dann frage ich: Haben die übrigen Besucher keine Grundrechte? Haben die normalen SBB-Passagiere zum Beispiel, die von Fans gestört werden, keine Grundrechte? Gelten die Grundrechte nur für die Fans des FCB?

Im Mai drohten Sie in der «Sonntagszeitung», dass im Rahmen des Nordwestschweizer Polizeikonkordats künftig keine Polizisten mehr aus anderen Kantonen für Fussballspiele nach Basel geschickt werden könnten, falls Basel das Hooligan-Konkordat ablehnt. Halten Sie daran fest?

Ich habe nicht gedroht. Ich habe nur gesagt, dass ich mir vorstellen kann, dass diese Frage im Rahmen des Nordwestschweizer Polizeikonkordats gestellt wird. Warten wir ab, was die anderen Kantone dazu sagen. Das Nordwestschweizer Polizeikonkordat regelt die gegenseitige Unterstützung der kantonalen Polizeikorps. Vertritt nun ein Kanton in einem entscheidenden Bereich, bei der Gewalt im Sport, eine andere Philosophie, können die anderen Kantone überlegen, wie sie sich verhalten möchten. Das wird man wohl im Rahmen des Polizeikonkordats diskutieren.

Und Sie sorgen dafür, dass das Thema auf die Traktandenliste kommt?

Ich bin nicht der Präsident des Polizeikonkordats, bin aber überzeugt, dass das Thema von selber auf die Traktandenliste kommt. Das Ergebnis der Diskussion ist offen.

Vermischen Sie mit dem Hooligan- und dem Polizeikonkordat nicht zwei Themen, die keinen direkten Zusammenhang haben?

Die Belastung der Polizeikorps durch Gewaltexzesse an Fussballspielen ist ein grosses Problem. In Bern haben wir vier Sportclubs, die in obersten Ligen spielen. Zudem ist die Berner Polizei durch politische Demonstrationen besonders belastet, da diese fast nur in Bern stattfinden. Darum weiss ich, wie gross das Problem ist. Es ist gut, dass das Polizeikonkordat die Zusammenarbeit regelt, ich befürworte den Föderalismus explizit. Man muss sich aber fragen, was es für Konsequenzen hat, wenn ein Kanton sagt, dass er nicht mithelfen werde, das Hooligan-Problem zu lösen.

Können Sie nachvollziehen, dass Ihre Aussagen zum Nordwestschweizer Polizeikonkordat in Basel als billige Provokation wahrgenommen werden?

Das sind die Medien, die das so herüberbringen. Als Politiker darf ich Fragen stellen. Dann kann man eine offene Diskussion führen. Dass es dabei unterschiedliche Meinungen gibt, kann und muss ich als Politiker ertragen.

Der Basler Sicherheitsdirektor Baschi Dürr ist wie Sie ein Freisinniger. Es ist bekannt, dass er persönlich das Hooligan-Konkordat ablehnt.

Das ist keine Frage des Parteibuchs. Baschi Dürr ist einfach ein Basler.