Das Fazit von Sarah Bader* ist klar: «Erst wenn man sich wehrt, ändert sich etwas.» Die diplomierte Pflegefachfrau war eine jener Mitarbeiterinnen des Universitätsspitals Basel (USB), die vor einem Monat gegenüber der «Schweiz am Wochenende» diverse Missstände auf der Chirurgie-Abteilung 6.2 offengelegt hatten.

Das Kernproblem: die chronische Unterbesetzung des Pflegepersonals auf der 36 Betten umfassenden Station. Diese führe zu einer starken Überlastung. Eine diplomierte Pflegefachfrau muss zusammen mit einer Fachfrau Gesundheit zurzeit rund 10 Patienten pflegen – das Doppelte des normalen Betreuungsschlüssels. Notfallmässig füllten externe Temporärkräfte, die kaum eingearbeitet werden konnten, einige Lücken. Dies alles führt unweigerlich zu Unzufriedenheit und vielen Abgängen. Womit wir wieder beim Problem der Unterbesetzung wären. Ein Teufelskreis.

Keine neuen Stellen

Doch nun hat die Leitung des Unispitals reagiert. «Seit einer Woche unterstützt uns Pflegepersonal aus anderen Stationen anstatt der externen Temporären», erzählt Bader erleichtert. Zudem sei die Bereichsleitung der Chirurgie auf das Personal zugekommen und habe einen Infoanlass durchgeführt. Seither gebe es auch endlich regelmässige Sitzungen mit der Bereichsleitung. «Und zwei von ihnen haben einen Tag bei uns auf der 6.2 mitgearbeitet. Das gab es noch nie.» Für Bader ist klar, dass es für dieses Entgegenkommen den Druck der Medien gebraucht hat.

Auch beim Verband des Personals öffentlicher Dienste (VPOD) Region Basel ist man zufrieden: «Die Angestellten fühlen sich eher verstanden, da die USB-Geschäftsleitung sie jetzt ernst nimmt», sagt VPOD-Regionalsekretärin Vanessa von Bothmer. Auch der Austausch zwischen Unispital-Spitze und der Gewerkschaft sei nun viel intensiver als zuvor.

Und noch etwas hat sich getan: Das USB habe seine Bemühungen, die vakanten Stellen wieder mit Festangestellten zu besetzen, deutlich verstärkt. Dies bestätigt auch das USB selbst. Gegenüber der bz sagt Sprecherin Sabina Heuss: «Seit einigen Wochen bemühen wir uns mit Nachdruck um Rekrutierungen.» Dies benötige aber Zeit, da die Stellenbesetzung von Pflegenden und Ärzten gesamtschweizerisch ein Problem darstelle. Des Weiteren bestätigt Heuss zwar, dass man sich in den letzten Wochen verstärkt um den Dialog mit dem Personal bemüht habe. Dass die Anstrengungen mit dem medialen Druck zu tun haben, bestreitet das USB vehement. Sie seien Teil der normalen Personalstrategie. «Wir sind zuversichtlich, dass sich die Lage auf der 6.2 bald beruhigt», sagt Heuss.

Doch noch ist längst nicht alles eitel Sonnenschein. In einem Brief des Pflegeteams der 6.2 an die Personalverantwortlichen, aus dem der VPOD zitiert, steht einiges, das das USB noch nicht erfüllt: etwa einen klar definierten Betreuungsschlüssel, eine zusätzliche Mittelschicht oder eine Stempeluhr. Das Wichtigste nennt auch Sarah Bader: «Es braucht eine generelle Stellenaufstockung über die Vakanzenbesetzung hinaus.» Das unterstützt auch der VPOD – und zwar für das gesamte Unispital. Schon vor einem Monat hat das USB dies aber ausgeschlossen. Heuss möchte auch auf die anderen Punkte nicht öffentlich eingehen, sagt aber immerhin: «Zurücklehnen werden wir uns jetzt sicher nicht.»

*Name von der Redaktion geändert.