Basler Museumspolitik

Kritisiert und durchgewunken – die Analyse zur heutigen Museumsdebatte im Grossen Rat

Berri Bau. Jetzt Naturhistorisches Museum zukünftig Historisches Museum

Berri Bau

Berri Bau. Jetzt Naturhistorisches Museum zukünftig Historisches Museum

Die Museumspolitik in Basel ist eine Leidensgeschichte. Wenn heute der Grosse Rat noch einmal über eines der grössten Projekte der Basler Kulturszene berät, ist bereits eines klar: Die Museumsplanung wurde von einer eigenwilligen Logik geprägt. Zuerst die Bauten, dann die Analysen, schreibt bz-Kulturchef Marc Krebs.

Heute entscheidet das Basler Parlament über eine Investition, die ins Geld geht: einen Museumsneubau beim Bahnhof St. Johann. Kostenpunkt: 225 Millionen Franken. Darin sollen das Naturhistorische Museum und das Staatsarchiv untergebracht werden. Man kann davon ausgehen, dass der Rat zwar murren, dann aber seinen Segen geben wird.

Die beiden Institutionen sind unbestritten. Auch hat kaum jemand etwas gegen Kultur in dieser Stadt. Soweit herrscht Einigkeit.

Dass diese zwei allerdings unter demselben Dach vereint werden sollen, wirkt zufällig. Man scheint eine Zweckehe zu forcieren, um im vernachlässigten St. Johann-Quartier einen kulturellen Farbtupfer zu setzen. Im Behörden-Slang spricht man dann von der Chance, «einen zukunftsgerichteten öffentlichen Kulturkomplex mit zwei sich ergänzenden Identitäten und überregionaler Ausstrahlungskraft zu schaffen».

Naheliegender wäre wohl eine Kombination zweier Museen oder aber eine Anbindung des Staatsarchivs an das Historische Museum, deren ideelle Synergien – Gedächtnis und Geschichte der Stadt Basel – jedenfalls augenfälliger sind.

Gemeinsam ist aber eine Not: Beide Institutionen sind in sanierungsbedürftigen Häusern untergebracht. Dass auch das Historische Museum und seine Depots nicht den Standards der Zeit entsprechen, dass die Struktur dieses Hauses mit seinen diversen Lokalitäten übergeordnet hinterfragt werden könnte, das wird in der Neubau-Debatte komplett verschwiegen. Es könnte ja allzu sehr der Eindruck entstehen, eine andere Kombination wäre sinnvoller.

Was besonders irritiert: Wenn eine Firma bauliche Veränderungen anstrebt und Synergien sucht, erstellt sie zuvor Betriebsanalysen und ein Gesamtkonzept. Nicht so das Präsidialdepartement. Dessen Museumspolitik scheint von einer eigenen Logik geprägt zu sein: zuerst die Bauten, dann die Analysen.

Denn statt die Betriebsanalysen aller fünf staatlichen Museen abzuwarten, soll das Neubauprojekt jetzt durchgeboxt werden. Damit einhergehend sind Rochaden und Sanierungen vorgesehen, die insgesamt eine halbe Milliarde Franken kosten werden. Stück für Stück wurstelt man sich durch, informiert nur scheibchenweise, um ja kein Projekt zu gefährden. Darunter leidet die Glaubwürdigkeit.

Schöngeredete Probleme

Beim letzten Neubauprojekt, dem Erweiterungsbau des Kunstmuseums, wurde bewusst blauäugig kalkuliert, um das Projekt durchzubringen, was ein strukturelles Defizit in Millionenhöhe nach sich zog. Statt dies der getäuschten Öffentlichkeit proaktiv und ehrlich einzugestehen, wurden die Probleme lange Zeit als «Herausforderungen» schöngeredet.

Wer sich davor scheut, das Kind beim Namen zu nennen, macht sich zum Teil des Problems. Die Parlamentarier haben dies erkannt, sich angesichts der Misere nicht von der eigenartigen Krisenkommunikation des Präsidialdepartements täuschen lassen und Aufklärung gefordert.

Der Vertrauensverlust im Parlament ging so weit, dass die Geschäftsprüfungskommission und die Bildungs- und Kulturkommission, die der Kulturabteilung unter Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann auf die Finger schauen sollten, sogar eine Basler Form von «Shutdown» androhten. Sie forderten: Ohne Museumsstrategie werde man keine Beschlüsse mehr fällen, worauf ein Papier mit diesem Namen Ende 2017 nach jahrelanger Verzögerung erstellt wurde. Doch fehlten darin klare Perspektiven, kühne Ideen.

Die grosse Herausforderung

Man muss aber auch festhalten, dass sich der Grosse Rat selber schwach, ja, inkonsequent verhält. Die Fachkommission kritisiert die Vorgehensweise des Präsidialdepartements zwar mit zunehmender Schärfe. Am Ende des Tages winken die Parlamentarier aber doch alles durch, von links bis liberal. Damit machen sie sich zu Verbündeten einer Kulturpolitik, die in der jüngeren Vergangenheit grobe Defizite mitzuverantworten hatte.

Leidtragende sind die aktuellen Museumsdirektionen, welche die Fehler ausbaden müssen, und wir Steuerzahler. Dieser Mangel an Logik, Sensibilität und Transparenz könnte bei einer Volksabstimmung zum kompletten Absturz des Neubauprojekts führen. Das zu verhindern, wird dann tatsächlich eine «Herausforderung» sein für die Basler Kulturpolitik.

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