Hotel Teufelhof

Künstler gestalten einige Gästezimmer: Schlafen in einem Kunstwerk

Die wenigsten Basler wissen, wie es im Hotel Teufelhof aussieht – zumindest nicht in den Gästezimmern. Alle fünf Jahre werden neun Zimmer von Künstlern neu gestaltet, so auch jetzt. Die bz hat sich umgesehen.

Eine elegant geschlungene Treppe führt in den ersten Stock. Dort kreuzen sich Handwerker, Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen. Jemand schüttelt in einem Zimmer die Bettdecke aus, von irgendwo ertönt das Geräusch eines Staubsaugers. Der heutige Tag ist eine Ausnahmesituation: Neben dem normalen Hotelbetrieb wird ein Zimmer neu gestaltet. Es ist das letzte von neun, dessen Bearbeitung heute beendet wird. 

Alle drei bis fünf Jahre lädt Raphael Wyniger, Inhaber und Geschäftsführer des Teufelhofs, internationale und lokale Künstler ein, die Zimmer bis unter die Decke neu zu gestalten. Eine in der Kulturstadt Basel einzigartige Idee: Die Gäste können in Kunst übernachten. Jedes Zimmer ist ein individuelles Kunstwerk.

Weder religiös noch politisch

Welche Farben, Motive, Gegenstände die Künstler für die Gestaltung verwenden, ist ihnen frei überlassen. Wyniger will der Kreativität keine Grenzen setzen. Eine Vorgabe sei dennoch wichtig: Es dürften weder religiöse noch politische und auch keine sexuellen Motive an die Wände gepinselt werden, so Wyniger.

Die Zimmer des Kunsthotels sollen für jeden und jede bewohnbar sein. Diese Vorgabe betrifft auch die Lautstärke: Falls ein Künstler auf die Idee kommt, eine laut scheppernde Maschine neben dem Bett aufzustellen, muss man ihr jederzeit den Stecker ziehen dürfen.

Das letzte zu gestaltende Zimmer wird keine solche Installation aufnehmen. Es wird das Zentralbüro von Dieter Meier, dem international bekannten Musiker des Elektropop-Duos Yello. Noch stehen vollbepackte Tüten im Raum. Assistenten sind beschäftigt, das Zimmer einzurichten – Meier selbst ist geschäftlich unterwegs und wird erst am nächsten Tag anwesend sein.

Das dunkelgrün gestrichene Zimmer wird das «office central» der «association des maîtres de rien». Dieter Meier ist das einzige Mitglied der «association». Er wolle sich als «Meister von nichts» verpflichten, Kunstwerke zu schaffen, die nichts aussagen, wie einer seiner Assistenten erklärt.

Das sind etwa Schwarz-weiss-Fotografien von stillgelegten Strassenkreuzungen, die er in den 70er-Jahren knipste, oder Plakate von Ausstellungen, die es nie gab und nie geben wird. Wer in diesem humorvoll ausgestatteten Büro übernachtet, darf zudem in Meiers Musik-, Bücher- und Werksammlung stöbern. Näher kann ein Gast dem Künstler vermutlich nicht kommen.

Eine Nacht im Atelier

Ähnlich lebendig und intim ist das Nebenzimmer. Der Geruch von Acryl-Farbe hängt noch in der Luft. Ein Blick zu den Füssen erklärt wieso: Kunterbunte Farblachen verzieren als Überbleibsel kreativer Arbeit den Boden.

An den Wänden kleben fotorealistische Tapeten eines Ateliers. Hier ist man zu Gast in der Werkstätte des Künstlerkollektivs «Mickry 3». Das kunterbunte Chaos wirkt wie ein Wimmelbild. In jeder Ecke und Nische sind Farbdosen und Pinsel zu entdecken, die man bei der ersten und zweiten Betrachtung übersehen hat. Die kreative Atmosphäre des Raumes nimmt die Besucherin schonungslos ein.

Ein Teufel am Sternenhimmel

Ruhig und unaufgeregter sind die anderen Zimmer. Die Künstlerin Aline hat aus buntem Krepppapier Blumen gefaltet, sie in einem dichten Arrangement an der Wand angebracht; Andreas Mattle hat in weisser Leuchtfarbe einen Sternenhimmel gemalt.

Am Firmament schweben die Protagonisten der Teufelhof-Geschichte: die Schutzpatrone des Theaters und der Maler, ein Mönch, ein Teufel. Erst bei kompletter Verdunkelung zeichnen sich die Figuren ab. Dieses Zimmer ist – wie alle anderen – in nur einer Woche entstanden, während des regulären Hotelbetriebs.

Bei unserem Besuch sind beide Künstler anwesend. Für Aline ist das nicht ungewöhnlich. Sie ist seit 2010 die Assistentin von Wyniger und daher im Haus allgegenwärtig — mit einer Ausnahme: «In dieses Zimmer komme ich selten», sagt sie.

Sie fände es komisch, ihre eigene Arbeit zu betrachten. Damit ist sie wohl allein: Die Gäste des Teufelhofs sind begeistert. Das meinen auch Hotelkenner: Wyniger ist für den «Hotelier des Jahres» nominiert. Am 24. November wird in Basel entschieden, ob er es wirklich ist.

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