Hin- und hergeschickte Pakete, deren Irrwege sich am Computer per Tracking nachverfolgen lassen. Ein Smartphone, das auf Heizleuchten reagiert und bei Hitze automatisch ausschaltet. Und vier Flachbildschirme mit dem Video der Künstlerin, die sich wie eine Gefangene gegen eine durchsichtige Fläche drückt.

!Mediengruppe Bitnik, Fragmentin, Lauren Huret: In drei Einzelausstellungen stellt das Haus der elektronischen Künste (HeK) Werke der Preisträger der Pax Art Awards 2018 aus, die – als derzeit einzige Preise für Medienkunst hierzulande – erstmals letztes Jahr verliehen wurden und aktuelle künstlerische Auseinandersetzungen über die digitalen Technologien zeigen. Diese Kunst befasse sich mit Themen, die unsere Gesellschaft radikal verändern werden, ist Direktorin Sabine Himmelsbach überzeugt.

«Cryptorave»-Rollenspiel

Es gibt nicht viel zu sehen in der Ausstellung, die wie immer mit lichtlosen Räumen auskommen muss. Die Wände sind oft leer. Nur weniges ist real da, das allermeiste spielt sich auf Bildschirmen und Displays ab, und umso mehr ereignet sich in den Köpfen des Publikums. Auch die Besucher und Besucherinnen werden zu einem wichtigen Teil der Ausstellung: Wer computerisierte Kunstfiguren wie Alexa oder Siri anspricht oder sich in einer Virtual-Reality-Installation nach den Anweisungen bewegt, wird hier durchaus wahrgenommen.

Seit rund 15 Jahren ist die !Mediengruppe Bitnik mit Carmen Weisskopf und Domagoj Smoljo aktiv, die bereits so etwas wie einen Arriviertenstatus geniesst. Ihr neustes Projekt ist ein «Cryptorave», ein Live-Action-Rollenspiel, für das sich registrieren kann, wer seinem Computer erlaubt, nach der anonymen Kryptowährung Monero zu schürfen. Die subversiv-kritischen Arbeiten der Gruppe, die von der Hackerszene inspiriert sind, werfen Fragen auf, die auch schon die Staatsanwaltschaft interessierten. Etwa: Wer ist rechtlich dafür verantwortlich, wenn sich ein programmierter Roboter im Darknet Ecstasy-Pillen besorgt?

Schadstoffe und Selfies

Auch die junge Gruppe Fragmentin aus der Westschweiz erkundet die Grenzen zwischen digitaler und physischer Umgebung und fragt danach, was Technologien im Alltag bewirken. So sammelt ihre Skulptur «The Weather Followers» Umweltdaten wie Wind, Luftschadstoffe, Niederschlag und Sonneneinstrahlung und gibt sie an eine App weiter: Die Selfies der User geraten dann je nach Zustand der Luft heller oder dunkler, Nachrichten werden in die aktuelle Windrichtung verschickt oder Musik spielt im Takt des fallenden Regens.

Auf ihre eigene, politisch motivierte Art zeigt die Genferin Lauren Huret, wie uns die digitalen Medien beeinflussen. Täglich sendet sie Videos zu ihren Recherchen über Algorithmen im Aktienmarkt in den Ausstellungsraum. In einer anderen Arbeit thematisiert sie sogenannte Content-Moderatoren in Manila auf den Philippinen: Menschen, die dafür angestellt sind, anstössiges Bildmaterial aus den sozialen Medien zu löschen – und zum Niedriglohn stundenlang traumatisierende Bilder zu ertragen haben.

 

Schweizer Medienkunst: !Mediengruppe Bitnik, Fragmentin, Lauren Huret – Pax Art Awards 2018 Haus der elektronischen Künste Basel, bis 21. April 2019. Geöffnet Mi–So 12 –18 Uhr, Infos und Begleitprogramm: www.hek.ch