Digitale Laufschrift

Kultige Leuchtreklame am Barfi: Und sie läuft und läuft und läuft

Viel Werbung vom Besitzer- «Stadthof»-Wirt Josef Schüpfer nutzt das kultige Band selbstverständlich auch für seinen eigenen Betrieb.

Viel Werbung vom Besitzer- «Stadthof»-Wirt Josef Schüpfer nutzt das kultige Band selbstverständlich auch für seinen eigenen Betrieb.

Die Leuchtreklame beim Seiler-Haus am Barfi ist längst Kult. Die Einnahmen sind aber auch hier eingebrochen.

Spätestens wenn der Himmel eindunkelt, hat sie ihren grossen Auftritt. Spaziert man von der Steinenvorstadt zum Barfüsserplatz, trinkt in der Rio-Bar ein Bier oder wartet vor dem Stadtcasino auf das Date, gerät sie unweigerlich ins Blickfeld: die Leuchtreklame mit der digitalen Laufschrift auf schwarzem Band. Hoch oben auf dem Haus des Seiler-Juweliers thront sie, seit Jahrzehnten jagen die roten Buchstaben einander. Sie gehören längst zum Stadtbild, und sie wecken bei manchem nostalgische Gefühle. Etwa Erinnerungen an die FCB-Meisterfeier im Jahr 2002, als das Band blinkende rote Herzchen zierten.

Seit nunmehr drei Jahren befindet sich das «Barfiband» im Besitz von Josef Schüpfer, dem ehemaligen Präsidenten des Wirteverbands und Betreiber des «Stadthofs» am Barfi. Damals kaufte er es dem Medienunternehmer Christian Heeb ab, der das Band nach mehrjährigem Stillstand im Jahr 2015 wieder zum Leben erweckt hatte, dann aber ziemlich rasch flüssige Mittel für seine strauchelnde Plattform barfi.ch benötigte. Zu welchem Preis Heeb verkaufte, ist nicht bekannt; Schätzungen reichen bis 250000 Franken. Schüpfer sagt, es sei klar, dass sich die Investition gelohnt habe: «Die Nachfrage nach Anzeigen auf dem Band ist das ganze Jahr hindurch gross.»

Ein bekannter Anwalt mischt beim Band mit

Das mag erstaunen. Wenn man bedenkt, was in der Werbung heute dank Digitalisierung alles möglich ist, kommen die roten laufenden Buchstaben auf schwarzem Grund gar altmodisch daher. Doch Schüpfer betont: Banken, Bauunternehmen und viele weitere Firmen gehörten zum Kundenstamm der Kultband AG, jener Firma mit Sitz im luzernischen Kriens, die Schüpfer eigens für das Betreiben des Bands im Frühling 2017 gegründet hatte. Im Verwaltungsrat nimmt der Basler Anwalt Jascha Schneider Einsitz.

Schüpfer sagt, nebst Firmen sei das Band nach wie vor auch bei Privaten begehrt, die etwa den Liebsten zum Geburtstag gratulieren – für einen nicht animierten Text kommt man hier ab 150 Franken mit Schüpfer ins Geschäft. «Das Band ist Kult», sagt er nur dazu. Auch er nutzt die Fläche, bewirbt seine «Brötli-Bar» im Erdgeschoss sowie die Pizza, die im «Stadthof» aufgetischt wird. Dazwischen News von Telebasel in grüner Schrift. Der Sender hatte sich vor zwei Jahren für das Bespielen regionaler Inhalte die Exklusivrechte gesichert.

Coronakrise lässt Anzeigen wegbrechen

Doch auch das Leuchtband ist vor Corona nicht gefeit, wie Schüpfer einräumt: «Es geht uns jetzt wie allen im Werbemarkt: Wir leiden unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie. Der Markt ist de facto tot.» Viele Kunden hätten die Anzeigen storniert oder aufgeschoben. Er hoffe nun darauf, dass sich die Lage auf den Herbst hin normalisiere. Ein Verkauf ziehe er nicht in Betracht – «es sei denn, jemand macht mir ein unschlagbares Angebot». Und das wäre nötig, denn die Visibilität der Werbefläche sei unschlagbar. Diese Visibilität ist wohl auch der Hauptgrund, warum das Band noch heute Erfolg hat – mal abgesehen von der Coronakrise. Und warum der betreffende Platz auf dem Dach des Seiler-Hauses bereits seit mehr als hundert Jahren für Werbung und Information genutzt wird.

Damals zierten noch statische Werbebotschaften die Hauswand. Bald wurden diese mittels Glühbirnen in der Nacht sichtbar, und Ende der 1950er-Jahre folgte dann die Sensation, als die Schrift zu laufen begann. Betrieben wurde das Laufband in dieser Zeit von der Familie Seiler, der Besitzerin der Liegenschaft, ehe sie die kleine Fläche am Gebäude verpachtete. Eine kleine Fläche mit grosser Wirkung.

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