Im vorgestern veröffentlichten Jahresbericht 2015 benennt nun die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates (GPK) mit dem Präsidialdepartment und der Abteilung Kultur die angeblich Verantwortlichen für die HMB-Wirren. Gestern nahm Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur, Stellung zu den Vorwürfen.

Herr Bischof, in der Aufarbeitung der Museumsaffäre zielt die GPK direkt auf Sie. Ihnen wird mangelhafte Führung und Kontrolle vorgeworfen. Wie reagieren Sie?

Philippe Bischof: Politik funktioniert so, dass man am Schluss einen Verantwortlichen und Schuldigen definieren muss. Ob das gerecht ist? Die Situation ist komplex und die Verantwortung verteilt. Als Leiter der Abteilung Kultur übernehme ich aber selbstverständlich die Verantwortung für die Aufklärung der Vorgänge und für die Einführung und Umsetzung der notwendigen Führungs-und Controlling-Massnahmen.

Die GPK spielt aber schon auf den Mann, also auf Sie.

Was gegen meine Person geht, möchte ich nicht kommentieren. Ich will nach vorne schauen. Für mich ist es wichtig, den GPK-Bericht ernst zu nehmen, die Empfehlungen zu verarbeiten und dann die Instrumente zu etablieren, die künftig, wo nötig, unser Controlling verstärken. Sodass wir zeigen können, dass die Basler Museen korrekt geführt werden.

Werden Sie aus der HMB-Affäre persönliche Konsequenzen ziehen?

Ich werde meine Arbeit weiter machen. Wir werden alle notwendigen Kontroll- und Führungsmassnahmen ergreifen.

Die Geschäftsprüfungskommission kritisiert konkret einen «Laisser-faire-Stil» in der Führung der Museen. Ihre liberale Auslegung des Museumsgesetzes habe dazu beigetragen, dass die Misswirtschaft nicht früher aufgedeckt worden sei.

«Laisser-faire» ist unangebracht. Die Tertialberichte zu den Hochrechnungen bieten eine regelmässige Budgetkontrolle. Die Museen haben klare Weisungen, wie sie mit finanziellen und personellen Fragen umgehen müssen. Die Museen geniessen aber laut kantonalem Museumsgesetz auch gewisse Freiheiten, weil sie über Jahre hinweg planen und budgetieren müssen, um Sonderausstellungen zu organisieren. Zentral ist für uns die Frage, wie wir künftig früher Risiken erkennen können. Wie kann man eine Krise entdecken? Dafür müssen wir in der Tat das Controlling ausbauen und verfeinern.

Wie wollen Sie das tun?

Zusätzlich zu den Tertialberichten der Museen im April, August und November werden wir einen «Jour Fixe» einführen. Damit wird eine standardisierte Berichterstattung über organisatorische, personelle, inhaltliche und finanzielle Fragen etabliert. Ich bin überzeugt, dass dies reicht. Trotzdem werden wir das interne Controlling der Museen verstärken, vor allem was die Projektplanung und die Umsetzung von Ausstellungen betrifft. Beim HMB war ja das Hauptproblem, dass zu wenig Drittmittel reinkamen und mehr ausgegeben statt eingenommen wurde.

Ab wann gilt das neue Regime?

Wir werden damit im Herbst beginnen. Es gilt, konsequent zu kontrollieren bei gleichzeitigem Erhalt der notwendigen unternehmerischen Freiräume. Wir werden zudem die Widersprüche, Unschärfen und Grauzonen aus dem Museumsgesetz ebenso genau anschauen wie die Zuständigkeiten und die Verantwortungsbereiche der diversen Gremien rund um die Museen.

Eine der Grauzonen ist ja genau der Gegensatz zwischen Selbstständigkeit der Museen und ihrem Status als kantonale Dienststellen.

Es ist das Museumsgesetz, das finanzielle, organisatorische und inhaltliche Selbstständigkeit vorsieht. Diese Freiheit wird von uns respektiert, bedingt aber entsprechende Kontroll- und Steuerungsmassnahmen.

Das erfordert aber grosses Vertrauen in die Leiter der Museen?

In der Tat. Wir werden künftig die Eignung von Kandidaten für leitende Museumsposten hinsichtlich Führungsqualitäten besonders genau prüfen. Ich möchte aber keine Misstrauenskultur schaffen. Die Vorkommnisse der Ära Jungblut stellen in der Geschichte der Basler Museen die Ausnahme dar.

Zurück zur Vergangenheitsbewältigung. Die GPK wirft Ihnen in Sachen HMB Vertuschung vor.

Wir haben nichts vertuscht. Der Vorwurf ist falsch. Das Defizit des Historischen Museums Basel wurde im Budgetbericht 2015 ausgewiesen. Im September 2015 involvierten wir die Finanzkontrolle. Im Februar 2016 kam deren Bericht. Wir wollten ihn zuerst in den zuständigen Kommissionen besprechen. Der Bericht sickerte dann aber trotz Kommissionsgeheimnis durch. Darauf reagierten wir. Rückblickend hätten wir früher proaktiv öffentlich informieren sollen.