Mit dem berühmten Isenheimer Altar, den Matthias Grünewald von 1512 bis 1516 fertig stellte, beheimatet das Colmarer Unterlinden-Museum einen der kulturellen Schätze der Oberrheinregion, wenn nicht gar Europas. Seit Mai 2012 wird es restauriert und renoviert und erhält einen modernen Erweiterungsbau, der die Ausstellungsfläche auf knapp 8000 Quadratmeter gegenüber heute fast verdoppelt. Mit dem anspruchsvollen Projekt wurde das renommierte Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron betraut.

1,2 Millionen Franken aus Basel

Die Société Schongauer, die seit 1853 für das Museum verantwortlich ist, hat es sich zum Ziel gesetzt, für das Vorhaben 3,5 Millionen Euro von Mäzenen einzuwerben. «2,8 Millionen Euro haben wir bereits zusammen, darunter sogar Geld aus den USA. Das zeigt die internationale Bedeutung des Museums und freut uns sehr», sagt Thierry Cahn, Vizepräsident der Société Schongauer.

Immerhin 1,2 Millionen Franken kommen vom «Basler Freundeskreis des Museums Unterlinden in Colmar», der beim Bekanntwerden der Erweiterungspläne gegründet wurde. Wirklich überrascht ist Thierry Cahn nicht vom Erfolg der Sammlung. «Es zeigt die Bedeutung des Museums für die ganze Region.» Das Schweizer Geld, das die Gründer bei ihren Bekannten gesammelt haben, soll vor allem für die Renovierung der Kapelle verwendet werden, in der der Altar ausgestellt wird. Verantwortlich dafür ist der Denkmalschutz.

Ursprünglich sollte das neu gestaltete Museum bereits Ende 2013 eröffnet werden. Der Termin musste mehrmals verschoben werden und liegt jetzt, allem Anschein nach endgültig, auf dem 12. Dezember 2015. Cahn macht administrative und technische Schwierigkeiten für die Verspätung verantwortlich. «Es ist ein grosses und kompliziertes Projekt, das ausgeschrieben werden musste und bei dem Denkmalschutz und Staat mitwirken.» Ausserdem gab es Probleme mit Überschwemmungen sowie dem Estrich.

Nicht eingehalten wurde auch das Budget. Waren auf der Medienkonferenz im April 2011, als das Vorhaben vorgestellt wurde, noch Kosten von 28,5 Millionen Euro kommuniziert worden, liegt der Betrag heute bei 42 Millionen Euro. Thierry Cahn führt dies darauf zurück, dass die Aussenarbeiten, die heute ebenfalls zum Projekt gehören, damals nicht mit eingerechnet wurden. Anders tönt es in einem Beitrag der Tageszeitung «L'Alsace», die kürzlich Budgetüberschreitungen von sechs Millionen Euro nannte. Herzog & de Meuron wollten sich weder zur Verzögerung noch zum Budget äussern und verwiesen dafür an den Bauherrn.

Neben den erwähnten Spenden und einem weiteren Beitrag der Société Schongauer in Höhe von 1,2 Millionen Euro wird der Erweiterungsbau mit öffentlichen Geldern von Staat, Region, Departement und Stadt finanziert. Colmar, das schon heute von drei Millionen Touristen im Jahr besucht wird, erhofft sich durch das Projekt eine weitere Stärkung seines touristischen Angebots. Die Zahl der derzeit jährlich 185'000 Museumsbesucher soll verdoppelt werden.

Das Kloster stammt von 1269

Das bestehende, renovierte und neu gestaltete alte Museumsgebäude, ein Kloster von 1269, wird durch einen unterirdischen Gang aus drei Ausstellungsräumen mit einem dreigeschossigen Neubau verbunden. Letzterer wird aus Ziegeln gebaut und erhält ein Dach aus Kupfer. Vom ersten Stock gelangt man in das Colmarer Bad von 1906, das künftig für Veranstaltungen und Tourismusbüro genutzt wird. Zwischen dem neuen und dem alten Gebäude versorgt ein pyramidenähnliches Häuschen durch eine grosse gläserne Fensterfront den unterirdischen Gang mit Tageslicht. Im Aussenbereich werden zwei Plätze neu gestaltet und ein bisher verdeckter Kanal wieder geöffnet.

Durch den Erweiterungsbau kann die Société Schongauer endlich auch modernere Werke zeigen, die sie ab Ende der sechziger Jahre gesammelt hatte, für die es im Museum aber keinen Platz gab. Ausserdem hat sie grosse Schenkungen von Malern wie Dubuffet, De Staël oder Joe Downing erhalten. Im Erweiterungsbau wird auf zwei Etagen moderne und zeitgenössische Kunst gezeigt, eine ermöglicht temporäre Sonderausstellungen.

Als erste Sonderausstellung wird Herzog & de Meuron seine Arbeit für den Erweiterungsbau präsentieren.