Theater Basel

Kulturexperten finden: Das Theater muss auf die Leute zugehen

(von links:) Carena Schlewitt, künstlerische Leiterin Kaserne Basel, Frank Baumbauer, ehem. Intendant des Theaters Basel, Dieter Kohler (SRF-Moderator), Viola Hasselberg, Schauspieldirektorin am Theater Freiburg, Philippe Bischof Leiter Abteilung-Kultur BS.

Stadtgespräch zum Theater Basel

(von links:) Carena Schlewitt, künstlerische Leiterin Kaserne Basel, Frank Baumbauer, ehem. Intendant des Theaters Basel, Dieter Kohler (SRF-Moderator), Viola Hasselberg, Schauspieldirektorin am Theater Freiburg, Philippe Bischof Leiter Abteilung-Kultur BS.

Bei einem Podiumsgespräch im Hotel Trois Rois diskutierten Experten über die Zukunft des Theaters Basel. Wenn die Leute nicht ins Theater gehen, muss das Theater zu den Leuten, sagen die vier Profis.

Stargast am «Stadtgespräch» über die Zukunft des Theaters Basel am Montagabend war Frank Baumbauer, von 1988 bis 1993 selber Intendant an ebendiesem Haus – «im letzten Jahrhundert», wie er sagte. Es lag ihm fern, altväterlich die Neuen am Theaterruder dieses Jahrhunderts konkret zu kritisieren. Auch die weiteren drei Podiumsgäste – Carena Schlewitt, künstlerische Leiterin des Theaters Kaserne, Viola Hasselberg, Schauspieldirektorin am Theater Freiburg, sowie Philippe Bischof, Leiter der Abteilung Kultur des Kantons Basel-Stadt – hätten sich im vollen Saal des Hotels Trois Rois schwerlich zu kritischen Äusserungen über Berufskollegen hinreissen lassen.

So konzentrierte sich Moderator Dieter Kohler, Leiter des Regionaljournals Basel, von Anfang an auf die Metaebene: Was macht gutes Theater aus? Und angesichts des absehbaren Abgangs von Georges Delnon vor allem auf die Frage: Wie weiter? Was für einen Theaterdirektor, was für ein Theater braucht die Stadt Basel?

Themen setzen und aufreiben

«Das Theater kann Themen setzen, sich verbinden mit anderen, wichtig werden» sagte Baumbauer. Im Theater seien «die Momente prägend, während derer eine Reibung entsteht zwischen der Erwartung und dem, was passiert», sagt Philippe Bischof.

Das alles wolle ja jedes Theater, jeder Intendant, aber «warum gelingt es den einen und den anderen nicht?», hakte Kohler im Laufe der Debatte zweimal nach.

Allgemeingültige Rezepte gebe es nicht, sagte Schlewitt. Aber die sich ohnehin einigen Theaterexperten waren sich in einem Punkt besonders einig: Das Theater kann nicht mehr darauf warten, dass das Publikum von selbst kommt, es muss raus zu den Leuten und diese aktiv ans Haus binden. Die Stadt signalisiere dem Theater: «Setzt euch in Bewegung, lernt eine Stadtgesellschaft kennen», sagte Schlewitt. Und Bischof riet: «Es ist wichtig, ins Publikum zu schauen, um zu merken, wer nicht da ist.» Dann gelte es Themen zu suchen, die auch die Fehlenden interessierten.

Besonders vorbildlich tut dies der Diskussionsrunde nach Hasselbergs Haus. 30 Prozent der Zuschauer seien mittlerweile Jugendliche, sagte sie. Das geschah nicht zufällig, daran hat das Theater Freiburg hart gearbeitet, mit Geduld und Mut zu «Fremderfahrungen». Mittlerweile sei pro Sparte jemand für die Vermittlung angestellt, fuhr Hasselberg fort: Im besten Fall träfen in einem für alle Gesellschaftsschichten offenen Haus «Wagner-Opern-Liebhaber auf migrantische Jugendliche, die da rumtoben. Genau diese ‹Erotik der Begegnungen› ist eine Riesenchance für ein Stadttheater, das gibt es nicht an so vielen anderen Orten.»

Einen «Streitraum im besten Sinn» nannte es Baumberger, ein «sinnliches Kraftzentrum» Bischof. Damit sich das Theater so stark positionieren kann in der Stadt, brauche es aber «das richtige Rudel» (Baumbauer), das sich «angstfrei« (Hasselberg) «richtig reinschmeisst», aber mit einer «ganz bestimmten Haltung», «mit neuen Erzählweisen», mit einer sich immer wieder verändernden Ästhetik» (Baumberger). Das Theater arbeite an der Gesellschaft, aber es sei kein Sozialarbeiter. An erster Stelle müsse immer die Kunst stehen.

Es braucht jemand Verrücktes

Bischof ist Mitglied der Findungskommission, die derzeit eine neue Intendantin oder einen Intendanten für das Theater Basel sucht. Details, geschweige denn Namen, durfte er nicht verraten. Kohler fragte in die Runde: «Was wäre das Schlimmste, das bei der neuen Besetzung passieren könnte?» Baumbauer antwortete sogleich: «Stadttheater!» Im Sinne, dass jemand kommt und alles schön «ordentlich» nach Sparten getrennt «einteilt und einlocht». «Das muss verrückter, offener, ungewöhnlicher sein.» Anders von Saison zu Saison. Tagesgespräch. «Aber bloss kein normales Stadttheater!»

Mit diesem Schlusswort Baumbauers endete das Podium, aber nicht die Diskussion. Sie geht weiter, so lange es Theater gibt. Sie setzte sich am Montag schon an der Bar des Hotels Trois Rois fort. Nicht planbar seien im Theater die magischen Momente, sagten einige frühere Mitarbeiterinnen Baumbauers. Das ist wie bei der Liebe: Eine Portion unerklärlicher Zauber ist immer dabei.

Das ganze Podium zum Nachhören

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