Summe

Kunst im Sexshop und im Schaufenster – die «Summe» beginnt im Humbug

Atelierspartner und «Summe»-Gründer Chris Hunter und Lysann König.

Atelierspartner und «Summe»-Gründer Chris Hunter und Lysann König.

Heute startet die fünfte Ausgabe der «Summe», eine Ausstellungsserie von nicht-kommerziellen Kunsträumen in Basel.

Sie sind versteckt und teilweise sogar innerhalb der Basler Kunstszene wenig bekannt: sogenannte Offspaces oder Projekträume. Unabhängige Ausstellungsräume, die Kunst zeigen, die es in Museen und Kunsthallen nicht zu sehen gibt. Mit der «Summe», die dieses Jahr zum fünften Mal stattfindet, vereinen sich diese Kunsträume zu einem gemeinsamen Auftritt. Für Kunstschaffende besteht so die Möglichkeit wichtige Kontakte zu knüpfen und Publikum zu teilen. Für Besucher wird Kunst sichtbar, die zu oft zu wenig Aufmerksamkeit erhält.

Till Langschied, der das zweite Mal an der «Summe» ausstellt und erstmals den Ausstellungsraum «Pleasure Zone» organisiert, ist begeistert: «Die unabhängige Basler Kunstszene ist sensationell gut. Dafür, dass Basel nicht riesig ist, ist die Szene extrem vielseitig.» Der in Frankfurt geborene Künstler zeigt im Projektraum «Wurm», ein Video, das er letztes Jahr auf dem Etna gefilmt hat. Die Ausstellungen, die er im Offspace «Pleasure Zone» organisiert, befinden sich in einem Erotikkino eines Sexshops in Basel, wo sich ausserhalb der Ladenöffnungszeiten alles um Kunst dreht.

Die Diversifizierung der unabhängigen Kunstszene

Bei der «Summe» hat vieles Platz. Hier findet Kunst statt, die aus Überzeugung gemacht wird und nicht gewinnorientiert ist – was nicht heissen soll, dass die Kunstschaffenden abgeneigt wären, mit ihrer Kunst Geld zu verdienen. Die Realität sieht nur anders aus. «Die ganzen Fördergelder fliessen in die Räume, und für die Leute selber bleibt nichts übrig. Es ist ein ständiger Kampf», erklärt Lysann König. «Und trotzdem macht man es, weil man davon überzeugt ist und es wichtig ist», ergänzt Chris Hunter. Die beiden Künstler sind ein eingespieltes Team. Sie teilen sich ein Atelier, kochen oft zusammen – und riefen vor fünf Jahren die «Summe» ins Leben, mit dem Künstlerinnen- und Kuratoren-Kollektiv Dr. Kuckucks Labrador.

In den letzten fünf Jahren sei die «Summe» nicht unbedingt gewachsen. Während immer neue Ausstellungsräume dazu stossen, fallen andere weg. Doch: «Die unabhängige Kunstszene wurde diverser», sind sich König und Hunter einig. «Invitro» zum Beispiel, der kleinste Offspace der Stadt Basel, beinhaltet so viel wie ein Schaufenster, das hektische Passanten in der Gerbergasse zum Innehalten verführen will. Das «Dock» wiederum ist ein Hybrid zwischen Treffpunkt, Kunstraum und Archiv. Und im «Weltraum» kommen die Einblicke in Kunst und Kultur meist mit einem Essen, das von den Kunstschaffenden zubereitet wird.

Performance-Marathon mit anschliessender Party

So divers die 25 Orte und Projekte sind, die bei der diesjährigen Ausstellungsserie mitmachen – zusammen stehen sie für ein reiches Kunstschaffen in Basel. Das feiert die «Summe» besonders laut- und ausdrucksstark am Freitag im Humbug, denn zum Auftakt der zweiwöchigen Reihe gibt es hier einen Performance-Marathon mit anschliessender Party.

Die Anlehnung an die Performance Art bei der diesjährigen «Summe» kommt nicht von ungefähr. Zu Gast ist das PANCH, das Performance Art Netzwerk der Schweiz, das nach Zürich, Bern und Luzern nun auch in Basel die Performanceszene bündeln und sichtbar machen möchte. Ihr Programm «Lupe Basel» will die Grenzen zwischen Künstlern und Performern, zwischen Zuschauern und Mitgestaltern verschwinden lassen.

«Performance ist in aller Munde. Künstler verbinden sich heute nicht mehr mit Sparten. Das ist der Zeitgeist», erklärt Co-Organisatorin Chris Regn. Auch in Basel beobachtet sie eine dichte performative Szene. «Das Schöne ist, Performance kann alles sein. Und das Performative liegt sowieso im Wesen der Kunst», so Regn.

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