Sie ist wie eine kleine Oase an der Muba. Hinter Whirlpools und vollautomatischen Dusch-WCs, die einem den Allerwertesten mit Wasser abspülen sollen, befindet sich die Sonderausstellung des Gastlands Marokko in der Halle zwei. Der sonst graue Teppich wurde dort durch einen beigen ersetzt, der an den sandigen Boden im nordafrikanischen Land erinnert. Verzierte Teegläser, marokkanische Kosmetikartikel, Lederjacken von Schwarz bis Giftgrün oder gemusterte Teppiche: Die kleinen Stände buhlen mit unterschiedlichsten Angeboten um die Aufmerksamkeit der Messebesucher.

«Ein Talisman als Souvenir»

Filigrane goldene Lampen hängen über verzierten Schalen und Töpfen. Ein Spiegel mit einem schwarz-goldenen Rahmen lehnt gegen die Ausstellungswand. Daneben sitzt er auf dem Boden, in weisser Hose und hellblauer Tunika. Mit Händen und Füssen betätigt der Marokkaner eine alte hölzerne Drechselmaschine. Unbeirrt von der Gruppe von Menschen, die sich um ihn versammelt hat, formt er aus kleinen Holzblöcken kleine Schachfiguren und Talismane. Er hält inne, bindet die Figur, den er gerade fertiggestellt hat, an eine Schnur und hält ihn einer älteren Frau entgegen. «Ein Talisman als Souvenir», sagt er und lächelt. «Ich arbeite schon seit dreissig Jahren mit der traditionellen Drechselmaschine», sagt Dennouch Mostaffa in gebrochenem Englisch. Zum vierten Mal zeige er nun sein Handwerk vor Schweizer Publikum. Dieses ist sichtlich fasziniert von der alten Technik. «Lueg, de macht das mit em Zeche», ruft eine Frau beim Vorbeigehen und zieht ihren Mann, der schon einen Stand mit Henna-Produkten ansteuerte, am Arm zurück.

Der Verkäufer hinter dem Henna-Stand, auf dessen Tresen sich neben den Dosen mit Henna-Pulver schwarze Seifen und Flaschen mit Argan-Öl aneinanderreihen, preist seine Ware in schon fast marokkanischer Manier einer Kundin an. «Argan-Öl und Ton für Masken verkaufen wir hier besonders gut», sagt Younes Lahlou. Auffällig sei in der Schweiz, dass die Kunden die marokkanischen Produkte, die er anbietet, oft nicht kennen. «Das ist in Frankreich und Italien ganz anders. Wenn ich von Argan-Öl rede, kennt dort der Kunde dieses Produkt.» Und noch was ist dem Marokkaner an seinen Kunden aus der Schweiz aufgefallen: «Schweizer bevorzugen Öle, die zusätzlich Parfum enthalten.»

Mode verflechtet Kulturen

An zwei Kleiderstangen reihen sich weite Hosen, farbige Kleider und lange Strickjacken. Eine Frau steht davor, graue Pluderhosen umspielen ihre schlanken Beine, zwischen ihren braunen Locken lugen ein lange Rastasträhnen hervor. «Hier in der Schweiz gibt es viele alte Leute, die Stil haben und meine Arbeit lieben», sagt die Designerin Salima Abdel-Wahab, deren Kollektion an Modeschauen in der Muba vorgeführt wird. Sie habe schon viele Kleidungsstücke verkauft, sagt die Designerin stolz. «Die Leute sind sehr offen für meine Kollektion.» Dann wird sie nachdenklich. «In dieser Zeit des Krieges braucht es eine Frau, die die Freiheit von Marokko repräsentiert», sagt sie. Als Designerin will Abdel-Wahab die Kulturen verflechten. Eine Frau stöbert durch die Kollektion, begutachtet immer wieder ein Kleidungsstück näher. Abdel-Wahu geht auf sie zu, bietet der Frau ihre Hilfe an und lächelt.

Die Muba dauert bis zum 15. Februar. www.muba.ch