Oslo Nights

Kunst muss nicht unbequem sein

Während der achten Oslo Night auf dem Dreispitz-Areal stehen und liegen auch die Besucher im Rampenlicht.

Obwohl das Kunstfestival rund um die Oslo-Strasse dieses Jahr unter dem Motto des Lichts steht, machen die Organisatoren ihr künstlerisches Angebot morgen nicht nur visuell interessant. Kunst kann manchmal nämlich sehr bequem sein – aber eben auch unangenehm.

Das Dreispitz-Areal entwickelte sich in den vergangenen Jahren zu einem Kultur-Ballungszentrum. 2012 ergriff das Haus der elektronischen Künste Basel (HeK) die Chance und gründete die Oslo Night: «Die Kulturschaffenden auf dem Dreispitz-Areal haben sich zusammengeschlossen, um die künstlerische Vielfalt gebündelt nach aussen tragen zu können», sagt HeK-Mediensprecherin Elena Kuznik.

Bei der diesjährigen Ausgabe erwarten die Organisatoren nun knapp 4000 Besucher und Kuznik zeigt sich mehr als zufrieden: «Es ist toll, dass sich die Oslo Night in Basel einen Namen gemacht hat und zum fixen Programmpunkt im Kulturkalender wurde.»

Eine Nacht für Kunst-Besessene

Das Lichterfestival startet um 16 Uhr, die letzten Laserstrahlen durchleuchten die Dunkelheit aber noch bis frühmorgens im Nachtclub Elysia. Ein grosses Highlight ist die Installation «7062 lines» des Österreichers Dawid Liftinger. Bereits am Ars Electronica zog er mit seinem Ensemble aus verschiedensten Farben und einfachen, den Raum durchwandernden Formen das Publikum in Bann. Für einmal durften die Kunstbesessenen selbst die Kunst besitzen.

Weniger bequem ist hingegen das Werk «Track Tracy» des belgischen Künstlerduos «Daems van Remoortere». Die Idee ist simpel: Auf dem höchsten Gebäude des HeK-Komplexes thronen zwei grosse Lichtstrahler, denen künstliche Intelligenz eingehaucht wurde. Sich selbst steuernd suchen die Scheinwerfer ihre Protagonisten (oder Opfer) eigenständig aus. Diese werden somit unmittelbar vom anonymen Besucher zur Hauptfigur des Kunstwerks befördert. Die Installation spielt mit der Gratwanderung zwischen den menschlichen Bedürfnissen nach Beachtung und Aufmerksamkeit einerseits und der Angst, unter Beobachtung zu stehen, andererseits.

Eintauchen in eine visionäre Utopiewelt

Eine Premiere wird im Ausstellungsraum des HeK gefeiert. Der Londoner Lawrence Lek präsentiert dort mit «Farsight Freeport» zum ersten Mal eine Einzelausstellung in der Schweiz. Mithilfe von Virtual-Reality-Brillen, Computer-Games und Videoinstallationen tauchen die Besucher in eine visionäre Utopiewelt ein. Das Szenario spielt sich im Jahre 2065 ab. Die künstliche Intelligenz hat die Vormachtstellung von Fleisch und Blut abgelöst, gesellschaftliche, industrielle und ökonomische Lebensbereiche werden ausschliesslich von Maschinen geführt und dominiert.

Trotz allem Komfort, der die maschinelle und digitale Aufrüstung dem Menschen beschert, ist es nicht nur eine bequeme Vorstellung: Was, wenn alles ausser Kontrolle gerät, wenn sich die menschliche Spezies plötzlich nicht mehr an der Spitze der Nahrungspyramide sieht? Leks Zukunftsszenario spielt mit tief wurzelnden Urängsten des Menschen.

Internet einkaufen auf dem Yami-Ichi

Eine kleine Kuriosität gibt es ab 16 Uhr auf der HeK-Plattform zu sehen: Das Haus der elektronischen Künste lädt zum Yami-Ichi, ein Flohmarkt, bei dem sich alles ums Thema Internet dreht. Am aus Japan stammenden Phänomen des Yami-Ichi wird mit Dingen gehandelt, welche man normalerweise aus dem Internt kennt. So zum Beispiel ausgeschnittene Wikipedia-Artikel.

Jene, die sich auch selber künstlerisch betätigen wollen, sind in der«Algorithmic Mandala Lounge» am richtigen Ort. Dort können aus geometrischen Formen Mandalas programmiert werden, die der Plotter dann ausdruckt. Vorkenntnisse sind keine nötig.

 

Samstag, 21. September 2019
Rund um die Oslostrasse auf dem Dreispitz-Areal, ab 16 Uhr, Eintritt frei
www.oslonight.ch

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