Das Gartenbad Eglisee lässt jeden Herbst das Wasser ab und holt das Kunsteisfeld aus dem Lager. Im Frühling machen dessen 2000 Tonnen Material denselben Weg rückwärts - mit Auf- und Abbaukosten von 200'000 Franken im Jahr. Jetzt zwingt der Grundwasser- und Gesundheitsschutz zur Sanierung: Die Ammoniak-Kühlanlage aus den 60er-Jahren muss bis 2015 weg.

Bloss eine neue mobile Anlage mit erlaubter Kühlflüssigkeit zu kaufen, überzeugte Eric Hardman, Leiter Sportanlagen im Sportamt Basel-Stadt, angesichts des Aufwandes nicht. Er erfand eine Anlage, deren Rohre unter die Naturrasen-Liegewiese verlegt werden, das «Rasen-Energie-Gitter». Ein Testfeld wurde 2011 gebaut.

Alpen-Gras für Stadt-Eisfeld

Nach rund vier Monaten Eisbetrieb ist Anfang März das Feld aufgetaut worden. Unter der Folie hat der durchgefrorene Rasen überlebt - unterschiedlich gut, waren doch die 12 auf 18 Meter Testfläche in 48 Kombinationsvarianten aufgeteilt mit unterschiedlichen Rasensorten, Durchflussmengen, Rohrdicken und Trägerschichten.

Am besten sieht nun eine Rasensamen-Mischung mit alpinen Sorten aus, wie Hardman zur Nachrichtenagentur sda sagte. Ein Feld davon, im Frühjahr etwas nachgesät, könnte jeweils Anfang Mai in sattem Grün wieder bereit sein, schätzt er. Der schnellere Auf- und Abbau des Rasen-Eisfelds verlängere die Eis- und auch die Badesaison gegenüber der bisherigen Badibecken-Konstruktion um je zwei Wochen.

Während der Badesaison liegen die mit Glykol als Medium gefüllten Rasen-Rohre künftig nicht brach: Sie sollen helfen, das Becken aufzuheizen. Messungen heuer sollen zeigen, ob das bisher ungeheizte Eglisee schon bei der Saisoneröffnung mit 22 Grad warmem Wasser zum Bade locken kann.

Als Wärmekollektor anderswo denkbar

Wenn alles klappt und die Kredite bewilligt werden, möchte Hardman insgesamt 4000 m2 Rasen-Energie-Gitter im Eglisee verlegen. Diese Fläche entspricht zwei Eishockeyfeldern, muss aber nicht mehr rechteckig sein, sondern kann spielerischer in die Badi integriert werden. Der Liegekomfort leide übrigens nicht unter dem Gitter.

Die Sonnen-Wärme-Gewinnung mit dem Rasengitter wird überdies noch auf einem Flachdach ausprobiert, dort indes nicht voll überwachsen, sondern mit Pflanzen-Streifen zwischen den Rohr-Flächen. Auch dabei werden Varianten getestet: mit und ohne Wärmepumpe. Letztere läuft durchgehend und nutzt schon geringe Temperaturdifferenzen.

Rentiert diese 50 m2-Dach-Versuchs-Anlage, könnte man die Energie- Gitter auch in nach Süden ausgerichteten Böschungen verbauen, etwa entlang von Autobahnen oder Bahnstrecken. Partner bei diesem Teilprojekt ist die Fenaco AG, zu der die Landi-Läden gehören.

Patentschutz und Fachhochschul-Begleitung

Für die Datenanalyse wurde nun die Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) eingespannt. Anders als das Sportamt kann diese auch Spinoffs zur Vermarktung gründen. Das Patent auf das Energie-Rasen-Gitter samt diversen Anwendungen soll bei Hardman und dem Sportamt bleiben. Konkrete Anfragen seien schon eingegangen.

Das Interesse liegt auf der Hand: Das Rasen-Energie-Gitter erlaubt nicht nur Doppelnutzungen ohne Einschränkungen, sondern ist auch günstig: Hardman schätzt die Kosten für sein System auf rund 30 Fr. pro m2 plus Maschinerie; normale thermische Solaranlagen kosteten etwa das Zehnfache und Photovoltaik-Anlagen das Dreissigfache.

Das baselstädtische Amt für Umwelt und Energie (AUE) unterstützt im Übrigen das Rasen-Energie-Gitter-Pilotprojekt nicht mit Fördergeldern: Gartenbad-Becken dürfen im Stadtkanton nach Gesetz strikt nur mit erneuerbarer Energie beheizt werden; Wärmepumpen laufen aber mit Strom, wenn auch wenig.