Kunstmuseum
Kunstexperte: «Man kann nicht einfach das Museum ein Jahr schliessen»

Das Basler Kunstmuseum soll wegen Sanierungsarbeiten für ein Jahr geschlossen werden. Dem Kulturveranstalter Klaus Littmann ist das ein Dorn im Auge. Er schlägt Alternativen zur Schliessung vor.

Nicolas Drechsler
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Klaus Littmann plädiert für unkomplizierte Lösungen zur Behebung der Schliessungsmisere.

Klaus Littmann plädiert für unkomplizierte Lösungen zur Behebung der Schliessungsmisere.

Keystone

Zur Person

Seit Klaus Littmann 1986 seine Galerie an der Bäumleingasse dicht machte, ist der Kulturvermittler und Kunstexperte in seiner Heimatstadt mit zahllosen Ausstellungen und kulturellen Interventionen im öffentlichen Raum aufgefallen - die spektakulärste davon war zweifellos «engel», die 2002 errichtete 25 Quadratmeter grosse temporäre Wohnstube auf dem Münster des japanischen Künstlers Tazro Niscino. Der frühere Lehrer an der Kunstgewerbeschule erhielt 2002 den Kulturpreis der Stadt Basel.

Klaus Littmann, das Basler Kunstmuseum ein Jahr zu schliessen, ist das der einzige gangbare Weg?

Klaus Littmann: Nein, das will ich nicht hoffen. Man kann nicht einfach das Museum ein Jahr schliessen. Die Verantwortlichen hätten wesentlich früher reagieren müssen, beziehungsweise der Kulturminister Guy Morin hätte zum Beispiel die Basler Museumsdirektoren frühzeitig an einen Tisch berufen müssen.

Die Direktoren der anderen Museen?

Ja, das wäre unter Umständen ein gangbarer Weg, die Werke nicht nur zugänglich zu erhalten, sondern mit Leihgaben in den jeweiligen Häusern für das Publikum inhaltlich und damit neue Bezüge herzustellen: Man stellt also gewisse Leihgaben des Kunstmuseums in einen erweiterten Kontext, zum Beispiel zum Naturhistorischen Museum, dem Antiken- oder Historischen Museum. Eigentlich ist es in jedem unserer Museen denkbar, ob jüdisches Museum oder Pharmamuseum, einen Bezug zwischen der dortigen Sammlung und den eigenen Schätzen des Kunstmuseums herzustellen.

Sie sagen, das wäre ein gangbarer Weg: warum?

Weil wir uns hier in einem geografisch engen Radius bewegen. Das sollte die konservatorischen Bedenken ausräumen. Die Bilder müssen nicht über grosse Distanzen transportiert werden und stehen unter fachkundiger Aufsicht in unmittelbarerer Nähe des Kunstmuseums und seiner Kuratoren. Die klimatischen und die erforderlichen Lichtverhältnisse sowie die Sicherheitsbedingungen können am ehesten in diesen «Partnerhäusern» gewährleistet werden.

Das würde auch für die Voltahalle gelten, die der Präsident der Kulturkommission Oswald Inglin als Ausstellungsort vorschlägt?

Das ist eine gänzlich absurde Idee. Das geht nicht. Sowohl aus klimatischen als auch aus sicherheitstechnischen und konservatorischen Überlegungen kann man hier nicht Werke von Weltbedeutung ausstellen.

Sehen Sie weitere Möglichkeiten für Ausstellungen?

Ja, natürlich. Es gibt Werke wie «Der Leichnam Christi im Grabe» von Hans Holbein, die für sich alleine eine unglaubliche Wirkung entfalten. Menschen reisen extra nach Basel, um nur dieses eine Bild zu sehen. Das kann und darf man nicht 13 Monate lang wegschliessen. Aber man könnte es loslösen, und an einem geeigneten Ort eine regelrechte «Pilgerstätte» schaffen. Ein Meisterwerk, eingebettet in die Geschichten, die es über das Werk zu erzählen gibt. Das wäre sehr spannend.

Was halten Sie von der Idee, Werke des Kunstmuseums in internationalen Häusern auszustellen?

Die Idee ist gut. Ich könnte mir vorstellen, dass man eine Schau zusammenstellt, unter einem bestimmten Titel oder einem bestimmten Thema, und diese wichtigen Häusern anbietet. Das würde die Aufmerksamkeit auch auf Basel lenken. Die Werke blieben somit öffentlich zugänglich und möglicherweise würde dies auch in Zukunft die Leihgabenpolitik für Basel erleichtern oder zumindest positiv beeinflussen.

Sind das realistische Ideen?

Ja, das denke ich, auch wenn ich die internen Abläufe in den Museen nicht im Detail kenne. Wenn man den Aufwand und die Arbeit nicht scheut, sollte einiges möglich sein. Auch wenn nun recht kurzfristig geplant werden muss. Die Sammlung des Kunstmuseums enthält Werke von Weltbedeutung, die man entsprechend behandeln muss, das ist klar. Aber es ist nicht unmöglich, sie fachgerecht zu transportieren und an anderen Orten den Menschen zugänglich zu machen, statt sie ein Jahr lang wegzusperren.