Kunstmesse
Photo Basel: Eine Erfolgsstory, direkt aus der Dunkelkammer

Die Photo Basel hat sich in Windeseile als ernst zu nehmender Satellit der Kunstmesse Art etabliert. Ihre Qualität war noch nie so hoch wie in diesem Jahr.

Patrick Marcolli
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Pionier der konkreten Fotografie: Roger Humbert ("Untitled").

Pionier der konkreten Fotografie: Roger Humbert ("Untitled").

zVg/Fabian & Claude Walter Galerie

Es gehört zu den erstaunlichen Phänomenen, dass sich eine relativ junge Messe als Satellit der grossen Art Basel so rasch etablieren kann. Die Photo Basel hat sich in der kurzen Zeit ihrer Existenz jedenfalls schnell einen Namen gemacht. Initiator Sven Eisenhut ist dieses Kunststück gelungen. Der Erfolg liegt dabei nicht nur in der Zahl der Besucherinnen und Besucher, sie mussten am Montag zur VIP-Vernissage lange Schlange stehen, sondern eben auch in einem jährlich zu beobachtenden qualitativen Sprung.

Polizeifotografie, die längst Kunst geworden ist

In den ersten Ausgaben fand man hie und da noch Galerien mit Werken, die dem Kunstanspruch nicht wirklich genügen konnten und eher unter die Kategorie Edelkitsch fielen. Das ist spätestens seit diesem Jahr Vergangenheit. Nicht zuletzt liegt dies an Werken von Schweizer und gar in der Region Basel beheimateten Künstlerinnen und Künstlern.

Als Hommage an den kürzlich verstorbenen Polizeifotografen aus Stans, Arnold Odermatt, zeigt die Photo Basel einige seiner Bilder aus den Sechzigern und Siebzigern, die längst zu Ikonen jener Art von Fotografie geworden sind, die sich von professioneller Gebrauchsfotografie hin zu künstlerischer Fotografie entwickelt haben. Odermatts Bilder von Unfällen und der täglichen Polizeiarbeit vermögen auch noch Jahre nach dem Odermatt-Boom in der Weltfotografie zu begeistern.

Ein Pionier aus Allschwil

Weniger bekannt und deshalb umso spannender sind die Bilder des in Basel wohnhaften Fotografen Roger Humbert. Der mittlerweile 91-Jährige ist in Kennerkreisen längst eine Grösse, ein Pionier der so genannten konkreten Fotografie. So hat sich auch die Fotostiftung in Winterthur, das offizielle Pantheon dieses Kunstschaffens im Land, bereits wichtige Werke von ihm gesichert. Die Galerie Fabian & Claude Walter zeigt an der Photo Basel Fotogramme von Humbert aus den sechziger Jahren, zeigt aber auch seine Entwicklung bis hin zum Experiment mit digitaler Fotografie.

Der Kunst- und Medienwissenschaftler Bernd Stiegler verglich vor einigen Jahren die Arbeit Roger Humberts mit jener eines Naturwissenschaftlers. «Im Labor unternahm Humbert nämlich naturwissenschaftliche Experimente mit der Fotografie und versuchte mit der Verwendung von Schablonen, Rastern und Lochkarten herauszufinden, was es bedeutet, das Licht fotografisch festzuhalten.» An der Photo Basel nun lässt sich, ob schwarzweiss oder in Farbe, das Ergebnis dieser Experimente bestaunen - und natürlich kaufen: Es sind betörende, fein strukturierte und durchkomponierte Fotografien, die auch Jahrzehnte nach ihrer Entstehung und im Zeitalter von digitalen Spielereien nichts von ihrer Faszination eingebüsst haben. Im Gegenteil.

In einer ganz anderen Richtung arbeitet die in Österreich geborene und in Füllinsdorf wohnhafte Iris Hutegger. An der Photo Basel wird sie vertreten durch die Galerie Esther Woerdehoff. Huteggers grossformatige analoge Farbfotografien haben einen verblüffenden Effekt: Sie zeigen karge, grau-weisse Landschaften, die wie von fein gefärbten Pflanzen, Heidekraut oder ähnlichem, überdeckt scheinen. Erst aus der Nähe entpuppen sich diese als feine Stickereien mit verschiedenfarbigen Fäden.

Die Photo Basel beschränkt sich selbstverständlich nicht nur auf heimisches oder schweizerisches Schaffen, sondern begibt sich auf einen «tour d’horizon», sowohl geografisch wie stilistisch. Klug verfremdete Gletscherbilder aus dem hohen Norden wechseln sich ab mit verspielt-pornografischer Kunst aus Japan oder eindrücklichen Reportagefotografie aus Afrika. Eine Augenweide.

Photo Basel. Noch bis am 26. September im Volkshaus.

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