Der eben erschienene Jahresbericht des Kunstmuseums Basel verzeichnet unter der Rubrik «Deposita», also Leihgaben, folgende beiden Ausgänge: «Je ein Gemälde von Edouard Manet und Claude Monet aus der Dr. h.c. Emile Dreyfus-Stiftung hat unsere Sammlung verlassen.» «La grande Bleue à Antibes» von Claude Monet und «Amazone de profil» von Edouard Manet werden in Zukunft in der Sammlung fehlen, weitere Werke der Stiftung bleiben vorerst im Museum. Dies berichtete die «Tageswoche» online.

Der Anwalt Conrad Haab erklärt als Vertreter der Emile-Dreyfus-Stiftung auf Anfrage der bz, es sehe nicht danach aus, dass die Stiftung weitere Werke abziehen werde. Versprechen könne er es allerdings nicht. Die Stiftung habe die Werke dem Museum nicht zum Verkauf angeboten, diese habe der Stiftung aber auch kein Kaufangebot unterbreitet. Eine Aussage, die Kunstmuseums-Vizedirektorin Nina Zimmer nicht kommentiert. Nach dem Abzug der Impressionisten der Sammlung Staechelin ist dies ein weiterer Verlust für die hochkarätige Impressionisten-Galerie des Museums. Grund zur Panik besteht aber nicht.

Andere Schwerpunkte setzen

Nina Zimmer sieht im Abzug auch eine Chance, wie sie gegenüber der bz betont: «Die Verluste im Bereich der französischen Kunst des ausgehenden 19. Jahrhunderts sehen wir gleichzeitig auch als Chance, um zur Neueröffnung des sanierten Hauptbaus 2016 mit vielleicht noch weniger bekannten Beständen aus unserer grossartigen Sammlung zu arbeiten, und in diesem Bereich etwas andere Schwerpunkte zu setzen.» Conrad Haab sagt demgegenüber: «Die Museen glauben fälschlicherweise, die ihnen anvertrauten Werke seien in ihrem Besitz.»

Dass dies nicht so ist, ist im Museum längst angekommen und im Jahresbericht heisst es zur neuen Praxis folgendes: «Anlässlich der Klausurtagung vom 24. September 2014 befasste sich die Kunstkommission eingehend mit der Praxis der Öffentlichen Kunstsammlung Basel zu Dauerleihgaben. Sie hat dazu, im Einklang mit der Politik anderer bedeutender Museen in Europa und in den USA, den Beschluss gefasst, inskünftig Dauerleihgaben in der Regel bei Vorliegen eines ‹promised gift› anzunehmen.» Eine solche Reaktion war absehbar, sie garantiert den Museen auch in Zukunft hochkarätigen Zuwachs und weniger Risiko vor unvorhersehbarem Abzug. Abgesehen vom Spezialpreis der beiden Picasso-Bilder 1967 hat das Kunstmuseum von der Sammlung Staechelin nie ein Geschenk erhalten. Vielleicht mit ein Grund, dass jetzt die Reissleine gezogen worden ist.

Allen Unkenrufen zum Trotz ist beim Kunstmuseum Basel keine Abwärtsspirale bei den Abzügen auszumachen. Wie der Basler Regierungsrat diese Woche in einer Medienmitteilung verkündete, sollen dem Kunstmuseum die Werke der Sammlung der Dr. Johann Jakob Bachofen-Burckhardt-Stiftung vermacht werden. Viele der Werke der Stiftung, Gemälde von Albert Anker, Jan van Goyen, Hans Memling, Jacob van Ruisdael und Konrad Witz’ «Joachim und Anna an der Goldenen Pforte», das momentan in der Ausstellung «Holbein. Cranach. Grünewald.» gezeigt wird, befinden sich seit Jahren als Deposita im Museum und sollen definitiv in dessen Besitz übergehen.

Immer wieder Neuzugänge

Überhaupt verzeichnet das Basler Kunstmuseum immer wieder bedeutende Neuzugänge, wie die Schenkung von Gerhard Richters «Verkündigung nach Tizian», sowie weitere Schenkungen von Werken von Douglas Gordon, Charles Ray, Günther Förg, Alighiero Boetti, Marcel Broodthaers 2014 belegen. Auch das Kupferstichkabinett verzeichnete im letzten Jahr rund hundert Schenkungen, darunter Werke von Barnett Newman, A.R. Penck und Werner von Mutzenbecher.

Das Kommen und Gehen von Werken im Kunstmuseum ist kein neuer Trend, auch wenn diese in den vergangenen Wochen und Monaten für Furore gesorgt haben. Die bedeutendsten Werke im Museum sind glücklicherweise bereits in dessen unveräusserlichem Besitz.