Seit einer Woche fährt das veloähnliche Fahrzeug durch die Innenstadt. Zu gross für ein Velo, auch die Form stimmt nicht ganz, dennoch sind einige Parallelen zu erkennen. Ein Auto ist es trotz Nummernschild und «Kofferraum» auch nicht.

Beim Testen des neuen Gefährts habe er von Passanten einige erstaunte Blicke geerntet, erklärt Jérôme Thiriet, Geschäftsleiter der Kurierzentrale. Auch bei der Motorfahrzeugkontrolle wusste man anfangs nicht, mit welcher Bezeichnung der «Citycruiser» für den Verkehr zugelassen werden sollte.

«Deshalb führte man dort zuerst eine Typenprüfung durch», erklärt Thiriet. Der Citycruiser ist ein Novum in der Schweiz. Die Idee stammt aus Berlin. Als Reaktion auf das neue Verkehrskonzept begann er, sich nach einer Alternative zum Kurierauto umzusehen. «Andere gingen auf die Barrikade, als ihnen die Zulassung verweigert wurde. Wir hingegen setzen auf eine andere Strategie: Wir suchten etwas Neues.»

Nachdem das passende Fahrzeug in Berlin gefunden und getestet worden war, wurde es bereits im Januar nach Basel überführt.

Lange Verzögerungen

Dass es erst jetzt, mit einem halben Jahr Verzögerung, in den Verkehr eingeführt wurde, hat wiederum mit der Einzigartigkeit zu tun: «Das Fahrzeug war hier etwas Unbekanntes. Einige Anpassungen mussten vorgenommen werden, so wurden beispielsweise die Kanten abgerundet.»

Nun ist das Gefährt als Velo mit Elektrounterstützung und grosser Transportbox deklariert. «Durch die Änderungen kamen einige Extrakosten auf uns zu, insgesamt haben wir 10 000 Franken in den Citycruiser investiert», sagt Thiriet. Neben wenigen Nachteilen überzeuge die Konstruktion im Grossen und Ganzen: Der Citycruiser ist bequem zu fahren, die Batterie reicht für 90 Kilometer.

Trotzdem wird das Fahrzeug nur für Kurzdistanzen eingesetzt, etwa um grosse Ware von der Innenstadt bis zur Kurierzentrale zu transportieren. Ab dort werde dann nach wie vor das Auto den Vorzug erhalten. «Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometern ist der Citycruiser eher gemütlich unterwegs», erklärt Thiriet. Mit dem Status «Velo» kann der Citycruiser auf den Hauptachsen mit Motor, in den Begegnungszonen ohne fahren. «In den Fussgängerzonen muss das Velo gestossen werden, was aber auch kein Problem darstellt – diese Distanzen sind meist kurz», meint Thiriet.

Glückliche Fügung

Die innovative Gestalt des Citycruisers soll gleichzeitig das Stadtbild verändern. «Das Lastvelo ist ein echter Blickfang, es gibt ja noch nichts Vergleichbares in der Schweiz», meint Thiriet. Dank der Entscheidung der Behörden mussten die Verantwortlichen der Kurierzentrale gezwungenermassen aktiv werden. In den anderen Schweizer Städten gäbe es noch keine Notwendigkeit, von den Kurierautos abzukommen, sagt Thiriet weiter.

Momentan sei der Citycruiser sehr gefragt. Die Kurierzentrale zeigt sich auch nicht unglücklich über die gezwungene Veränderung: «Das neue Gefährt entspricht unserer bisherigen Linie.»