Hardstrasse

Kuriose Hausbesetzung in Basel: «Wir glauben nicht, dass die Polizei nur kam, um nett Hallo zu sagen»

Zum zweiten Mal in zwei Jahren sind an der Hardstrasse 112-116 drei Häuser besetzt. Die Gebäude gehören der Baufirma Spaini AG und stehen gemäss einer Stellungnahme der Besetzer seit 17 Jahren leer.

Vom Vordach des Hauses an der Basler Hardstrasse 112 baumelt ein orangefarbenes Banner. Darauf steht in grossen Lettern «Besetzt». Auf der Eingangstreppe liegt ein zerfleddertes Magazin, im geöffneten Briefkasten warten ein paar Werbeflyer auf die Hausbewohner. Nichts regt sich. Auf Klingeln und Klopfen reagiert niemand.

«Die Hardstrasse 112-116 stand 17 Jahre lang leer und wird jetzt wiederbelebt», schrieb die Interessengemeinschaft bedingungsloses Wohnen (IGBW) am Mittwoch in einer Medienmitteilung. Die Besetzer, die am Morgen vor Ort nicht anzutreffen waren, melden sich später per Mail: «Wir besetzen das Haus seit Dienstagabend.» Zweifel an dieser Aussage sind aber berechtigt: Zwar existieren sowohl das Banner als auch Fotos aus dem Inneren des Hauses, gesehen hat die Besetzer aber niemand.

Es handelt sich um die zweite Besetzung innerhalb von zwei Jahren. Bereits im August 2016 wollte ein Kollektiv aus Künstlern, Musikern und Handwerkern die drei Häuser zum Leben und Arbeiten nutzen. Die Aktion hatte keinen Erfolg. Die Eigentümerin, die Baufirma Spaini AG, stellte einen Strafantrag und die Häuser wurden nach wenigen Stunden wieder geräumt.
Zwei Monate später erschien im Kantonsblatt eine Bauausschreibung, die einen Abbruch der Gebäude und den Bau eines Mehrfamilienhauses ankündigte. Wohl ohne Erfolg, denn ein Jahr später, im Oktober 2017, erschien dieselbe Ausschreibung erneut, mit einem anderen Architekten. Die Baueingabe sei immer noch hängig, sagte die Spaini AG gegenüber dem Quartierkurier St.Alban-Gellert, der Anfang Juni erschien.

Besetzer wenig zuversichtlich

Für die IGBW ist klar: Die Immobilienbesitzer können tun und lassen, was sie wollen. «Von der Mülhauserstrasse, Erikastrasse, bis zum Giessliweg jagt heute eine Massenkündigung die nächste», erklärt die Gemeinschaft per Mail. Ihr Ziel: Die Gebäude renovieren und eine offene Wohngemeinschaft aufbauen. Die Spaini AG sei über die Besetzung informiert, hätte sich jedoch nicht gemeldet. Das stimmt die Besetzer wenig zuversichtlich: «Wir gehen von der Räumung aus, nach der Erfahrung, die unsere Vorgänger machen mussten. Aber vielleicht werden wir ja positiv überrascht.»

Diese letzten Hoffnungen der Aktivisten währten nicht lange. Um 14.17 Uhr, keine Stunde nach der ersten Mail, folgte eine zweite: «Die Häuser werden momentan geräumt!» Die Situation war jedoch nur halb so wild, wie ein Augenschein vor Ort zeigte. Die Polizei war zwar vor Ort, jedoch ohne Räumungsbefehl, wie ein Polizeisprecher auf Anfrage bestätigte.

Für die IGBW sprach die Präsenz dennoch klar für eine Räumung. «Wir glauben nicht, dass die Polizei nur kam, um nett Hallo zu sagen», erklären die Aktivisten später per Mail. Ebenso seien die Versuche, mit der Spaini AG Kontakt aufzunehmen, erfolglos geblieben. «Wir haben das Haus deshalb vorerst verlassen», schreibt die IGBW. Damit wollten die Besetzer unnötigen Strafen entgehen. Sie fordern nun von Besitzern und Polizei eine klare Stellungnahme dazu, nicht zu räumen.

Keine Reaktion von Spaini

Die Spaini AG hat auf eine Kontaktaufnahme nicht reagiert. Ein Lieferwagen mit der Aufschrift der Firma fuhr am Nachmittag mit Brettern auf das Grundstück an der Hardstrasse. Womöglich will Spaini damit ein erneutes Eindringen der Besetzer verhindern.

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