Wie Phönix aus der Asche sei das Theaterfestival Basel auferstanden, sagte der Baselbieter Regierungsrat Urs Wüthrich bei der Eröffnungsfeier in der Kaserne: Bloss hoffe er, dass es bis zur nächsten Durchführung nicht wieder «ein paar hundert Jahre» dauern werde wie damals beim Phönix. Das Festival solle «kein Einmalereignis» bleiben, auch wenn die «Institution Theater in der Gesellschaft nicht mehr uneingeschränkte Unterstützung geniesst».

Luftsprünge im Büro

Die Lotteriefonds von Baselland und Basel-Stadt haben neben diversen Stiftungen jedenfalls entscheidend zur Neu-Lancierung beigetragen; und immer, wenn wieder eine Finanzierungszusage kam, hätten sie «Luftsprünge im Büro» gemacht, gestand Carena Schlewitt. Sie ist als Intendantin der Kaserne Motor und Haupthirn des Festivals, und unüberhörbar war ihre Vorfreude auf die kommenden zwölf Tage, die «über 15 Tanz- und Theaterproduktionen» in die Region bringen und uns «die Welt mit anderen Augen sehen» helfen sollen. «Let’s have an intensive time together», wünscht sie. Auch die baselstädtische Regierungsrätin Eva Herzog – die selbst eine Kasernen-Vergangenheit hat –, gestand ihre (Vor)Freude. Denn «Basel ist auch eine Theaterstadt, allerdings manchmal zu sehr in der Erinnerung».

Die Eröffnung umrahmte die «Kapelle Eidgenössisch Moos» (Ruedi Häusermann, Herwig Ursin, Jan Ratschko) mit ihren angeschrägten Ländlern. Das pünktlich einsetzende Gewitter trieb sie allerdings leider unters Dach in die stickig heisse Kasernenbar. Dadurch kam das Festivalzentrum auf dem Kasernenareal, das von Szenografie-Studierenden der Fachhochschule Nordwestschweiz gestaltet wurde, nicht zu seinem Auftritt; aber wer – wie die Kasernenleitung – so schnell und gut auf unvorgesehene Umstände zu reagieren versteht, hat eigentlich nichts mehr zu befürchten.

Männer-(Alb)-träume

Und die Eröffnungspremiere «sans objet» bestätigte dann auch die ersten hohen Erwartungen. Aurélien Borys «Compagnie 111» aus Frankreich zeigte in der Reithalle «1 Roboter + 2 Menschen = 70 atemberaubende Minuten Hochleistungen des Bewegungstheaters». Ein Schau-Stück aus sehr ästhetischen, fast immer sprachlosen Schwarzweissnummern, das zwei Tanzakrobaten (Olivier Alenda, Olivier Boyer) in Interaktion mit einem alten Industrieroboter zeigt, einem schweren eisernen Gebilde, das zunächst – in schwarze Folie verpackt – wie ein Gespenst wirkt, ein bedrohlich stilles Geheimnis.

Die Schwenk-Arme, Gelenke, Kabelschlaufen und Leuchtaugen lassen ihn bald aber zum stählern modernistischen Dämon werden: Und die schwirrenden und seufzenden Geräusche, die er von sich gibt, strukturieren den Ablauf der Vorstellung und das Mit- und Gegeneinander seiner «Tänze» mit den beiden Männern, die ihm entgegentreten. Sie sind in schwarze Anzüge gekleidet und legen höchstens ihr Jackett ab, auch wenn der Schweiss schon von ihnen tropft.

Macht und Ohnmacht, Raumbehauptung und Raumverlust werden thematisiert, Körper, Musik (Joan Cambon) und Schatten umspielen dabei den strengen eisernen Protagonisten, der die Tänzer immer wieder in groteske Situationen bannt – liegend, schwebend, fallend, kopflos turnend, die Körper dabei (optisch) zerteilt – und der bald auch beginnt, die Bühne zu zerlegen; zuletzt wird er wieder hinter schwarzes Plastik verbannt, das er jedoch zerschiesst, was Sternenlöcher zum Publikum hin ergibt, irrende Lichtpunkte, suchende Spots.

Zivilisationskritik? Maschinenstürmerei? Oder doch vor allem ein geduldig ausgespielter Männer-(Alb)-Traum, die Geschichte von einem Kräftemessen zwischen Muskeln und Stahl?

Weitere Informationen und der Spielplan unter www.theaterfestival.ch